05.05.2021 - 09:26 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Industrielle Zeugen der Schwandorfer Zeitgeschichte erhalten

Mit dem Schmidt-Bräu-Gelände besitzt die Stadt Schwandorf eine Industriebrache in zentraler Lage und sucht nach einer Nutzung. Von der Kommune kam deshalb der Impuls für ein Online-Symposium zum Thema „Industriekultur“.

Die Stadt Schwandorf sucht nach einer Nutzung für das Schmidt-Bräu-Gelände. Die Industriebrache war Thema beim Online-Symposium "Kulturelle Nutzung von Industriedenkmälern".
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Das Thema „Kulturelle Nutzung von Industriedenkmälern“ griff das Centrum Bavaria Bohemia im Zuge des Projekts „Kulturstadt Bayern-Böhmen“ auf. Projektleiterin Veronika Hofinger und Programmmanager David Bender befanden sich beim Symposium zum Thema "Kulturelle Nutzung von Industriedenkmälern" deshalb virtuell in der Kultur- und Industriestadt Schwandorf, in der Bauruinen auf eine neue Nutzung warten.

Dritte Bürgermeisterin Marion Juniec-Möller hielt dabei neben dem Schmidt-Bräu-Gelände den Lokschuppen am Bahnhof und die Schuierer-Mühle an der Naab für erhaltenswert, denn: „Hier handelt es sich um Zeugen der Zeitgeschichte, mit denen die Menschen Erinnerungen verbinden“.

Auch der Linzer Tourismusdirektor Georg Steiner betonte „den narrativen Charakter der Industrieromantik“, die Werte und Emotionen transportiere. Wenn Professor Steiner an den Nationalsozialismus und die Zwangsarbeiter denkt, „dann ist die Aufarbeitung der Zeitgeschichte ein durchaus heikler Punkt“. Dennoch sah er in der kulturellen Nutzung von stillgelegten Industrieanlagen „ein erhebliches Erlebnispotenzial“.

Bezirksheimatpfleger Tobias Appl begann seinen Vortrag mit dem Bergmannsgruß „Glück Auf“, der an die Tradition der Knappen erinnert. Die Kohle-, Stahl-, Zement-, Porzellan- und Textilindustrie habe in der Oberpfalz eine lange Geschichte mit „teilweise schwierigem Erbe“. Bei der Nachnutzung fehle oftmals der Mut, bedauert Appl. Er hielt es aber für geboten, an die Sozial- und Arbeitsgeschichte und die technische Entwicklung zu erinnern.

„Wie können wir aus Asche wieder Feuer entstehen lassen?“; Mit dieser Frage leitete Moderatorin Julia Weigl-Wagner die Diskussion mit deutschen und tschechischen Experten ein. Der Regensburger Kulturreferent Wolfgang Dersch nannte die „Amberger Glaskathedrale“ als Paradebeispiel für eine „kulturelle Erlebnisdarstellung“. In diesem Industriebau, in dem weiterhin Gläser gefertigt werden, habe die Stadt Amberg eine Zweigstelle des Stadtmuseums eingerichtet. Dort erhalten die Gäste einen Überblick über die Geschichte der Glasbläserei und können bei einem Rundgang den Produktionsprozess beobachten.

IHK-Geschäftsführer Martin Kammerer zeigte am Beispiel des alten Stadtlagerhauses in Regensburg, „wie sich industrielles Erbe in eine moderne Nutzung überführen lässt“. Ruinen vor dem Abriss zu bewahren und zu sanieren, hat sich Sozialgeograph Petr Michalec aus Pilsen zum Ziel gesetzt. In Böhmen gebe es zahlreiche erhaltenswerte Glashütten, Brauereien und Maschinenbaugebäude.

Der tschechische Unternehmensberater Tomas Raboch kümmert sich um den Austausch mit anderen europäischen Ländern, „denn wir wollen gegenseitig voneinander lernen“. Die Schwandorfer Künstlerhaus-Leiterin Christina Lanzl hat viele Jahre in Amerika gearbeitet und war dort am Aufbau des „Artist Buildings“ in Boston beteiligt. Aus dem ehemaligen Wolle-Lager sind Ateliers und Wohnungen und damit eine „erfolgreiche Mischnutzung“ entstanden.

Die nächste Veranstaltung ist bereits terminiert: Das Centrum Bavaria Bohemia und die Stadt Schwandorf laden vom 12. bis 15. Mai zu „Kulturgenuss und Begegnung auf einer interaktiven Event-Plattform“ ein. Bei diesem Online-Festival „Woche der Nachbarn“ werden eine Zirkusvorstellung, Konzerte und Kunsthandwerk aus den Regionen Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Südböhmen, Karlsbad und Pilsen geboten.

Ausstellung im Künstlerhaus

Schwandorf

Woche der Nachbarn im virtuellen Raum

Schwandorf

 

 

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