24.09.2021 - 14:30 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kino-Kunst für einen Zwickl

Roadshow durch die Oberpfalz: Die Schwandorfer Dokumentarfilmtage Zwickl sind ab 1. Oktober unterwegs und bieten herausragende Filme an besonderen Orten. Das passende Thema: "Heimat und Reisen".

Die "Road-Show" der Zwickl-Dokumentarfilmtage 2021 macht vom 27. Oktober bis 1. November in Schwandorf Station. Das ehemalige Kino "Metropol", zuletzt Blumengeschäft der Familie Heinz, wird wieder zum Mekka für Filmfans.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Eine Oma, die unablässig Schnitzel klopft. Jäger, die auf ihre nächste Großwild-Trophäe zielen. Greta Thunberg, die vor den Vereinten Nationen spricht. Ein Mädchen, das von einem Biergarten in Teheran träumt. Narren, die Fasnacht in Rottweil feiern. Eine Mutter, die im syrischen Aleppo ein Kind zur Welt bringt, während der Krieg tobt. Das Leben bietet tausende Geschichten. Der Blick auf das "Echte", das ist die Macht des Dokumentarfilms. Das beweist das Festival Zwickl auchin seiner achten Auflage. Die Schwandorfer Dokumentarfilmtage beginnen am 1. Oktober.

Der Zwickl-Trailer

Die Filmwissenschaftlerin Anne Schleicher hat das Festival 2012 aus der Taufe gehoben, mit einer genialen Idee: Herausragende Filme für zwei Euro Eintritt - für einen "Zwickl" - der den Dokumentarfilmtagen den Namen gab. Die Große Kreisstadt stieg nur ein Jahr später als Veranstalter ein, heute strahlt das Zwickl mit Unterstützung des Landkreises, des Heimatministeriums und vieler Sponsoren weit über die Grenzen Schwandorfs hinaus. Ein "Wanderkino" waren die Dokumentarfilmtage schon immer. In diesem Jahr, passend zum Thema "Heimat und Reisen", sind Spielorte in der Oberpfalz und Tschechien dabei. Am längsten gastiert das Zwickl in seiner Heimat, dem ehemaligen Metropol-Kino in Schwandorf.

Die Corona-Pandemie stellte nicht nur das Zwickl vor Herausforderungen. Lockdowns und Reise-Hindernisse haben uns alle betroffen - Grund genug, für neue Perspektiven zu sorgen. Auf den ersten Blick abgenutzte Begriffe wie "Heimat und Reisen" – das Schwerpunkt-Thema der Dokumentarfilmtage – haben neue Bedeutung gewonnen. Zehn der über 40 Filme im Programm der Dokumentarfilmtage hat das Zwickl-Team um Initiatorin Schleicher in diesem Themenblock gefasst. Eine Auswahl:

"Wem gehört mein Dorf"

Trailer: "Wem gehört mein Dorf"

Der Eröffnungsfilm "Wem gehört mein Dorf" (kostenloser Stream am 1. Oktober, Amberg 24. Oktober, Schwandorf 29. Oktober) bringt beide Begriffe zusammen: In einem Ostseebad auf Rügen soll ein Naturschutzgebiet für Urlauber bebaut werden. Dorfbewohner wehren sich.

"Die Wand der Schatten"

Die Lastenträger im Himalaya stellt Eliza Kubarska in "Die Wand der Schatten" in den Mittelpunkt (Niitenau 9. Oktober, Schwandorf 1. November). Nada Sherpa und seine Frau brechen ein Tabu und besteigen den heiligen Berg Kumbhakarna. Ihren Lohn brauchen sie, um die Ausbildung ihres Sohnes zu finanzieren – und ihn so vor dem Schicksal als Lastenträger zu bewahren. Werden die Götte und Mönche diese Sünde verzeihen? Interessieren sich die Bergsteiger der Expedition überhaupt für diese Probleme der Ureinwohner?

Trailer: "Die Wand der Schatten"

"Für Sama"

Waad al-Kateabs erzählt in "Für Sama" über ihre Tochter und das Leben in Aleppo. Über Jahre hat die junge Frau mit ihrem Handy und ihrer Kamera zunächst die Protestbewegungen und dann den furchtbaren Krieg in Syrien dokumentiert. Selbst inmitten des Bombenhagels findet sie Spuren von Freude und Lebensmut.

"Safari"

Trailer: "Safari"

Einmal mehr richtet Regisseur Ulrich Seidl den Blick gnadenlos auf seine Protagonisten: "Safari" provoziert ohne Frage, zeigt Großwildjäger in Afrika auf der Pirsch. Afrikanische Kultur ist ihnen egal. Es geht um die Trophäe. (Nittenau 9. Oktober, Schwandorf 28. Oktober).

"Moro no Brasil"

Trailer: "Moro no Brasil"

Ein Roadtrip in Südamerika bei der Roadshow durch die Oberpfalz: "Moro no Brasil" ist eine Liebeserklärung an die Musik, ihre Kraft im harten Alltag des Landes. (Amberg 23. Oktober, Schwandorf 28. Oktober).

Dokpreis "ZETT"

Das Werk bayerischer Filmemacher und der besondere Blick auf die Heimat ist eine der Wurzeln, aus der das Zwickl sein besonderes Flair zieht. Wie sehen Filmschaffende den Freistaat? Der bayerische Filmpreis "ZETT" ist so besonders wie das Zwickl: "Es ist der einzige Preis für Dokumentarfilme, die überwiegend in Bayern gedreht worden sind oder ein in Bayern verortetes Thema behandeln", sagt Zwickl-Initiatorin Anne Schleicher. Der "Pokal" – natürlich ein "Z" – stammt aus der Region, hergestellt bei "Fronberg Guss" im Schwandorfer Stadtteil. Rund 20 Filme wurden eingereicht, fünf kamen in die engere Auswahl der Jury. Der Sieger wird am 31. Oktober in Schwandorf ausgezeichnet. Die nominierten Filme:

"Regeln am Band bei hoher Geschwindigkeit"

Osteuropäische Leiharbeiter kämpfen in "Regeln am Band bei hoher Geschwindigkeit" im größten deutschen Schweineschlachtbetrieb um ihre Rechte. Gleichzeitig proben Münchner Gymnasiasten "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe" von Bert Brecht. (Regensburg 17. Oktober, Amber 23. Oktober).

Trailer: "Regeln am Band bei hoher Geschwindigkeit"

"In the Name of Sheherazade".

"In the Name of Sheherazade oder der erste Biergarten in Teheran" ist eine moderne, politische Version des Tausendundeine-Nacht-Märchens, behandelt das Geschichten-Erzählen und nimmt die Identitätssuche der Regisseurin Narges Kalhor in den Blick. (Regensburg 15. Oktober, Amberg 23. Oktober).

80000 Schnitzel

Eine 83-jährige Gast- und Landwirtin und ihre weitgereiste Enkelin (33) wollen den Familienhof in Steinlohe (Kreis Cham) retten. Finden die beiden Frauen zusammen? (Bad Kötzting 3. Oktober, Nittenau 8. Oktober, Schwandorf 27. Oktober).

Trailer: 80000 Schnitzel

"Wurzeln des Überlebens"

Bertram Verhaag begleitet fünf Landwirtinnen und Landwirte, die auf ihren Höfen altes Wissen und neue Techniken für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nutzen. (Nittenau 10. Oktober, Regensburg 17. Oktober, Schwandorf 30. Oktober).

Trailer: "Wurzeln des Überlebens"

"Walchensee forever"

Trailer: "Walchensee forever"

Frauen trotzen in "Walchensee Forever" den patriarchalischen Strukturen ihrer jeweiligen Generation. Dazu folgt Janna Ji Wonders der Geschichte ihrer Familie über ein ganzes Jahrhundert. Nicht nur am See, sondern auch in Mexiko, San Francisco oder Indien. (Nittenau 10. Oktober, Regensburg 16. Oktober, Schwandorf 30. Oktober).

Tschechisches Filmfenster

Trailer: Rybak und Die letzte erste Tanke

Erstmals widmet sich das Zwickl explizit dem Filmschaffen eine Landes. Sieben Produktionen wurden für das "Tschechische Filmfenster" ausgewählt, zum Teil erst in Zusammenarbeit mit dem Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee und der Uni Leipzig mit Untertiteln versehen. Das Filmfenster entstand auch, weil Schwandorf 2020 "Kulturstadt Bayern-Böhmen" war. In Schönsee (2. Oktober) wird unter anderem ein Kurzfilmprogramm gezeigt. Einer der Streifen ist "Chlupy", der Fragen der Geschlechteridentität beleuchtet und am Thema "Haare" beleuchtet.

Werkschau: Böller und Brot

Trailer: Böller und Brot

"Böller und Brot", das sind Sigrun Köhler und Wiltrud Baier. Den Künstlerinnen und Filmemacherinnen aus Baden-Württemberg widmet das Zwickl eine Werkschau mit vier Lang- und sieben Kurzfilmen. Und eine Vorpremiere: "Narren". Der witzige Streifen erzählt über die Tradition der Rottweiler Fasnacht (Nittenau 10. Oktober, Schwandorf 31. Oktober).

Ausreißer

Trailer: Ausreißer

Ein Film, der nicht in die Themenblöcke passen will, aber trotzdem gezeigt werden soll: "Aufzeichnungen aus der Unterwelt". Harmlos wirkende Männer blicken zurück in wilde Zeiten der Wiener Unterwelt in den 1960er-Jahre. (Bad Kötztiung 3. Oktober, Schwandorf 28. Oktober).

Kinderprogramm

"Staunen" heißt es beim Kinderprogramm am 30. Oktober ab 11 Uhr im Schwandorfer Metropol: Filmvermittlerin Stefanie Schlüter hat Filme von Harun Farocki zusammengestellt (für Kinder etwa ab der ersten Klasse). Farocki hat schon für die "Sesamstraße" gedreht.

Spielorte und Termine

Die Eröffnung der Schwandorfer Dokumentarfilmtage Zwickl geht in diesem Jahr als Live-Onlineveranstaltung am 1. Oktober um 19 Uhr auf "Youtube" über die Bühne. Unter diesem Link kann jeder kostenlos teilnehmen. Der Eröffnungsfilm "Wem gehört mein Dorf" wird anschließend gezeigt. Die weiteren Spielorte:

  • Centrum Bavaria Bohemia (Schönsee, Freyung 1): 2. Oktober. (Veranstalter Centrum Bavaria Bohemia).
  • Bahnhof Bad Kötzting (Bahnhofstraße 10): 3. Oktober (Oberpfälzer Kulturbund).
  • Kinocenter Nittenau (Regentalstraße 24): 8. bis 10. Oktober (Stadt Schwandorf).
  • Andreasstadel Regensburg (Andreasstraße 28): 15. bis 17. Oktober (deutsch-tschechischer Kultursommer Regensburg).
  • Ring-Theater Amberg (Spitalgraben 2a): 22. bis 24. Oktober (Kulturverein Amberg).
  • Altes Metropol Schwandorf (Schwaigerstraße 2): 27. Oktober bis 1. November (Stadt Schwandorf).
  • Depo2015 Pilsen (Presslova 14): im April 2022, verschoben wegen der Corona-Pandemie.

Was wäre ein Festival ohne Gäste: Bei einer Vielzahl der Aufführungen werden Filmschaffende für Gespräche vor der Leinwand zur Verfügung stehen. Sigrun Köhler und Wiltrud Baier (Böller und Brot) beispielsweise, oder Janna Ji Wonders (Walchensee forever). Moderatoren sind neben Anne Schleicher Sophia Hutzler, Kerstin Scherl und Simon Hauck. Außerdem warten weitere Attraktionen auf die Gäste: Etwa Film-Frühschoppen in Bad Kötzting, Amberg und Schwandorf. Wann genau die Talks stattfinden und noch viele Informationen mehr gibt's im Programmheft der Dokumentarfilmtage, das unter www.2wickl.de abgerufen werden kann und (nicht nur) an den Spielorten ausliegt. Das Zwickl ist auch auf facebook und instagram (@zwickl.dokumentarfilmfestival) unterwegs.

Die Jury des Dokumentarfilmpreises ZETT

Schwandorf

Die Themenseite zum Zwickl

Hintergrund:

Ticketreservierung läuft

  • Die Ticketreservierung für das "Zwickl" läuft online.
  • Unter www.2wickl.de können Karten für die jeweiligen Aufführungen an den Spielorten reserviert werden.
  • Eintritt: Ein Zwickl, also 2 Euro. Bezahlt wird an der jeweiligen Kinokasse.
  • 3-G-Nachweis und Maske nicht vergessen: Es gelten die jeweils aktuellen Corona-Regeln.
  • Wer als (regelkonforme) Gruppe kommen will, sollte als Gruppe reservieren: Das erleichtert die Besetzung der Reihen und das Einhalten der vorgeschrieben Abstände.

 

 

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