01.12.2020 - 15:45 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Lehrer bangt nach Urteil um berufliche Existenz

Der Prozess gegen einen 56 Jahre alten Pädagogen aus dem Kreis Schwandorf bekommt eine Neuauflage vor dem Landgericht. Der Mann war wegen des Besitzes kinderpornografischer Dateien zu einem Jahr Bewährungsstrafe verurteilt worden.

von Autor HWOProfil

Es ist wohl der letzte Strohhalm, nach dem ein 56 Jahre alter Lehrer greift, um seine berufliche Existenz zu retten. Er ist seit dem vergangenen Jahr vom Dienst suspendiert und müsste womöglich mit der Entfernung aus dem Amt rechnen, wenn das heuer im Oktober gegen ihn ergangene Urteil des Amtsgerichts Schwandorf rechtskräftig würde.

Der Fall war von amerikanischen Ermittlern ausgelöst worden. Sie hatten deutsche Behörden benachrichtigt und damit eine Aktion ausgelöst, bei der Amberger Kriminalbeamte in der Wohnung des 56-Jährigen elektronische Geräte beschlagnahmten. Sie taten das mit richterlichem Durchsuchungsbeschluss.

Auf einem Laptop und dazu auch auf einem Handy wurden mehrere Hundert Dateien mit kinderpornografischen Inhalten gefunden. Sie waren von teilweise übelster Art. Handy und Computer gehörten dem Pädagogen, der dann im eintägigen Verhandlungsverlauf vor dem Schwandorfer Richter Peter Jung mit Nachdruck bis zum Verfahrensende bestritt, jemals von der Existenz der Dateien etwas gewusst zu haben. "Ich kann nicht einen Vorgang gestehen, von dem ich keine Ahnung hatte", gab der Mann wiederholt zu Protokoll.

Die in Nordbayern für sogenannte Cyber-Crime-Delikte zuständige Staatsanwaltschaft Bamberg hatte zu dem Prozess einen Anklagevertreter nach Schwandorf geschickt. Er hielt in seinem Plädoyer ein Jahr Haft für geboten und regte an, dem bis dahin straffrei durch sein Leben gegangenen Mann die Chance einer Bewährung zu geben. Dieser Forderung entsprach Richter Jung in seinem Urteil. Er setzte außerdem eine Geldauflage von 2 500 Euro hinzu und zeigte sich überzeugt von der Täterschaft des Pädagogen.

Artikel über Verhandlung in der Erstinstanz

Schwandorf

Unterdessen ist vom Angeklagten, wie das Amtsgericht Schwandorf auf Anfrage mitteilte, gegen das Urteil Berufung eingelegt worden. Das bedeutet: Die 3. Strafkammer des Landgerichts Amberg wird sich mit den Vorgängen zu befassen haben.

Bereits im Jahr 2007 hatte es ein ähnliches Verfahren gegeben. Damals war ein Lehrer aus dem Kreis Schwandorf wegen des Besitzes kinderpornografischer Bilder zu 3 500 Euro Geldbuße per Strafbefehl zur Verantwortung gezogen worden. Als die Entscheidung rechtskräftig wurde, entfernte man ihn aus dem Dienst. Dagegen klagte der Mann zunächst vor dem Verwaltungsgericht Regensburg und später vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in München. Beide Instanzen bestätigten die behördeninterne Entscheidung, ihn nicht mehr unterrichten zu lassen.

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