23.04.2021 - 17:14 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Künstlerischer Brückenschlag hinter verschlossenen Türen im Oberpfälzer Künstlerhaus

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Schade. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und diese richtet sich konkret darauf, die Arbeiten zeitgenössischer bayerischer und böhmischer Künstler im Oberpfälzer Künstlerhaus wirklich sehen zu können. Verdient hätte sie es allemal.

Kunst lebt von der öffentlichen Wahrnehmung. Dafür werben Elke Horsch Vorstandsmitglied im Förderverein Oberpfälzer Künstlerhaus, Landrat Thomas Ebeling, die Austauschkünstler Reinhard Roy und István Haász sowie dritte Bürgermeisterin Marion Juniec-Möller und Künstlerhaus-Leiterin Christina Lanzl (von links).
von Irma Held Kontakt Profil

Die Ausstellung "Bayern-Böhmen" stellt einen künstlerischen Brückenschlag über Landesgrenzen hinweg zum Kulturstadtjahr Bayern-Böhmen 2020/2021 dar. So unterschiedlich die Arbeiten der vier ostbayerischen und vier böhmischen Künstler sind, finden sich immer wieder Berührungspunkte, Kreuzungen, die ein Netz spinnen. Ihre Ateliers liegen abseits der großen Kunstszenen. Das muss kein Nachteil sein und schafft bereits Verbindungen. Die Wege der Kreativen in diesem geografischen Raum kreuzen sich aber auch auf andere Weise.

Modellhaft dafür steht Barbara Sophie Höcherl aus Falkenstein. Sie studierte Illustration und Grafik in Pilsen. Dort traf sie Benedikt Tolar, der seit 2008 in Pilsen lehrt, und ebenfalls in der Ausstellung in der Kebbel-Villa vertreten ist. Den beiden gemein in ihrer Kreativarbeit ist die Wiederverwertung. Upcycling heißt das neudeutsch. Künstlerhaus-Leiterin und Kuratorin Christina Lanzl hat verschiedene Objekte von Engl aus Schaumstoff ausgewählt.

Industrieprodukte

Benedikt Tolars Industrieprodukte als Kunstgrundlage behalten ihre ursprüngliche Form und werden an der Oberfläche bearbeitet. Dieser Ansatz steckt auch hinter dem Blechsegel, eine Installation, die er mit Studenten in Bügellohe (Stadt Schönsee) umgesetzt hat. Hier wurde ein Fundstück in der aufgebenen Siedlung zum Kunststück.

Die von Marcel Fiser, Galerie der bildenden Künste in Cheb, mitkuratierte Schau spiegelt gezielt die Vielfalt und das Korrespondierende zeitgenössischen Kunstschaffens in den sechs Grenzregionen wider. Beate Engls und Tone Schmids Installationen sind nicht nur zum Betrachten da, sondern zum Anfassen. Engls Flüstertüte darf für eine Durchsage genutzt werden, wenn das Bedürfnis da ist. Ist es aber nicht, weil keiner in die Kebbel-Villa kommt. Gleiches gilt für Schmids "Affair". Die Saiten kann nur das Künstlerhaus-Personal zum Klingen bringen.

Mit der Heimat im Austausch

Beim ersten Blick auf die Fotografien von Anna Kocourová ist sich der Betrachter nicht sicher, was er sieht. Hier kreuzt sich oberflächlich gesehen zu viel. Ein weiterer "Treffpunkt" der Kunstschaffenden ist die waldreiche Heimat und hier vor allem das Material: Granit und Holz. Toni Scheubeck und Václav Fiala stehen in ihren Arbeiten mit der Region im Austausch. Und Petr Brozka zeigt für Christina Lanzl hochaktuell die Leere, das Nebulöse, das Ungewisse der Pandemie.

Ganz anders das Werk von Reinhard Roy. Er schafft, salopp gesagt, Rasterbilder. Doch das würde ihm nicht gerecht werden. Die Raster verändern sich je nach Abstand und Blickwinkel. István Haász aus Budapest arbeitet an Reliefs und Collagen aus Holz und Papier, bevorzugt in Gelb. Die starke Farbe ist für ihn positiv besetzt und nicht so dekorativ wie andere Farben. Diese Arbeiten werden die Kunstinteressierten nicht wirklich zu Gesicht bekommen. Der von den Kreisen Schwandorf und Görlitz geförderte Austausch endet am 10. Mai. Weitere Bilder: www.onetz.de/

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Hintergrund:

Die Ausstellungen

  • Bayern-Böhmen-Künstlerische Begegnungen: Die Ausstellung zum Kulturstadtjahr Bayern-Böhmen 2020/2021, ursprünglich bis 23. Mai geplant ist bis 13. Juni verlängert, in der Hoffnung das Künstlerhaus für Besucher doch noch öffnen zu können.
  • Interessiert können unter www.kebbelvilla.de/sites/default/files/Bayern-Boehmen_OKH-Ausstellung_Fo... wie in einem Fotoalbum durch die Ausstellung blättern.
  • In Zusammenarbeit mit der OTH Amberg-Weiden entsteht außerdem ein Video. Begleitend gibt es einen Katalog.
  • 30 Jahre Landkreispartnerschaft mit Görlitz: Zum Jubiläum 2020 findet coronabedingt verspätet ein Künstleraustausch statt. Reinhard Roy verbringt einen mehrwöchigen Studienaufenthalt in Schwandorf. Er arbeitet bis 10 Mai mit István Haász in Schwandorf.
  • Die Arbeiten der Stipendiaten Reinhard Roy, gebürtiger Görlitzer, und István Haász hängen nur bis 9. Mai im Künstlerhaus und sind unter www.kebbelvilla.de/de/istvan-haasz-und-reinhard-roy-schwandorf-0 zu sehen.
  • Der gebürtige Burglengenfelder Florian Nörl hat im Gegenzug im Partnerhaus Schloss Königshain im Landkreis Görlitz ein Atelier bezogen. Im Herbst folgt Heiko Herrmann aus Pertolzhofen.

 

 

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