22.03.2021 - 19:11 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Dritte Welle im Kreis Schwandorf: Banger Blick in Zukunft

Der Landkreis liegt bei einem Inzidenzwert knapp unter 300. Die dritte Welle macht sich unterdessen bereits teilweise auf den Intensivstationen bemerkbar. Der Altersdurchschnitt der Patienten sinkt. Die Kontaktverfolgung wird schwieriger.

Die Kontaktverfolgung im Schwandorfer Gesundheitsamt ist eine der wichtigsten Maßnahmen in der Bekämpfung der Corona-Pandemie.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Am Montag lag der Inzidenzwert im Landkreis Schwandorf bei 296,2. Die Krankenhäuser befürchten weiter steigende Patientenzahlen. Die Kontaktverfolgung im Gesundheitsamt wird unterdessen wieder aufwendiger.

Auf die Frage, ob das Gesundheitsamt nun mit der steigenden Inzidenz an seine Belastungsgrenzen stößt, antwortet Hans Prechtl, der Sprecher des Landrats: "Natürlich ist bei derart hohen Inzidenzen die Kontaktnachverfolgung nicht so schnell und lückenlos wie bei niedrigeren Inzidenzen möglich." Prechtl verweist auf die geltenden Corona-Beschränkungen. "Entweder man kann die Kontakte lückenlos nachvollziehen, oder man muss das öffentliche Leben beschränken, um Kontakte zu vermeiden."

Seit Beginn der Pandemie hat das Landratsamt mehr als 50 Mitarbeiter neu eingestellt. Hinzukamen Mitarbeiter aus anderen Abteilungen, die das Gesundheitsamt vorübergehend unterstützt haben. Vergangene Woche hat die Regierung der Oberpfalz zusätzlich vier Mitarbeiter abgeordnet. Prechtl fügt am Montag hinzu: "Für den morgigen Dienstag können wir auf acht weitere Soldaten zugreifen. Für Mittwoch erwarten wir weitere drei bis vier ,Springer', also von der Regierung der Oberpfalz abgeordnete Mitarbeiter."

Derzeit arbeiten die Mitarbeiter Prechtl zufolge sieben Tage die Woche bis in den Abend hinein. "Wir befinden uns in einer Krisen- und Katastrophensituation", sagt er. Das Arbeitspensum sei um ein Vielfaches angestiegen. Dabei betont Prechtl: "Aber jeder stellt sich seiner Aufgabe und nimmt es sogar hin, wenn es Zeitgenossen gibt, die sich befleißigt fühlen, uns darauf hinzuweisen, dass irgendwo ein i-Tüpferl falsch gesetzt ist."

Run auf Tests für Mitarbeiter

Wie sieht es im Landkreis mit den Schnelltests aus? Am Wochenende haben einige Test-Anlaufstellen den Betrieb aufgenommen, darunter zum Beispiel das Corona-Schnelltestzentrum der Johanniter in Schwarzenfeld. Das Landratsamt stellt zudem Antigen-Schnelltests für Unternehmen im Landkreis zu Verfügung. Unternehmen, auch ein Drei-Mann-Betrieb, müssen dabei lediglich für das entsprechende Personal sorgen, das die Tests durchführen kann. Prechtl zufolge ist die Nachfrage im Kreis sehr hoch. "Wir haben mittlerweile 15 620 Tests an 43 Unternehmen verteilt. Jedes Unternehmen, das bei uns Tests geordert hat, erhält eine Monatsration." Derzeit könne das Landratsamt keine Tests mehr ausgeben, da es keine mehr hat. Prechtl: "Wir warten auf die nächste Lieferung des Ministeriums, die aber sicherlich bald kommen wird." Beim Landratsamt gibt es ein Bestellformular, das die Behörde den Unternehmen zusendet. Auch die IHK und die Kreishandwerkerschaft Schwandorf haben es an die Unternehmen weitergegeben.

Blick auf kommende Wochen

Wie sich die Situation steigender Inzidenzwerte in den Krankenhäusern in der Region gestaltet, darüber kann Marion Hausmann, Pressesprecherin des St.-Barbara-Krankenhauses in Schwandorf, Auskunft geben. Mit dem Stand von Montag um 7.35 Uhr wurden dort 29 Patienten mit einer bestätigten Covid-Infektion behandelt. 21 von ihnen befinden sich auf den Isolierstationen und acht Patienten sind auf der interdisziplinären Intensivstation. Hausmann: "Von den acht intensivpflichtigen Corona-Patienten werden fünf invasiv und zwei nicht-invasiv beatmet. Hinzu kommen drei Verdachtsfälle."

St. Barbara sagt Eingriffe ab

Zum Vergleich: Am ersten März wurden im Schwandorfer Krankenhaus 20 Corona-Patienten behandelt. 14 von ihnen auf der Isolierstation sowie sechs Patienten auf Intensiv. Hinzu kam ein Verdachtsfall.

Die sich weiter anspannende Lage hat in Schwandorf einschneidende Maßnahmen zur Folge. Hausmann: "Aufgrund der rasant steigenden Inzidenzzahlen und damit einhergehend auch unserer Patientenzahlen sind aktuell alle planbaren stationären Eingriffe bis einschließlich 5. April abgesagt." Eine Ausnahme bilden lediglich "unaufschiebbare Eingriffe, Tumor- und ambulante Operationen sowie die Versorgung von Notfällen". Im Schwandorfer Krankenhaus sehe man die aktuelle Entwicklung mit Sorge und stelle sich in den kommenden Wochen auf steigende Patientenzahlen ein. Welche Folgen das haben könnte, lasse sich aber nur schwer abschätzen. Zu einem möglichen Aufnahme-Stopp von Patienten sagt Hausmann: "Sollte die Aufnahmegrenze für Covid-Patienten am Schwandorfer Krankenhaus erreicht werden, entscheidet der Ärztliche Leiter FüGK (Führungsgruppe Katastrophenschutz, Anm. d. Red.) Marc Bigalke über die Verteilung der Patienten." Dieser wäre in einem solchen Fall auch für die Asklepios-Klinik in Burglengenfeld zuständig. Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien teilt der für die Öffentlichkeitsarbeit des Hauses im Städtedreieck zuständige Bernhard Krebs mit: "Wir rechnen mit einem weiteren Anstieg der stationären Fallzahlen und haben entsprechende Pläne entwickelt." Dabei handle es sich unter anderem um die Konzentration weiterer Mitarbeiter auf der Corona-Station.

Patienten werden jünger

Auch die Altersstruktur der Corona-Patienten scheint sich in der Dritten Welle zu verändern. Lag der Altersdurchschnitt der behandelten Personen in Schwandorf während der zweiten Welle noch bei 73-Jahren, so bewegt es nun (das Krankenhaus rechnet seit dem 12. Februar für die dritte Welle) bei 65 Jahren. Die Asklepios-Klinik in Burglengenfeld wollte sich der Redaktion gegenüber auf keine genauen Zahlen festlegen, was das Alter der Patienten angeht. Doch auch von dort heißt es: "Tendenziell ist eine leichte Verringerung des Durchschnittsalters festzustellen."

In Burglengenfeld hat sich die Anzahl der Coronapatienten im Vergleich zu Anfang März bislang nicht verändert. In Zahlen ausgedrückt: in der Asklepois-Klinik sind derzeit sieben Menschen mit einer Corona-Infektion in Behandlung - zwei liegen auf der Intensivstation, wobei diese nicht beatmetet werden müssen. Fünf befinden sich auf der normalen Station.

Der Kreis Schwandorf hat eine der höchsten Inzidenzen bayernweit

Schwandorf

Auch in Weiden werden mehr jüngere Patienten auf Intensiv behandelt

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Schnelltests im Landkreis-Schwandorf

  • Die Coronatest-Strategie im Kreis beruht auf drei Säulen. Dabei handelt es sich um das Testzentrum im Sepp-Simon-Stadion in Schwandorf, die Schnelltests in den Apotheken und um das kostenlose Testangebot für Bürger von BRK und der Johanniter-Unfallhilfe.
  • Die sogenannten „Bürgertests“ werden derzeit in Burglengenfeld, Nabburg, Neunburg, Nittenau, Schönsee, Schwarzenfeld und Wackersdorf angeboten. Termine buchen kann man unter https://etermin.net/coronatest . Dort werden auch die möglichen Termine regelmäßig aktualisiert.
  • Auch am Montag noch unklar, welche Apotheken genau die Schnelltests anbieten werden. Das Landratsamt hofft „zeitnah“ auf eine entsprechende Liste vom bayerischen Ministerium für Gesundheit und Pflege.
  • Zudem bietet das Landratsamt Antigen-Schnelltests für Unternehmen an. Die Firmen müssen lediglich selbst für entsprechend geschultes Personal sorgen.
  • Schließlich will das Landratsamt für ein breites Angebot an Selbsttests arbeiten, die von Personen privat gemacht werden können.

 

 

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