27.06.2021 - 10:48 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Frühkartoffel erst später

"Flavia" und "Glorietta" gedeihen gut, obwohl es ihnen im Frühjahr viel zu kalt war. Landwirt Hans Kiener aus Schwandorf rechnet mit "durchschnittlichen Erträgen". Mit der Ernte der Frühkartoffeln ist er heuer allerdings etwas spät dran.

Michael Kiener (Mitte) hat seinen Kartoffelanbaubetrieb in Schwandorf-Richt an seinen Sohn Hans (links) und Schwiegertochter Anita (rechts) übergeben. Mit den Töchtern Johanna und Maria wächst mittlerweile die sechste Generation heran.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Die Familie Kiener aus Schwandorf-Richt baut seit 150 Jahren Kartoffeln an. Inzwischen in der fünften Generation. Senior Michael Kiener hat den Betrieb vor einem Jahr an Sohn Hans und Schwiegertochter Anita übergeben. Sie betreiben klassischen Ackerbau mit einem Kartoffelanteil von sieben Hektar. "Der leichte und sandige Boden im Naabtal eignet sich gut für den Kartoffelanbau", versicherte Hans Kiener den Teilnehmern an der landkreisweiten Saisoneröffnung, organisiert vom BBV. Bei längerer Trockenheit setzt er seine Beregnungsanlagen ein. Den größten Teil der Ernte vermarktet der Betrieb direkt am Hof in Richt.

"Zu uns kommen im Schnitt 35 Kunden am Tag", erklärt Senior Michael Kiener. Genauso wichtig wie die Einnahmen sei ihm "die Zufriedenheit der Verbraucher". Die Mengen sind zwischen 2,5 und 25 Kilogramm abgepackt und streng getrennt. In "vorwiegend festkochende Sorten" für die Knödel, in "festkochende" für den Salat und in mehlige Varianten für den Kartoffelbrei.

Die Fläche für den Kartoffelanbau im Landkreis Schwandorf hat sich bei 1000 Hektar eingependelt. "Damit haben wir das zweitgrößte Kartoffelanbaugebiet in der Oberpfalz", stellte der Leiter des Landwirtschaftsamtes, Georg Mayer, mit Blick auf die Statistik fest. Und das, obwohl sich die Anbaufläche im Landkreis in den letzten 20 Jahren halbiert habe. Die Futterkartoffel spiele mittlerweile keine Rolle mehr. "Heute zählt nur noch hochwertige Qualität", betonte der Behördenleiter. So wie bei der Familie Kiener mit ihren Sorten "Flavia" und "Glorietta". Die kalte Witterung im Frühjahr habe das Wachstum etwas verzögert.

"Weil wir in der Region zwei Großabnehmer haben, kann sich die Kartoffel im Landkreis weiter behaupten", stellt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Josef Irlbacher, fest. Er verurteilt die Dumpingangebote in den Supermärkten und hält "die etwas höheren Preise" im Hofladen der Familie Kiener für angemessen. Qualität habe eben ihren Preis. Der Deutsche verzehre im Schnitt 60 Kilogramm Kartoffeln im Jahr, so der Kreisobmann. In Form von Bratkartoffeln, Pommes, Knödeln, Schupfnudeln und Reiberdotsch.

Irlbacher weiß um den hohen Aufwand, wenn er sagt: "Von Frühjahr bis Herbst sind für die braune Knolle viel Arbeit, Pflege und Leidenschaft nötig". Bayerische Kartoffeln seien dank professioneller Lagertechnik ganzjährig verfügbar. Direktvermarkter Hans Kiener empfiehlt allerdings eine rasche Verwertung. Die Frühkartoffeln aus seinem Anbau sollten innerhalb einer Woche in der Küche veredelt werden. "Dann schmecken sie so, wie wir uns die Erdäpfel wünschen".

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