12.08.2020 - 15:23 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Gewalt unter Ex-Partnern nicht mehr näher feststellbar

Es ging um einen Fall von häuslicher Gewalt. Doch wie soll die Justiz durchgreifen, wenn das Opfer plötzlich von dem Geschehen weit abrückt und wissen lässt, es gebe von ihrer Seite aus kein Interesse an einer Strafverfolgung?

Das Strafgesetzbuch
von Autor HOUProfil

Der Vorfall ereignete sich im Juli 2019. In einer Wohnung im östlichen Landkreis Schwandorf gab es Zoff zwischen zwei Lebenspartnern. Dabei soll ein 43-Jähriger seine zwei Jahre jüngere Freundin übel misshandelt haben. Wegen Körperverletzung angeklagt, stellte der Mann die Sache nun als eher harmlose Rempelei dar, geschehen nach einem Wortwechsel. Es gab eine Zeugin (28), die eigens aus Niederbayern angereist war. Sie hatte zwar die Auseinandersetzung nicht beobachtet, war aber etliche Stunden später in der Nähe von Dingolfing mit ihrem Auto unterwegs und sah eine Frau am Straßenrand, die als Anhalterin mitgenommen werden wollte. Es handelte sich um das Opfer der Auseinandersetzung, ebenfalls in Niederbayern mit Hauptwohnsitz gemeldet.

Wie die 41-Jährige in den Raum Dingolfing gekommen war, wurde in dem Prozess vor Amtsrichterin Bücherl nicht näher erörtert. Die Zeugin erinnerte sich aber. "Sie hatte überall blaue Flecken und befand sich in einem ganz schlechten Zustand." Der Frau wurde daraufhin geraten, sich in eine Krankenhaus zu begeben.

Vor der Richterin gab sich die offenbar doch heftiger misshandelte 41-Jährige weitgehend erinnerungslos. Heute getrennt von ihrem damaligen Partner lebend, hatte sie zwar einen Übergriff im Gedächtnis, "aber Einzelheiten weiß ich nicht mehr". Was folgte, hörte sich sinngemäß so an: Keinerlei Interesse daran, dass ihr Ex-Freund bestraft werde.

Das wunderte die Richterin. "Sie waren doch bei der Polizei, haben dort Anzeige erstattet", entnahm sie den Akten und ergänzte: "Auch ein Strafantrag wurde von Ihnen gestellt." Auch dies entzog sich angeblich der Kenntnis des Opfers. Die Antwort nahm sich seltsam aus: "Man hat mir gesagt, dass die Polizei alles von sich aus regelt." Also quasi ohne ihr Zutun.

Damit war klar: Einzelheiten der mutmaßlich schweren Misshandlungen konnten nicht geklärt werden. Zumal die 41-Jährige auch im Verlauf des gesamten Verfahrens unterschiedliche Tatorte genannt hatte. Im Prozess sagte die Frau: "Ich lag im Bett." In ihrer polizeilichen Vernehmung war wohl das Wohnzimmer Schauplatz der körperlichen Züchtigung.

Was soll die Justiz machen, wenn sich kein klares Bild vom Hergang einer Tat zeichnen lässt? Die Richterin unterbrach die Verhandlung kurz, um ihre Eindrücke zu ordnen. Bei der Rückkehr in den Sitzungssaal unterbreitete die Vorsitzende den Vorschlag, die Sache gegen eine Geldauflage von 1000 Euro einzustellen. Dies auch schon deswegen, weil die Geschädigte keinerlei Interesse an einer Ahndung ihres ehemaligen Partners gezeigt habe.

Staatsanwältin Vanessa Merl akzeptierte, auch der Angeklagte war mit einem solchen Prozessausgang zufrieden. Eine Ratenzahlung zur Begleichung der verhängten Geldauflage wurde ihm auch noch bewilligt.

Weitere Gerichtsberichte aus der Region

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.