28.08.2019 - 09:24 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kläranlage: 450 000 Euro fällig

Die Verbandskläranlage ist ein Vorzeigebetrieb. Daran kann auch eine technische Panne nichts ändern. Jetzt ist eine Investition von 450000 Euro schneller fällig, als zunächst geplant.

Die Siebbandpresse für Klärschlamm an der Schwandorf-Wackersdorfer Anlage soll ersetzt werden. Kosten: 450000 Euro.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

"Wir können uns nicht leisten, dass wir die Umweltsau sind," sagte Oberbürgermeister Andreas Feller am Dienstag in der Sitzung des Kläranlagen-Zweckverbands Schwandorf-Wackersdorf. Hintergrund: Die Siebbandpresse, die den Klärschlamm der Anlage vortrocknet, war defekt. Wenn der sich ständig vermehrende Schlamm nicht aus den Klärbecken entfernt wird, könnte er in die Naab schwappen. Das wurde natürlich verhindert.

Eilentscheidung

Eine mobile Trocknungsanlage wurde geordert, half beim Malheur aus. Das Geld dafür billigter der Verbandsvorsitzende Andreas Feller in einer Eilentscheidung. Zunächst habe es nach einer teuren Reparatur an den Antriebswalzen der Presse ausgesehen, erläuterte der technische Leiter der Kläranlage, Robert Merkl. Der Hersteller zeigte sich aber kulant, nun kosten die Ersatzteile nur 5000 Euro. Die werden jetzt schnellstens eingebaut. Dennoch kann die Anlage, die seit 1996 läuft, nicht mehr die volle Leistung bringen. Das liegt nicht an der Maschine. "Die Eigenschaften des Schlamms haben sich über die Jahre geändert", sagte Merkl. Das mag an neuen Reinigungsmitteln oder geänderten Gewerbe- und Industrieabwässern liegen, mutmaßte er.

Deshalb war für das kommende Jahr die Ausschreibung einer neuen Entwässerungsanlage geplant. Kosten: Rund 450 000 Euro. Jetzt muss es schneller gehen. Es soll ein Dekanter angeschafft werden. Das ist eine Art Zentrifuge, die Wasser und Schlamm trennt. Nach Tests verschiedener Techniken haben Merkl und seine Kollegen ermittelt, dass dieses Verfahren mit dem Schwandorfer Schlamm am besten zurecht kommt. Außerdem hat die Maschine auch Vorteile für den Arbeitsablauf.

Geld freigegeben

Wenn die Siebbandpresse repariert wird, muss weiterhin eine mobile Anlage die Aufgaben übernehmen, eventuell auch die fehlende Leistung ausgleichen. "Der Schlamm muss weg, das hilft ja nichts", sagte Merkl. Bundesweit gibt es nur zwei Handvoll Anbieter dieser mobilen Anlagen, und die sind gut ausgebucht. Entsprechend teuer lassen sie sich ihre Dienstleistung bezahlen. Das Gremium billigte Haushaltsüberschreitungen bis zu 100 000 Euro, die OB Feller freigeben kann, wenn es nötig wird. Ebenso einstimmig billigte das Gremium, dass die Ausschreibung für den neuen Dekanter anlaufen soll. Die Kosten werden letztlich auf die Abwassergebühr umgelegt, dürften in der Kalkulation aber insgesamt kaum ins Gewicht fallen.

Die mobile Trocknungsanlage, die derzeit in der Kläranlage steht, arbeitet ebenfalls nach dem Dekanter-Prinzip. Robert Merkl erläuterte den Verbandsräten aus Schwandorf und Wackersdorf das Funktionsprinzip. Viel zu sehen ist in dem Container nicht, die Anlage ist weitgehend ein geschlossenes System.

In der Kläranlage wird der Schlamm aus den Becken zuerst in die Faultürme gepumpt. Nach dem Ausfaulen wird das Material unter Zugabe von Flockungs-Hilfsmitteln auf rund 25 Prozent Trockenmasse (also 75 Prozent Wassergehalt) entwässert, erst dann kann es zur Entsorgung. Ab Herbst soll das in der Trocknungsanlage beim Müllkraftwerk geschehen, die den Schlamm auf 90 Prozent Trockenmasse bringt. Das reicht, um ihn anschließend verbrennen zu können, vorerst wohl in einem Zementwerk.

Technischer Leiter Robert Merkl (Dritter von rechts) erläuterte den Verbandsräten mit OB Andreas Feller (Vierter von rechts) an der Spitze die Funktion eines Dekanters.

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