25.05.2020 - 19:40 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Eigene Stromleitung für die Bahn

Der Strom muss zum Zug: Mit Oberleitungen am Gleis ist es da nicht getan. Für die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg ist eine Leitungstrasse nötig. Seit Montag ist klar: Sie wird durch den Landkreis führen.

Auf der Bahnstrecke Hoof-Regensburg über Schwandorf (Bild) ziehen noch Diesel-Loks die Züge. Das soll sich nun ändern.- Die Pläne für die Elektrifizierung laufen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Seit Jahrzehnten ist die Elektrifizierung der Bahnstrecken Hof-Schwandorf-Regensburg und Nürnberg-Schwandorf Thema. Am Montag fiel der Startschuss für erste handfesten Planungen. Die könnten für Ärger sorgen. "Die Elektrifizierung bringt der Region viele Vorteile. Intercities nach Dresden und München, Lärmschutz entlang der Gleise und einen sauberen Bahnverkehr, umweltfreundlich und klimaschonend," sagte Klaus-Dieter Josel, DB-Konzernbevollmächtigter für Bayern, bei einer Pressekonferenz im Bahnhof Schwandorf. Auch mehr Nahverkehr wird möglich. Ebenso ist die Steigerung des Güterverkehrs auf dieser Nord-Süd-Achse vorgesehen. "Das alles funktioniert aber nur mit dem passenden Strom - und der muss erst zum Zug kommen." Josel betonte die politische Unterstützung für den Ausbau auf der 180 Kilometer langen Strecke: "Wir werden die Klimaziele nur erreichen können, wenn man die Bahn weiter stärkt."

Der Bayerische Verkehrs-Staatssekretär Klaus Holetschek war sich mit Bundestags-Abgeordnetem Karl Holmeier (beide CSU) einig: Der Ausbau sei eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte in der Bundesrepublik. Bislang ist Nordost-Bayern ein weißer Fleck, wenn es um die Elektrifizierung der Bahn geht. "Wir müssen Mobilität und Klimaschutz zusammenbringen", sagte Holetschek. Dies könne nur im Dialog mit den betroffenen Bürgern funktionieren. Darauf setzt auch Holmeier. Als verkehrspolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe kämpft Holmeier - wie die weiteren Abgeordneten der Region - seit Jahren für die Elektrifizierung. "Jetzt müssen wir Gas geben, dass wir voran kommen", sagte Holmeier. Auch die Voraussetzungen für den weiteren Ausbau von Schwandorf über Furth nach Prag sollen bald geschaffen werden.

DB-Projektleiter Mattias Trykowski erinnerte daran, dass es für die Elektrifizierung nicht damit getan sei, eine Oberleitung über die Gleise zu spannen und dafür tausende Masten zu bauen. Brücken müssen neu gebaut, Lärmschutzwände geplant, Stellwerke und Zugbeeinflussung erneuert werden. Und: Der Strom muss zum Zug, die Oberleitungen an das eigene Stromnetz der Bahn angeschlossen werden. Parallel zur Nord-Süd-Verbindung Hof-Schwandorf-Regensburg wird dazu eine 110-kV-Stromtrasse entstehen - möglichst gebündelt mit bestehender Infrastruktur: Also Stromtrassen, den Gleisen und der Autobahn A 93. Dass die Eisenbahn über ein eigenes Stromnetz versorgt wird, hat technische Gründe. Der Bahn-Wechselstrom hat eine geringere Frequenz als das öffentliche Netz. Die Ausbaukosten für die Strecke werden laut Trykowski auf "einen noch einstelligen Milliardenbetrag" geschätzt.

An der 110-kV-Trasse liegen Umspannwerke - die bei der Bahn "Unterwerke" heißen. Sie transformieren die 110 000 Volt auf den Fahrstrom von 15000 Volt und versorgen die Oberleitungen. Im Landkreis soll eines bei Irrenlohe entstehen, sagte Achim Saßmannshausen (DB Energie). Weitere Standorte sind in Wiesau, in Hohenstadt (bei Hersbruck) und in Schnabelwaid (Kreis Bayreuth). Die "Unterwerke" stehen möglichst nah an den Schienen und nehmen etwa 30 mal 40 Meter Fläche ein, so Saßmannshausen.

Der erste Entwurf für einen 200 Meter breiten Korridor der 110-kV-Trasse ist im Netz veröffentlicht. Start ist in Wiesau, dann westlich an Weiden vorbei nach Luhe und von dort westlich an Wernberg-Köblitz, Pfreimd und Nabburg vorbei Richtung Irrenlohe. In Irrenlohe zweigt die Leitung Richtung Amberg/Nürnberg ab. Richtung Süden geht's im Westen an Schwandorf vorbei, dann knickt die Trasse nach Osten Richtung Maxhütte-Haidhof, weiter nach Regenstauf und dann der Bahn entlang nach Regensburg.

Die Bürger sollen "abschnittsweise" zu Infomärkten geladen werden. Die werden, Corona geschuldet, ab Mitte Juni online stattfinden. Wie genau, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall hofft Trykowski auf rege Beteiligung: "Keiner kennt die Gegend besser als die Leute, die hier leben." Die Bahn wolle im Austausch mit den Bürgern die Trasse optimieren. "Erst dann gehen wir in die Vorplanung", sagte er.

Der Zeitplan ist ambitioniert. Zwar wollte sich Josel nicht auf einen Termin für die Fertigstellung des Gesamtprojekts festnageln lassen. "Wir peilen das Jahr 2030 an", stellte Staatssekretär Holetschek aus Sicht des bayerischen Verkehrsministeriums klar.

"Wir werden die Klimaziele nur erreichen können, wenn man die Bahn weiter stärkt", sagte Klaus-Dieter Josel, DB-Konzernbevollmächtigter für Bayern.

Weiterer Artikel zum Thema

Schwandorf
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.