15.07.2021 - 16:28 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Eichenprozessionsspinner behagt das schlechte Wetter im Landkreis Schwandorf nicht

Der Kontakt mit der Raupe des Eichenprozessionsspinners ist für den Menschen alles andere als angenehm. Im vergangenen Jahr war das Insekt ein Problem im Landkreis, aber wie sieht es heuer aus? Wir haben uns umgehört.

Vor drei Jahren gab es im Landkreis Schwandorf nur wenige, jetzt sind es zahlreiche Betriebe, die sich mit Schädlingsbekämpfung befassen. Auch an den Bauhöfen ist man beim Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner versierter geworden, nachdem viele Schulungen stattgefunden haben.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Da der Eichenprozessionsspinner bevorzugt einzeln stehende und gut besonnte Eichen besiedelt, kommt er häufig an Stadt- und Parkbäumen, Straßenalleen, in Gärten und Anlagen sowie an Waldrändern vor. In Nabburg, so erinnert sich Reinhard Schlosser als Leiter des Amts für Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Rathaus, "war der Eichenprozessionsspinner im vergangenen Jahr ein großes Thema." Er nennt Neusath, Diendorf und Lissenthan, wo eine Spezialfirma tätig werden musste.

Was dieses Jahr anbelangt, so gibt Schlosser vorsichtig Entwarnung: "Bislang hatten wir nur ein kleines Nest in Diendorf, zwischen der Schule und den Kindergarten-Containern." Das habe der Hausmeister entdeckt und Bescheid gegeben. "Es war nur faustgroß, das hat dann unser Bauhof entfernt."

"Heuer nur ein Nest"

Auch in der Stadt Pfreimd ist man eher entspannt, was das Thema Eichenprozessionsspinner anbelangt. "Wir haben keine großen Probleme heuer," versichern Geschäftsstellenleiter Bernhard Baumer und Bauhofleiter Josef Paulus. "Letztes Jahr haben wir viele Nester gefunden, aber heuer wurde noch keines gemeldet," so Paulus. Baumer sieht Parallelen zum Borkenkäfer. "Der ist heuer auch nicht so intensiv."

Hubert Hammerer, der Leiter des Bauhofs in Oberviechtach, schiebt das Ausbleiben der Eichenprozessionsspinner-Problematik in diesem Jahr auf den vielen Regen, der derzeit fällt. "Wir hatten bislang nur einen Fall an einer Flurbereinigungsstraße, aber da kommen keine Wanderer vorbei." Also hat man erst einmal nur eine Hinweistafel aufgestellt. Problematisch war es laut Hammerer im Raum Oberviechtach aber auch im letzten Jahr nicht: "Auch da hatten wir nur einen Fall."

Bauhöfe versierter geworden

Entwarnung gibt auch Fachberater Wolfgang Grosser vom Landratsamt. Ein Indiz: "Das Telefon ist sehr ruhig zurzeit." Früher habe es fünf Anrufe wöchentlich gegen, die Nester gemeldet haben, jetzt sind es einer, vielleicht zwei. "Das liegt an dem vielen Regen und den heftigen Winden," erklärt Grosser, dadurch seien Raupen auf Bäumen generell dezimiert worden. Auf so einer Eiche befänden sich beispielsweise 25 verschiedene Insektenarten, die an dem Baum fressen. Gerade der Eichenprozessionsspinner profitiere von Wärme und Trockenheit, und so habe das Klima in den letzten drei Jahren viel dazugetan.

Dazugelernt hat man im Landkreis auch, was den Umgang mit diesen Insekten anbelangt. "Vor drei Jahren gab es hier noch wenige, jetzt sind es zahlreiche Betriebe, die sich mit Schädlingsbekämpfung befassen." Auch an den Bauhöfen sei man in dieser Frage versierter, so Grosser: "Ich habe dafür viele Schulungen durchgeführt."

Suche an der Autobahn

Die Niederlassung Nordbayern der Autobahn GmbH des Bundes führt derzeit die mechanische Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners durch. Fachfirmen sammeln in den nächsten Wochen entlang der Autobahnen und Rastanlagen die Nester der verpuppten Raupen ab - unter anderem an der A 93 zwischen den Anschlussstellen Luhe-Wildenau und Ponholz.

"Wir haben schon eine Firma beauftragt und werden in der nächsten Zeit einen Mann von uns losschicken, der die Eichen entlang der Autobahn überprüft," sagte Mathias Klisch, der Leiter der Autobahnmeisterei Schwandorf. Dabei muss der Bestand an einer Strecke von über 100 Kilometern in Augenschein genommen werden.

"Das Auftreten des Eichenprozessionsspinners stellt alljährlich ein Problem für die Verkehrsteilnehmer und für das Personal des Betriebsdienstes der Niederlassung Nordbayern dar", versichert Thomas Boehr als Leiter der Außenstelle Fürth der Autobahn GmbH des Bundes. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners bilden im Laufe ihrer Entwicklung feine Brennhaare aus, die bei Hautkontakt zu schweren allergischen Reaktionen bis hin zur Bildung von "Quaddeln" am Körper oder bei Einatmen der Brennhaare zu Reizungen an Mund- und Nasenschleimhäuten oder Asthmaanfällen führen können. "Daher," so Boehr, "sind bei Befall auch Ruhezonen auf einzelnen Rastanlagen abgesperrt".

"Wobei es bei uns nicht so viele Eichen auf Parkplätzen gibt," weiß Klisch. Die Eichen seien nach und nach ersetzt worden. Aber entlang der Fahrbahn der A93, also neben der Mähkante, würden immer wieder Eichen stehen, die in die Betrachtung einbezogen werden.

Warum das kleine Tierchen für den Menschen ein Problem ist:

Amberg
Info:

Eichenprozessionsspinner

  • Anfang Juni bauen die Tierchen ihre Gespinste (Raupennester), die in etwa fußballgroß werden können, an den Stämmen und in Astgabeln von Eichen.
  • Von dort aus wandern sie nachts in Gruppen von etwa 20 bis 30 Raupen zum Fressen in Richtung Baumkrone und kehren im Morgengrauen wieder zurück. Diesen „Prozessionen“ verdankt der Eichenprozessionsspinner seinen Namen.
  • In den Gespinstnestern häuten sich die Raupen. Nach der Verpuppung der Raupe (Anfang Juli) haften dort noch Unmengen der Brennhaare. Daher bergen die Gespinste oft noch über Jahre ein Risiko für den Menschen.
Hubert Hammerer, der Leiter des Bauhofs in Oberviechtach, und seine Kollegen in anderen Bauhöfen schieben das Ausbleiben der Eichenprozessionsspinner-Problematik in diesem Jahr auf den vielen Regen, der derzeit fällt. Mit Warnhinweisen werden vor allem Wanderer an kritischen Stellen gewarnt.
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