07.01.2021 - 14:59 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Falsche Hebammen-Schülerin nimmt Kind an sich

Eine offenbar psychisch auffällige Frau schlich sich am Dienstag ins Krankenhaus St. Barbara ein und versuchte möglicherweise, ein Neugeborenes mitzunehmen. Personal und Polizei konnten das verhindern. Das Kind blieb unverletzt.

Eine offenbar verwirrte Frau gelangte ins Krankenhaus St. Barbara und nahm ein Kind an sich. Sie wurde festgenommen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Ungebetener Besuch im Krankenhauses St. Barbara: Einer 29-Jährigen, offenbar psychisch kranken Frau gelang es am Dienstagnachmittag, sich in die Wöchnerinnenstation einzuschleichen. Die Polizei geht davon aus, dass die Frau ein Neugeborenes mitnehmen wollte. Wegen der Pandemie ist das Krankenhaus derzeit besonders abgeschottet. Trotzdem konnte die Frau eindringen. Was sie genau vorhatte, ist unklar.

Die Frau sei über eine kurzzeitig geöffnete Nebentür in die Klinik und von dort weiter in den Wäschebereich gelangt, teilte die Klinik mit. Die 29-Jährige schnappte sich Arztkittel und -hose. So getarnt, gab sie sich Mitarbeitern gegenüber als Hebammen-Schülerin oder auch als Ärztin aus. "Sie verwickelte dort mehrere Mitarbeiter in Gespräche und bot ihre Unterstützung an. Unter anderem wollte sie sich am Abräumen des Essensgeschirrs beteiligen. Sie hinterließ dabei zunächst einen kompetenten und selbstbewussten Eindruck", so die Pressesprecherin der Klinik, Marion Hausmann.

Hilfe beim Wickeln

Auf der Wöchnerinnenstation schließlich bot die 29-Jährige einer Pflegekraft ihre Hilfe beim Wickeln eines Kindes an. Die Pflegekraft verließ wegen eines Rufs kurz das Zimmer. Das nutzte die angebliche Hebammenschülerin, um das Kind in ein Rollbettchen zu packen und laut Hausmann "wenige Minuten" im Krankenhaus umher zu schieben. Das kam aufmerksamen Mitarbeitern laut Hausmann seltsam vor: Sie stellten die 29-Jährige zur Rede, nahmen ihr das Kind ab. Die Frau sei von Security-Mitarbeitern festgesetzt worden. Das unversehrte Kind kam in die Obhut der Mutter.

Laut Hausmann habe die Frau nach Angaben der Mitarbeiter nicht den Eindruck erweckt, das Kind mitnehmen zu wollen. "Nachdem sie gestellt wurde, sprach sie kaum und artikulierte sich nur in unzusammenhängenden Sätzen", so Hausmann. Als die Frau nach medizinischer Hilfe fragte, wurde sie in der Zentralen Notaufnahme des Krankenhauses untersucht und versorgt, ehe sie von alarmierten Polizeibeamten mitgenommen wurde. Die Beamten waren zufällig wegen einer anderen Angelegenheit in der Klinik und so sofort vor Ort.

In Fachklinik

Die im Landkreis Schwandorf lebende Frau sei bereits wegen psychischer Auffälligkeiten aktenkundig, teilte der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Florian Beck, mit. Die 29-Jährige sei in Gewahrsam genommen und in eine psychiatrische Fachklinik gebracht worden. Die Polizei Schwandorf ermittelt gegen sie in enger Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft unter anderem wegen des Verdachts der Entziehung Minderjähriger.

Der Geschäftsführer des Krankenhauses St. Barbara, Dr. Martin Baumann, äußerte sein Bedauern darüber, dass die Frau überhaupt in die Nähe der Patienten gekommen sei. Das Gebäude werde zwar geschützt, sei aber "immer noch ein Krankenhaus." Die Situation sei dank der aufmerksamen Mitarbeiter schnell bewältigt worden. "Die Mitarbeiter waren sehr achtsam und haben, als sie den Vorfall bemerkten, sofort reagiert. Alle erforderlichen Schritte wurden eingeleitet, die Mitarbeiter haben beherzt eingegriffen", so Baumann.

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Schwandorf

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