16.07.2021 - 18:10 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Impfen vor dem Globus-Einkaufsmarkt

Wird unter Impfwilligen wie in Amerika eine Kreuzfahrt verlost? Das nicht gerade, doch auch der Landkreis Schwandorf macht Impfen attraktiver und rückt zum "Kunden": An den Globus-Markt.

Am Freitag wurde im Johanniter-Sanitätscontainer geimpft. Laut Dr. Moritz Maenner war die Resonanz besser als erwartet.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Die Bayerische Staatsregierung geht in die Offensive, möchte angesichts der momentanen Impf-Flaute das Angebot näher zu den Bürgern bringen. Neben in den Abend verlängerten Angeboten ohne Termin im Nabburger Impfzentrum macht das mobile Team Station beim Globus-Markt in Schwandorf.

Die Lage hat sich verändert: Manuel Lischka, Leiter der Stabsstelle Impfzentrum am Landratsamt, hat die Situation noch gut vor Augen: Knappe Impfstofflieferungen, ein Anmeldeboom, die unvorstellbare Zahl von rund 10 000 Terminwunsch-Anrufen an einem Tag im Impfzentrum: "Zu wenig Impfstoff, zu wenig Tests, zu wenig Kapazitäten". Und nun? Die elektronisch erfassten Termine von Impfwilligen sind praktisch abgearbeitet. Telefonische Benachrichtigungen laufen noch. Nicht selten mit der Antwort, dass die zweite Impfung schon beim Hausarzt erfolgt sei, man sich aber nicht im Zentrum abgemeldet hat.

Sommer, Sonne, Sorglosigkeit

Manuel Lischka beobachtet eine abnehmende Impfbereitschaft. Dabei möchte er nicht von Impfgegnern sprechen. Doch wie ticken die Menschen? Sommer, Sonne, Urlaub, Bilder von der Fußball-EM mit Menschen ohne Abstand und Maske: Sorglosigkeit greife um sich. "Ein schmaler Grat", so Lischka mit Blick auf explodierende Inzidenz-Zahlen auf Mallorca.

Der Landkreis Schwandorf hat auf die veränderte Situation reagiert. Seit geraumer Zeit wird Impfen ohne Termin in den Zentren Nabburg und Maxhütte-Haidhof angeboten. In der letzten Sieben-Tage-Übersicht vom vergangenen Mittwoch waren 1200 Bürger erfasst, die spontan oder schon "eingetaktet" zum Impfen gekommen sind. Doch zu einem großen Teil kommen Geimpfte: Personen, die in der ersten Spritze Astrazeneca erhalten haben und von neun bis zwölf Wochen Wartezeit ausgegangen sind. Nun, da die Zweitimpfung mit Biontech oder Moderna möglich ist, kann die Wartezeit auf vier Wochen reduziert werden. Dieses Angebot wird dann auch genutzt. Es gibt Anfragen nach der dritten Impfung, also der Auffrischung bei vollständig Geimpften. "Da müssen wir absagen", so Lischka. Hier gebe es noch keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Impfungen von Kindern ab zwölf Jahren sind möglich, wenn Vorerkrankungen vorliegen, sich zu Hause Risikopatienten befinden oder es individuelle Gründe gibt.

Die Ausgangslage hat sich grundlegend gewandelt: Es gibt genügend Impfstoff verschiedener Hersteller. Um ihn an den Mann zu bringen, mietete das Impfzentrum von den Johannitern ein Sanitäts-Container, der heute vor dem Globus-Haupteingang steht. "Es läuft besser als erwartet", freute sich Dr. Moritz Maenner, Leiter des Impfzentrums, gestern. Schon am Freitag kamen allein von 11 bis 17 Uhr 70 Bürger vorbei, die Einkauf mit Impfen verbanden. Schnell und unkompliziert. Wenn es weiter so gut läuft, überlegt man sich, das Angebot fortzuführen, betont Maenner.

"Wo die Menschen sind"

"Wir gehen mehr in die Fläche", ergänzt Manuel Lischka. Globus ist der Anfang. "Spätestens zu Ferienbeginn" sollen Freizeitlocations angefahren werden. Doch hier ist man vom Wetter abhängig. Gibt es Geschenke wie in den USA? "Eine Kreuzfahrt verlosen, das muss dann die Staatsregierung machen", meint Lischka amüsiert. Er könnte sich vielleicht Luftballons für Kinder, die die Eltern begleiten, vorstellen. Jedenfalls versuchen die mobilen Teams mit dem Angebot "dort aufzuschlagen, wo die Menschen sind".

Laut Sieben-Tage-Statistik vom Mittwoch sind 44 Prozent der Bürger im Landkreis vollständig geimpft. 55 Prozent haben die erste Spritze erhalten. Es dürften mehr sein, da die Zahlen der Betriebsärzte nicht erfasst sind. Manuel Lischka meint überschlägig, dass man von denjenigen Bürgern, die infrage kommen, "noch 30 Prozent impfen könnte". Eine Situation, die anderen Landkreisen ähnelt. Dr. Maenner hofft, dass die Bereitschaft mit Blick auf die Schulsituation im Herbst und von politischer Seite angedachte Einschränkungen für Nicht-Geimpfte noch mal anzieht.

Denn die Auslastung in den Impfzentren ist derzeit recht dürftig: Maxhütte-Haidhof bleibt laut Anordnung "von oben" wohl bis Ende August, Nabburg bis 30. September geöffnet. Doch was, wen sich die Corona-Lage wieder verschärft? Der BAD-Mitarbeiterstab mit 150 Leuten hätte laut Dr. Maenner momentan viel Kapazität für Drittimpfungen in Heimen. Dafür gibt es aber noch kein grünes Licht.

Hintergrund:

Nachts und beim Einkauf

  • Beim Einkauf: Vor dem Globus in Schwandorf wird heute von 9 bis 18 Uhr geimpft.
  • Nachtimpfen: Im Impfzentrum in Nabburg ist am Dienstag, 20. Juli, Impfen ohne Termin von 10 bis 22 Uhr möglich.
  • Freizeiteinrichtungen: Geplant ist spätestens zu Ferienbeginn Impfen an Freizeiteinrichtungen im Landkreis.

"Wir versuchen dort aufzuschlagen, wo viele Menschen sind."

Manuel Lischka, Organisator des Impfzentrums

Manuel Lischka, Organisator des Impfzentrums

Im Nabburger Zentrum besteht am Dienstag bis 22 Uhr die Möglichkeit, sich impfen zu lassen.
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