17.07.2021 - 16:51 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Hochwasser: Johanniter aus dem Landkreis Schwandorf im Hilfseinsatz

Schon am Freitag um 6 Uhr ging es ins Katastrophengebiet nach Nordrhein-Westfalen. Vor dem schnellem Einsatz der Johanniter zieht Ministerpräsident Armin Laschet den Hut.

Helfer der Johanniter aus dem Landkreis Schwandorf erläutern Ministerpräsident Armin Laschet und Bürgermeisterin Carolin Weizel die aktuellen Einsatz-Aufgaben.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

"Die Zerstörung ist unbeschreiblich. Sie sprengt jeden Rahmen." Das sagt einer, der 27 Jahre im Katastrophenschutz tätig ist. Andreas Kramer aus Schwarzenfeld ist bei der Hochwasserkatastrophe in Erftstadt eingesetzt. Aus den Johanniter-Ortsverbänden Schwandorf und Schwarzenfeld haben sich am Freitagmorgen 17 Helfer unter der erfahrenen Leitung von Ulrich Pidrmann auf den Weg nach Nordrhein-Westfalen gemacht.

Die Helfer sind einiges gewohnt und haben sich auch entsprechend vorbereitet: Das Equipment für eine komplette Betreuungseinrichtung für 250 Personen ist in Fahrzeugen verstaut: Zelte, Feldbetten, Küche, Verpflegung. Am Freitag gegen 6 Uhr bricht das Team auf. Nachmittags ist es in der Bereitstellungsstation in Kerpen angekommen.

Dann geht es nach Erftstadt in den Ortsteil Liblar. Alleine das, was die Helfer bei der Anfahrt und bei späteren Besorgungsfahrten zu sehen bekommen, fasst Kramer mit dem Wort "unbeschreiblich" zusammen: Das Bächlein Erft war zum reißenden Strom geworden, in den Wohnbereichen ein Bild der Verwüstung, als das Wasser zurückgeht: Häuser, die einfach weggeschwemmt, weggerissen wurden, Lastwagen, die auf der Autobahn übereinandergestapelt sind. "Ich war 2002 in Dresden, 2012 in Deggendorf/Fischerdorf und bin jetzt, fast zehn Jahre später, in Erftstadt. So etwas habe ich noch nicht gesehen", erzählt Andreas Kramer im Gespräch mit Oberpfalzmedien.

Die Johanniter steuern am Freitag das Ville-Gymnasium an, brauchen aber ihre Betreuungseinrichtung nicht aufbauen: Regionale Kräfte aus dem Katastrophenschutz hatten die Notunterkunft bereits eingerichtet und betrieben. "Doch die waren jetzt völlig platt", so Kramer. Die Helfer aus dem Landkreis Schwandorf lösen sie am Abend gegen 20 Uhr ab. Es genügt, auf die eigene Küchenausstattung zurückzugreifen. Das Schulzentrum verfügt über eine großzügige Mensa und viele Klassenzimmer. 150 Menschen, von der Katastrophe schwer getroffen, sind zu versorgen, zudem 120 Helfer. Immer wieder kommen auch Bürger, die zuhause ja keinen Strom hatten, und sich nichts zu Essen kochen können.

Das Team aus dem Landkreis Schwandorf ist logistisch gut aufgestellt. Es versorgt die Menschen, denen die Unwetterkatastrophe oft alles genommen hat, mit Decken, Kissen und Hygieneartikeln. Die Johanniter versuchen, sie in den Klassenzimmern so unterzubringen, dass noch etwas Privatsphäre gewährleistet ist.

Die Helfer können auf gute Koch- und Ausgabemöglichkeiten in der Mensa bauen. Der Betrieb muss ja auch "hygienegerecht abgewickelt werden", formuliert es Kramer. "Corona ist noch da". Es wird gekocht. Am Samstag gibt es Ravioli, "natürlich nicht aus der Dose", dann werden Zwiebeln und Kartoffeln für das Pichelsteiner am Abend geschält. Zunächst muss die Küche mit dem großen Netzersatzaggregat der Feuerwehr betrieben werden, erst am Samstag Mittag hat man Strom. Die Johanniter sorgen für Frühstück, Mittag- und Abendessen, geben Getränke und Snacks aus. Denn viele Hilfesuchende kommen ja auch zwischendurch, außerhalb der Mahlzeiten. "Die Leute haben gar kein Zeitgefühl mehr", schildert Andreas Kramer. Und auch eine benachbarte Interims-Pflegestation wird mit Essen versorgt.

Die Johanniter haben zudem eine Sanitätsstation dabei: Die Helfer versorgen Wunden, wechseln Verbände, halten Kopfschmerztabletten bereit und hören auch einfach zu. Für die psychologische Betreuung ist jedoch ein regionales Kriseninterventionsteam vor Ort.

Am Samstagnachmittag kommt hoher Besuch: Ministerpräsident Armin Laschet und Bürgermeisterin Carolin Weizel besuchen die Notunterkunft. Laschet spricht eine halbe Stunde mit den Betroffenen und mit den Helfern, sagt Danke. Er kennt die Region um Regensburg und hat sich "über die schnelle externe Hilfe aus Bayern gefreut", fasst Andreas Kramer das Gespräch zusammen. Der schnelle Einsatz war übrigens möglich, da die Organisation Johanniter-Unfallhilfe ohne politische, bürokratische Wege eigenständig handeln und sich nach dem Hilferuf der Kollegen aus Nordrhein-Westfalen unverzüglich auf den Weg machen konnte.

Am Sonntag wurde das Johanniter-Team von Kollegen aus Baden-Württemberg abgelöst. Angesichts der sich zuspitzenden Lage im Berchtesgadener Land wurde, so Andreas Kramer, erhöhte Alarmstufe für die bayerischen Einheiten ausgerufen.

Hochwasserkatastrophe: Hilfe aus der Oberpfalz

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Die Lage in Erftstadt

  • In Erftstadt sind mehrere Häuser durch das Hochwasser unterspült worden und eingestürzt. Auch Teile der Burg Blessem existieren nicht mehr.
  • Nach dem katastrophalen Hochwasser ist die Lage vor allem im Ortsteil Blessem weiter angespannt. Er ist weiträumig abgesperrt. Grund dafür ist die Abbruchkante eines riesigen Kraters.
  • Am Samstag machte sich Ministerpräsident Armin Laschet ein Bild von der Lage. Dabei kam es in der Notunterkunft auch zu einem längeren Gespräch mit den Johannitern aus dem Landkreis Schwandorf.

"Ich war 2002 in Dresden, 2012 in Deggendorf/Fischerdorf und bin jetzt, fast zehn Jahre später, in Erftstadt. So etwas habe ich noch nicht gesehen".

Andreas Kramer, Sachgebietsleiter Bevölkerungsschutz der Johanniter-Unfall-Hilfe im Regionalverband Ostbayern

Andreas Kramer, Sachgebietsleiter Bevölkerungsschutz der Johanniter-Unfall-Hilfe im Regionalverband Ostbayern

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