20.07.2021 - 16:13 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Hornisse: "Naturpolizist" mit gar nicht so gefährlicher Waffe

Allen gruseligen Legenden zum Trotz: Der Stich einer Hornisse ist nicht gefährlicher als der einer Biene oder Wespe. Weil sie oft missverstanden werden, bricht jetzt der Bund Naturschutz eine Lanze für den Brummer.

Die Hornisse wirkt oft bedrohlicher als sie ist.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Hornissen sind tolerante und friedfertige Tiere", stellt der Bund Naturschutz (BN) in einer Pressemitteilung klar. Allergiker müssten allerdings trotzdem vorsichtig sein, da auch Hornissenstiche zu einer allergischen Reaktion führen können. "Glücklicherweise meiden Hornissen Menschen wo es geht", heißt es da. Wirklich gefährlich seien die Tiere nur für andere Insekten oder Raupen, die für die Ernährung des Nachwuchses besonders wichtig sind. An Kuchen oder zuckersüßer Limo hätten sie anders als Wespen dagegen kein Interesse. Doch das wüssten leider nur wenige.

Eine Hornisse ist drei bis vier Zentimeter lang und damit die größte staatenbildende Wespenart Mitteleuropas. Und ja, sie sticht auch zu, wenn sie sich bedroht oder bedrängt fühlt. „Der Stich einer Hornisse ist nicht gefährlicher als der einer Honigbiene, einer Hummel oder einer herkömmlichen Wespe“, versichert Oskar Deichner, Biologe vom Bund Naturschutz und Leiter der Nabburger Geschäftsstelle. „Dass Hornissen Menschen und Pferde mit wenigen Stichen töten können, ist wissenschaftlich widerlegt. Das Gerücht hält sich leider hartnäckig, doch an der Behauptung ist nichts dran“, so Deichner weiter. Gefährlich sei ein Stich nur im Mund- oder Rachenraum, aber nicht wegen des Giftes, sondern weil dort eine Schwellung das Atmen behindern kann. Besonders aufpassen müssen Allergiker, denn sie können auf bestimmte Eiweißkörper reagieren, die im Gift von Hornissen enthalten sind. Personen mit einer Bienengiftallergie sind nicht automatisch gegen Wespen oder Hornissen allergisch. Wer sich hier nicht sicher ist, sollte das fachärztlich prüfen lassen, rät der Biologe und streicht das Positive heraus: Bei Hornissen müsse man beim Frühstück im Freien keine Angst haben, dass sich das Tier auf das Marmeladenbrot setzt. "Hornissen haben kein Interesse an Süßem. Deshalb kommt ein Stich im Mund und Rachen auch kaum vor."

Die dicken Brummer sind laut BN geschickte Jäger. Auf ihrem Speiseplan stehen Fliegen, Bremsen, Motten und auch Wespen, Bienen oder Libellen – daher die Bezeichnung „Insektenjäger“. Gejagt wird meistens im Flug – Tag und Nacht. Deshalb landen Hornissen bei geöffnetem Fenster nachts auch mal im Haus. Künstliches Licht irritiert sie nämlich. „Hornissen sind rund um die Uhr aktiv. Das ist auch nötig, da ein großes Hornissen-Volk täglich ein halbes Kilo Insekten vertilgt und die Larven ständig gefüttert werden müssen“, erklärt Klaus Pöhler, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Schwandorf. Die Beutejagd diene also weniger der eigenen Ernährung, sondern vielmehr der Brutpflege. Erwachsene Arbeiterinnen fressen fast nur Kohlenhydrate, also Pflanzensäfte von Fallobst und Baumrinden, Nektar von Blüten oder Honigtau der Blattläuse.

Ein Zusammenleben mit den Riesenwespen ist gar nicht so kompliziert und erledigt sich im Herbst von selbst, geben die Naturschützer zu bedenken. Ein Hornissenjahr beginnt je nach Witterung zwischen April und Mai, findet seinen Entwicklungs-Höhepunkt im August und endet im Oktober. „Bis zum November schafft es kaum ein Volk, und wenn, dann so dezimiert, dass wir Menschen sie nicht mehr wahrnehmen“, sagt Oskar Deichner. Es überleben im Herbst nur die begatteten Jungköniginnen, die sich für den Winter einen geschützten Unterschlupf suchen.

Die Riesenwespen sind durch ihre Lebensweise eine Art Naturpolizei im Ökosystem und besitzen eine bedeutende Rolle für natürliche Regulationsprozesse bei Insekten, so die BN-Pressemitteilung. Umso erschreckender sei die Tatsache, dass Hornissen kaum noch Lebensräume in unserer Gegend finden. Verantwortlich dafür seien die intensiv genutzten Landschaften, artenarme Nadelwälder, Abholzung alter und hohler Bäume, die Ausbringung von Pestiziden und der Rückgang natürlicher Beutetiere. „Hornissen zählen zu den besonders geschützten Tierarten und werden durch das Bundesnaturschutzgesetz rechtlich geschützt. Sie dürfen nicht getötet und ihr Nest nicht zerstört werden. Wer Probleme mit den Tieren hat, muss einen Experten kontaktieren“, so Arnold Kimmerl vom Bund Naturschutz.

Rettungsaktion für Hornissen

"Dass Hornissen Menschen und Pferde mit wenigen Stichen töten können, ist wissenschaftlich widerlegt. Das Gerücht hält sich leider hartnäckig, doch an der Behauptung ist nichts dran."

Oskar Deichner, Biologe beim BN

Hintergrund:

Tipps fürs Zusammenleben mit Hornissen

  • Entspannt bleiben: Hornissen sind scheue Tiere. Außerhalb ihres Nestbereichs gehen sie Konfrontationen gerne aus dem Weg. Verfliegt sich eine Hornisse nachts in ein Haus, kann man das Tier durch Ausschalten des Lichtes und weites Öffnen der Fenster leicht zum Wegfliegen bringen.
  • Nester in Ruhe lassen: In einem Bereich von etwa vier Metern um das Nest reagieren Hornissen auf Störungen empfindlich und können angreifen. Hält man sich an diese „Ruhezone“, kann man den Hornissen bei ihrer interessanten Arbeit zuschauen
  • Umsiedlung nur in Notfällen: Da natürliche Nist­möglichkeiten wie Höhlen in großen Laubbäumen an Waldrändern vielerorts fehlen, nutzen Hornissen auch Dachböden, Scheunen oder Vogelnistkästen. Die Riesenbrummer sind selbst in der unmittelbaren Nähe von Häusern friedliche Nachbarn und Untermieter. „Da ein Hornissenvolk im Herbst stirbt, sollte jeder Gartenbesitzer bis zu diesem Zeitpunkt warten und erst dann das Nest entfernen“, erklärt Arnold Kimmerl, Imker und Hornissenexperte beim Bund Naturschutz. Nur wenn sich der Bau an einer nicht tolerierbaren Stelle befindet, kann man über eine Umsiedlung nachdenken. Hierfür braucht man aber Spezialisten. Ratschläge gibt die Untere Naturschutzbehörde des Land­kreises Schwandorf.

"Hornissen zählen zu den besonders geschützten Tierarten und werden durch das Bundesnaturschutzgesetz rechtlich geschützt. Sie dürfen nicht getötet und ihr Nest nicht zerstört werden. Wer Probleme mit den Tieren hat, muss einen Experten kontaktieren.“

Arnold Kimmerl

 

 

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