21.10.2020 - 14:36 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Entsorgungsnotstand bei Klärschlamm

Die Zukunft der Klärschlammentsorgung ist in vielen Regionen offen. Verbandsvorsitzender Andreas Feller zitiert einen Fachartikel: „Entsorgungsnotstand droht nicht – er ist schon da.“

Klärschlamm ist einerseits ein wichtiger Dünger, andererseits aber schadstoffbelastet – und das vor allem durch Kunststoffe und Medikamenten-Rückstände.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Bei der Zusammenkunft des Zweckverbands thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS) ging dessen wiedergewählter Vorsitzender, der Schwandorfer Oberbürgermeister Andreas Feller, in seinem Bericht unter anderem auf die sogenannte Entsorgungslage für Klärschlamm ein, die er als kritisch darstellte.

Feller bezog sich dabei auf einen aktuellen Artikel im Fachblatt "Entsorga", in dem die gegenwärtige Klärschlammentsorgungssituation in der Bundesrepublik Deutschland untersucht wird. Die Firma ecoprog GmbH hat die Situation der Klärschlammentsorgung in der Bundesrepublik umfassend untersucht. Danach habe sich der Entsorgungsengpass für Klärschlamm derzeit verschärft. "Der durchschnittliche Vergabepreis für die Entsorgung von kommunalem Klärschlamm in Deutschland hat sich in den vergangenen drei Jahren verdreifacht", berichtete der Verbandsvorsitzende über seine Erkenntnisse.

Verbandsvorsitzender Andreas Feller: "Der Zweckverband ist seiner Hauptaufgabe erfolgreich nachgekommen."

Wie es hieß, würden bestehende Entsorgungsverträge von Entsorgern zum Teil kurzfristig gekündigt, zum Teil würden auf kommunale Ausschreibungen keine Angebote abgegeben. Laut Feller werde sich "die Entsorgungssituation in den nächsten Monaten nochmals deutlich verschärfen, da der Hauptträger der thermischen Klärschlammentsorgung, die Kohleverbrennung, deutlich eingeschränkt sein wird". Dies hänge zum einen mit dem beschleunigten Ausstieg aus der Kohleverstromung und zum anderen mit der starken Einspeisung erneuerbarer Energien zusammen. Insbesonders die in den Wintermonaten starke Windenergieeinspeisung führe zur Zwangsabriegelung von Kohlestromproduktion.

Zweckverband muss Problem meistern und braucht Nachtragshaushalt

Schwandorf

Trotzdem hatte der Vorsitzende auch eine gute Nachricht parat: "Dem Zweckverband thermische Klärschlammverwertung Schwandorf ist es gelungen, die Klärschlammentsorgung seiner Verbandsmitglieder über das ganze Jahr sicherzustellen. Damit ist er seiner Hauptaufgabe erfolgreich nachgekommen." Allerdings konnte für die Verbandsmitglieder kein Entsorgungspreis erzielt werden, der deutlich unter dem Marktpreis liegt. "Dieses Ziel haben wir verfehlt."

Feller ging auch auf offene Fragen zur Abfallklärschlammverordnung ein, die seit drei Jahren gilt. Sie habe "leider in manchen Bereichen mehr zur Verwirrung als zu einer Klärung der Rechtslage beigetragen". Nach wie vor unklar sei die Frage, wie die Kläranlagen unter 50 000 Einwohnerwerten an Ausbauleistung ihren Klär-schlamm nach der 15-jährigen Übergangsfrist entsorgen dürfen. "Ist es hier weiterhin möglich, den Klärschlamm zu trocknen und anschließend in die Zementindustrie als Biobrennstoff abzugeben oder muss auch dieser Klärschlamm in einer Monoverbrennungsanlage mit einer anschließenden Phosphatrückgewinnung behandelt werden?" Dies zu klären, gebe es bereits einen Vorstoß des Landratsamtes, das Feller eingeschaltet hat.

Berührt davon wird auch die zukünftige Entwicklung des Zweckverbandes. "In einer der nächsten Sitzungen müssen sich die jetzigen Mitglieder des ZTKS über die strategische Weiterentwicklung des Verbandes klar werden", kündigte der Vorsitzende an. Aufgrund der Tatsache, dass einige Verbandsmitglieder eine Ausbauleistung von über 100 000 oder über 50 000 Einwohnerwerten haben, müssen diese Klärschlammmengen nach einer 12- beziehungsweise 15-jährigen Übergangsfrist einer Monoklärschlammverbrennung mit anschließender Phosphatrückgewinnung zugeführt werden. "Hierzu besteht die Möglichkeit, dass der ZTKS eine eigene Anlage für seine Verbandsmitglieder baut, mit kommunalen Entsorgungsträgern im Wege der kommunalen Zusammenarbeit ausschreibungsfrei zusammenarbeitet oder aber die Leistung über ein Ausschreibungsverfahren an Dritte vergibt."

Auch müsse in den nächsten Sitzungen eine klare Entscheidung getroffen werden, "ob wir weitere Verbandsmitglieder, die bei ZTKS angefragt haben, aufnehmen, oder ob ZTKS mit Blick auf die Mitgliederzahl in seiner jetzigen Struktur beschränkt bleibt".

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