20.07.2021 - 15:18 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Immobilien-Nachfrage im Landkreis Schwandorf ist unverändert hoch

Die Corona-Krise hat den Immobilienmarkt nie wirklich erreicht – die Preise steigen anders als erwartet in unvermindertem Tempo weiter. Die Nachfrage ist unverändert hoch.

In der Region entstehen viele Neubauten, hier eine aktuelle Baustelle in Schwandorf. Günstigere Immobilien lassen sich in den ländlichen Teilen des Landkreises finden, etwa nahe der tschechischen Grenze.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die Frage, ob die Pandemie dem Immobilienmarkt im Landkreis geschadet habe, verneinen die Immobilienspezialisten Sabrina Scharf und Norbert Kraus von der Schwandorfer Sparkasse. "Bei Ausbruch der Pandemie, insbesondere zur Zeit des ersten Lockdowns letztes Jahr im Frühjahr, war die Nachfrage für einen kurzen Zeitraum verhaltener, hat sich aber sehr zügig 'erholt' und ist sogar weiter angestiegen," haben die beiden Experten festgestellt.

Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema muss der Blick auch nach Süden gehen. Regensburg ist eine Boomtown mit fast unbezahlbaren Preisen für Grundstücke und Neubauten geworden - vor allem, wenn man eine junge Familie ist, die sich den Traum von den eigenen vier Wänden verwirklichen möchte. Also richten viele Bauwillige aus der Bezirkshauptstadt ihre Aufmerksamkeit auch nach Norden, nicht zuletzt in den Landkreis Schwandorf. Dort hat die zunehmende Nachfrage die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren steigen lassen; gerade im Süden des Landkreises mit den Orten Burglengenfeld und Maxhütte-Haidhof.

Viele Neubauten

Das bestätigt auch Sabrina Scharf: "Die Nachfrage nach Wohnimmobilien ist im gesamten Landkreis sehr hoch. Die angrenzende Region, also der 'Speckgürtel' um Regensburg ist besonders geprägt von zunehmender Nachfrage und steigenden Preisen." Die Stadt Schwandorf selbst ist ebenfalls sehr begehrt. Hier zählen der Weinberg mit seiner Aussicht aufs Umland, sowie die Stadtteile Krondorf, Kronstetten und Fronberg zu den Toplagen.

"In der Region entsteht viel Neubau," berichtet auch die Schwandorfer LBS-Expertin Susanne Mertha in der Bausparer-Zeitschrift "Das Haus". Günstigere Immobilien lassen sich laut Mertha in den ländlichen Teilen des Landkreises finden, etwa nahe der tschechischen Grenze. "Meines Erachtens nach hat die Pandemie hier im Landkreis und auch in Schwandorf selbst der Immobilienbranche keinen Abbruch getan." Gerade durch die Homeoffice und Lockdown werde das Eigenheim sogar noch mehr geschätzt: "Zuhause Wohlfühlen hat Priorität. Auch schätzen viele die Unabhängigkeit von Vermietern mehr denn je."

Anstieg auf 349 Millionen Euro

Generell könne man sagen, dass der Landkreis Zuspruch von "Häuslebauern" genießt. Der Landkreis Schwandorf sei geprägt von herrlicher Landschaft und zahlreichen Freizeitmöglichkeiten in und um das Oberpfälzer Seenland. "Insbesondere während des Lockdowns war man in seinen Freizeitaktivitäten eingeschränkt, so ist das Interesse an Wanderungen und Spaziergängen in der Natur wahnsinnig angestiegen," so Sabrina Scharf. Ihre und ihres Kollegen Norbert Kraus' Beobachtung geht also dahin, dass "Wohnen mit vielfältigen Freizeit- und Erholungsangeboten vor der Haustüre in Kombination mit hervorragender Verkehrsanbindung und interessanten Arbeitgebern vor Ort ein Mehrwert ist, den man jetzt - vielleicht mehr denn je - zu schätzen weiß".

Laut der Sparkassen-Immobilien-Vermittlungs-GmbH als Quelle kann man den steigenden Zuspruch auch in Euro ausdrücken, wenn man wissen will, ob sich der Wert der getätigten Immobilientransaktionen in den letzten fünf, sechs Jahren verändert hat. Das anhand des Grunderwerbsteuer-Aufkommens errechnete Transaktionsvolumen ist nämlich für den Landkreis Schwandorf seit 2015 von 237 Millionen Euro auf 349 Millionen Euro im Jahr 2020 gestiegen.

50 bis 300 Euro pro Quadratmeter

Die Grundstückspreise sind, wie die Nachfrage an Bauplätzen, in den letzten Jahren mehr und mehr gestiegen. Die Preise liegen durchschnittlich zwischen 50 Euro bis 300 Euro pro Quadratmeter. "Hier fällt der Unterschied zwischen ländlichen Regionen und städtischem Umland, wie beispielsweise dem Städtedreieck, sehr stark auf", urteilt Sabrina Scharf..

Die Kosten für ein Einfamilienhaus seien natürlich von Lage, Zustand und Ausstattungskriterien abhängig. Als durchschnittliches Preisniveau beziehungsweise den häufigsten Wert letztes Jahr für gebrauchte, freistehende Einfamilienwohnhäuser im Landkreis Schwandorf nennt Scharf rund 250 000 bis 400 000 Euro (Quelle: Sparkassen-Immobilien-Vermittlungs-GmbH). "Im Neubausektor liegen wir hier natürlich deutlich höher. Dies ist aktuell zusätzlich auf teils extreme Preiserhöhungen bei Rohstoffen sowie Baumaterialien gepaart mit Lieferengpässen durch Materialmangel zurückzuführen."

Mehr Eigenkapital gefordert

Es stellt sich auch die Frage, ob es es leichter oder schwieriger geworden ist, an einen Immobilienkredit zu kommen? "Die Kreditvergaberichtlinien wurden seit Einführung der europäischen Wohnimmobilien-Kreditrichtlinie nicht geändert," so die Immobilienspezialistin. Entscheidend sei nach wie vor die individuelle Situation jedes einzelnen Kunden, die im Beratungsgespräch ausführlich erörtert werde.

Sabriye Atas, die sich als selbstständige Immobilienmaklerin in der Firma Remax um den Markt der sogenannten Bestandsimmobilien kümmert, weiß von keiner Beeinträchtigung des Immobiliengeschehens durch Corona: "Die Preise steigen immer noch, auch die Nachfrage ist noch da." Was sich "ein bisschen verändert" habe, seien die Banken: "Die tun sich schwer mit den Finanzierungen." Grund sei unter anderem Kurzarbeit. Die Prüfungen seien aufwendiger, es werde mehr Eigenkapital gefordert.

Von "stark angestiegenen Preisen" spricht man auch bei der VR-Bank Mittlere Oberpfalz mit Sitz in Nabburg. Bereichsleiter Josef Karl hat vor einigen Monaten bereits festgestellt, dass sich "Regensburg" bis in den nördlichen Landkreis auswirkt: "Und zwar bis Pfreimd und Wernberg-Köblitz, und spätestens dort machen sich dann zusätzlich Einflüsse aus dem Norden bemerkbar." Generell gebe es zwei Preisniveaus im Landkreis - entlang der Autobahn und im östlichen Landkreis. Wenn man Richtung Oberviechtach und Schönsee fahre, würden die Grundstücke ein Drittel bis zur Hälfte weniger kosten als im Süden des Landkreises.

Auch im Nachbarlandkreis boomt der Immobilienmarkt

Amberg
Hintergrund:

Preise

  • In der Stadt Schwandorf reicht die Preisspanne beim Neubau eines Einfamilienhauses in der Regel von 350 000 bis 800 000 Euro; Bestandsbauten kosten durchschnittlich zwischen 290 000 und 650 000 Euro. Für Eigentumswohnungen muss man neu normalerweise zwischen 2800 und 3800 Euro pro Quadratmeter aufwenden (Bestand: 1500 bis 2800 Euro/Quadratmeter).
  • Im Städtedreieck und südlichen Landkreis Schwandorf liegt die Preisspanne beim Neubau eines Einfamilienhauses zwischen 350 000 und 700 000 Euro; Bestandsbauten kosten zwischen 250 000 und 600 000 Euro. Eigentumswohnungen kommen dort neu auf 2600 bis 3700 Euro pro Quadratmeter (Bestand: 1500 bis 2700 Euro/Quadratmeter).
  • Die Preisspanne im nördlichen Landkreis Schwandorf reicht beim Neubau eines Einfamilienhauses von 300 000 bis 550 000 Euro; Bestandsbauten kosten zwischen 220 000 und 500 000 Euro. Eigentumswohnungen verschlingen neu zwischen 2400 und 3200 Euro pro Quadratmeter (Bestand: 1300 bis 2400 Euro/Quadratmeter).

"Die Preise steigen immer noch, die Nachfrage ist noch da."

Immobilienmaklerin Sabriye Atas, Remax

Immobilienmaklerin Sabriye Atas, Remax

"Die Nachfrage nach Wohnimmobilien ist im gesamten Landkreis sehr hoch."

Immobilienspezialistin Sabrina Scharf, Sparkasse

Immobilienspezialistin Sabrina Scharf, Sparkasse

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