27.07.2021 - 14:31 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Händler und Handwerk gegen Fußgängerzone in Schwandorf

Am Mittwochnachmittag geht die CSU mit einem umstrittenen Antrag in die Sitzung des Verkehrsausschusses. Sie möchte eine Fußgängerzone in der Friedrich-Ebert-Straße diskutieren. Gegen diesen Vorstoß regt sich massiver Widerstand.

Zankapfel Friedrich-Ebert-Straße: Soll der Fahrzeug-Verkehr aus dem modernisierten Straßenstück verbannt werden? An diesem Thema scheiden sich die Geister. Am Mittwoch soll es im Verkehrsausschuss des Stadtrates diskutiert werden..
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Autos in der Friedrich-Ebert-Straße, aber wenig Fußgänger - kein ungewohntes Bild. Die CSU hat in ihrem Antrag eine ganz andere Vision: Fußgänger in der Friedrich-Ebert-Straße, aber keine Autos. Neu ist die Idee beileibe nicht. Schon vor zweieinhalb Jahren hat CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Wopperer einen Antrag "Temporäre Fußgängerzone in der Friedrich-Ebert-Straße" geschrieben, der an Oberbürgermeister Andreas Feller gerichtet war. Wopperer konstatierte in seinem Schreiben, dass sich "der Wunsch nach einer Fußgängerzone in der Friedrich-Ebert-Straße" halte.

Das mag stimmen, trifft aber nicht die Stimmungslage von Innenstadthändlern und der Kreishandwerkerschaft, wie sich zwischenzeitlich zeigte. Der Verein Stadtmarketing Schwandorf mit den beiden Geschäftsinhabern Alexander Heinz und Andreas Betzlbacher an seiner Spitze hat sich zum Beispiel vor zwei Wochen mit einem langen Schreiben an das Ordnungsamt der Stadt gewandt, das als "Stellungnahme Fußgängerzone Friedrich-Ebert-Straße" überschrieben ist. Darin wird als "Ansicht der meisten Geschäftsleute in der Stadt und die des Stadtmarketing Schwandorf" eine Fußgängerzone in Schwandorf als "zwar wünschenswert, in der Praxis jedoch sehr schwer umsetzbar und daher fragwürdig" beurteilt.

Liste von Gegenargumenten

Argumentiert wird dabei unter anderem mit dem Verkehr in der Stadt ("Fehlende Umfahrungsmöglichkeiten"). Es sei seit vielen Jahren versäumt worden, die zweite Naabbrücke zu bauen, heißt es. "Das fällt uns jetzt gewissermaßen auf die Füße!" Mit der zweiten Naabbrücke gäbe es viele Verkehrsprobleme nicht oder deutlich reduziert. "Beim Verkehrsversuch vor der Sanierung der Friedrich-Ebert-Straße im Jahr 2017 ist buchstäblich das Verkehrschaos ausgebrochen. Dass diese Situation jetzt durch eine Fußgängerzone der normale Dauerzustand werden könnte, ist untragbar," meinen Alexander Heinz und Andreas Betzlbacher.

Wichtig sei auch der fehlende Rückhalt in der Geschäftswelt. Bei der im Juni 2021 durchgeführten Abfrage der Meinung der Geschäftswelt zur Fußgängerzone habe sich eine überragende Mehrheit der innerstädtischen Betriebe gegen eine Fußgängerzone ausgesprochen. Eine Fußgängerzone müsse von den Gastronomen in Form von Freisitzen mit Leben erfüllt werden. "Das wird jedoch nicht passieren," sind sich Alexander Heinz und Andreas Betzlbacher sicher. Denn "alle Gastronomen" seien gegen die Fußgängerzone, "was zum Ergebnis hätte, dass wir von einer gesperrten Straße ohne Aufenthaltsqualität sprechen und nicht von einer Fußgängerzone".

Die beiden Vorsitzenden betonen, dass Stadtmarketing Schwandorf und damit viele Gewerbetreibende in der Innenstadt "keineswegs grundsätzlich" eine Fußgängerzone ablehnen: "Uns nervt die tägliche Blechlawine gegen 17 Uhr in der Friedrich-Ebert-Straße ebenso wie die Besucher. Das trägt natürlich nicht gerade zur Steigerung der Aufenthaltsqualität im Schwandorfer Zentrum bei." Aber für die Umsetzung einer Fußgängerzone fehlten in Schwandorf die Voraussetzungen.

Auch Handwerker dagegen

Zu dem Antrag der CSU-Stadtratsfraktion zur Einrichtung einer Fußgängerzone im Stadtzentrum Schwandorf hat auch die Kreishandwerkerschaft Schwandorf für ihre betroffenen Innungsbetriebe eine Stellungnahme abgegeben. Darin heißt es unter anderem, die Belieferung der Innungsmitglieder in der Innenstadt mit Material und Waren sei sehr schwierig und werde in einer Fußgängerzone noch weiter erschwert: "Festgesetzte Lieferzeiten dürfen den Betriebsablauf der Anlieger nicht beeinträchtigen."

Für Kreishandwerksmeister Ernst Maler ist klar: "Handel und Handwerk haben nur dann ein Interesse an einer Fußgängerzone, wenn damit eine Belebung der Geschäftstätigkeit verbunden ist." Die Kreishandwerkerschaft Schwandorf sei der Auffassung, dass die "Meinungsbildung im Abwägungsprozess für oder gegen eine Fußgängerzone unter Einbeziehung aller Akteure erfolgen" sollte. "Wir bieten unsere Zusammenarbeit hierzu an, wie dies bereits der Stadtmarketing e.V. getan hat," unterstreicht Maler in seiner Stellungnahme.

Anfang 2019 wollte CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Wopperer in seinem Antrag eine "temporäre Fußgängerzone in der Friedrich-Ebert-Straße". Das war auf Wochenenden begrenzt. Zwischenzeitlich geht es ihm um eine möglichst ganzjährige Fußgängerzone. So soll am Mittwoch auch diskutiert werden.

Kann man nicht die Friedrich-Ebert-Straße am Wochenende in eine Fußgängerzone verwandeln?

Schwandorf

"Handel und Handwerk haben nur dann ein Interesse an einer Fußgängerzone, wenn damit eine Belebung der Geschäftstätigkeit verbunden ist."

Innungsobermeister Ernst Maler

Innungsobermeister Ernst Maler

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