07.10.2020 - 15:24 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Gewerbegebiet an der A 93 bei Schwandorf: Naturschutz zieht den Kürzeren

Das interkommunale Gewerbegebiet an der A 93 ist für die Kommunen Schwandorf, Wackersdorf und Steinberg am See ein Filetstück. Mit der Ausdehnung nach Süden ist der Naturschutz aber nicht einverstanden.

Das interkommunale Gewerbegebiet an der A 93 soll sich auch südlich des Brunnfelds (im Hintergrund) erstrecken. Im Zuge der Planungen taucht auch die einst begrabene "Globus-Spange" wieder auf.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

An der A-93-Anschlussstelle Schwandorf-Mitte wird seit Jahren an einem großen Gewerbegebiet geplant. Die Große Kreisstadt sowie die Gemeinden Wackersdorf und Steinberg am See haben sich zu einem Zweckverband zusammengeschlossen, um das Projekt zu realisieren. Der Flächennutzungsplan dazu wurde am Dienstag beschlossen - gegen drei Stimmen.

Die kamen von den Schwandorfer Stadträten Alfred Damm (ÖDP) und Paul Groß (Grüne) und dem Wackersdorfer Gemeinderat Stefan Weiherer (Grüne). Sie stört die Ausdehnung bis zur Staatsstraße Schwandorf-Steinberg. Dabei stützten sie sich auf Einwände, die der Bund Naturschutz, der Landesbund für Vogelschutz und die untere Naturschutzbehörde erhoben haben.

Proteste gegen Gewerbegebiet

Schwandorf

Mit dem nördlichen Bereich des Gewerbegebiets rund um die Anschlussstelle und die B 85 sind Verbände und Behörde einverstanden. Probleme gibt's im Süden: Dort werden 26 Hektar Wald überplant. Das sind zwar schon 14 Hektar weniger als im ersten Entwurf, aber den Einwendern immer noch zu viel. Zumal in unmittelbarer Nähe südlich der Staatsstraße das Naturschutzgebiet "Hirtlohweiher" liegt.

Die Einwände trug Eckhard Bökenbrink vom gleichnamigen Planungsbüro der Verbandsversammlung kursorisch vor, samt Abwägungsvorschlägen. "Dass über den Einwand des BN so hinweggefegt wird, verwundert mich", sagte Paul Groß. Damm verwies auf die drohende Rodung von 26 Hektar "Immissionsschutzwald". Das betroffene "Heiligenholz" gehöre nicht dem Zweckverband, sagte Verbandsvorsitzender Oberbürgermeister Andreas Feller, eine Rodung in naher Zukunft sei nicht vorgesehen. "In 20 Jahren weiß das keiner mehr, wenn dann gerodet werden soll", sagte Weiherer. Er verwies auch auf das Verschlechterungsverbot von FFH-Gebieten.

Außerdem wunderte sich Damm darüber, dass im Plan die "Globus-Spange" wieder auftaucht. Diese Verbindung vom Brunnfeld nach Süden zur Staatsstraße plante die Stadt vor Jahren zur Entlastung der Innenstadt - bis eine Verkehrszählung ergab, dass die Straße kaum Entlastung liefern würde. "Der Verkehr nimmt wieder zu", argumentierte OB Feller, die Trasse werde "für den Fall der Fälle" freigehalten. Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter (CSU) erinnerte daran, dass der Zweckverband nach Gesprächen mit BN und LBV bereits 14 Hektar Flächen zurück genommen habe. Der Rest werde benötigt.

Zweckverband verzichtet auf 14 Hektar Flächen

Schwandorf

Letztlich konnten sich die drei Verbandsräte mit ihren Bedenken nicht durchsetzen. Jeweils gegen ihre Stimmen billigte die Verbandsversammlung die Abwägung und auch den Flächennutzungsplan. Der schafft kein Baurecht, ist aber Voraussetzung dafür. Ob damit Schwung in das Gebiet kommt, bleibt abzuwarten: Der Zweckverband wurde vor 14 Jahren gegründet, außer der OMV-Tankstelle und ein paar Salzsilos ist noch nichts entstanden.

Zuletzt hatte der Verband für 1,4 Millionen Euro etwa 50 000 Quadratmeter Grund gekauft. Der größte Teil des überplanten Bereichs ist in Privatbesitz. Einige Eigentümer haben bereits per Einwand signalisiert, dass sie keinesfalls abgabebereit sind.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Videos aus der Region

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.