04.12.2020 - 16:16 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Drei gegen Einen: Prügel wegen lächerlicher Summe

Drei Burschen sind vor dem Schwandorfer Jugendschöffengericht eines versuchten Verbrechens angeklagt: Sie sollen einen jungen Mann verprügelt haben, um eine lächerliche Summe Geldes von ihm zu bekommen. Passanten verhinderten Schlimmeres.

Wegen einer geringen Summe Geld sollen drei Burschen einen jungen Mann verprügelt haben.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Es geht um gerade einmal 60 Euro. Das Geld wollten drei Burschen im Alter von 17, 20 und 24 Jahren von einem Vierten zurück - mit brachialer Gewalt. Im Sommer vergangenen Jahres schlugen und traten sie den "Schuldner" in Nabburg mitten auf der Straße. Passanten versuchten die Täter zu bremsen. "Sie erschienen mir alle sehr aggressiv", sagte einer als Zeuge am Dienstag vor dem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektorin Petra Froschauer. Das verwundert nicht.

Denn schnell wurde klar: Die Drei, wegen versuchten Raubes und gefährlicher Körperverletzung angeklagt, stecken im Drogensumpf, hatten sich an dem Kirwa-Abend mit Alkohol, Marihuana und Ecstasy aufgeputscht. Da hat es dann gereicht, dass das spätere Opfer das Trio per Sprachnachricht als "Opfer" bezeichnete, und klar machte: Die 60 Euro würden sie nie zurückbekommen. Ob das Geld nur geliehen war oder als Gegenleistung Drogen geliefert werden sollten, wurde vor Gericht noch nicht klar. Die Tat an sich gab das Trio unumwunden zu.

Geschlagen und getreten

Der spätere Geschädigte wurde abgepasst, mit Fäusten geschlagen und – auch gegen den Kopf – getreten. Passanten und Anwohner, die die Schlägerei mitten in der Stadt mitbekamen, versuchten die Schläger zurückzuhalten, riefen die Polizei. Selbst als dem Geschädigten so die Flucht gelang, war die Sache nicht erledigt: Die Drei setzten ein paar hundert Meter nach, holten den jungen Mann wieder ein. Im Vorgarten eines Wohnhauses ging die Prügelei weiter, bis die Polizei kam und die Schläger festsetzte.

Mehrere Zeugen hatten die Schlägerei beobachtet oder eingegriffen und berichteten von tumultartigen Szenen. "Ich wollt' halt verhindern, dass der Bursche noch schwerer verletzt wird. Die haben ja auf den eingeprügelt bis zum Gehtnichtmehr", sagte ein Zeuge, ein gestandener Handwerker, der sich im Tumult den ältesten Angeklagten geschnappt und festgehalten hatte. "Der hat mich dann bedroht, gesagt, er sei der Boss der Drei und ich wisse nicht, mit wem ich mich anlege."

Zwei der Angeklagten wurden am Dienstag von der Polizei vorgeführt: Der 20-Jährige sitzt ein, unter anderem wegen Einbruchs und Drogendelikten. Die Haft hätte nicht sein müssen: Das Jugendgericht hatte dem jungen Mann zuletzt eine Bewährungs-Chance gegeben, und ihm eine Therapie auferlegt. Die trat er nicht an - und muss nun ein Jahr Jugendhaft abbrummen. Der 24-jährige, vermeintliche "Boss" des Trios ist im Maßregelvollzug, in einer geschlossenen Entziehungsanstalt. Er versucht von Cannabis, Ecstasy und Alkohol loszukommen. Er hat schon mehrere Haftstrafen abgesessen. Der Jüngste der Drei ist auch kein unbeschriebenes Blatt: Zuletzt wurde er wegen Drogenhandels zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedl sieht für die beiden älteren Angeklagten einen (weiteren) geschlossenen Drogenentzug für dringend notwendig an. Beide seien abhängig.

Teure Lüge

Das Opfer indes tauchte am Dienstag nicht als Zeuge auf. Die Vorsitzende ließ die Polizei nach ihm suchen – um zu erfahren, dass der junge Mann derzeit in einer Fachklinik zum Drogenentzug ist. Seinen Betreuern log er offenbar vor, dass der Gerichtstermin ausfalle. Die Lüge kommt teuer: Auf Antrag von Staatsanwältin Sabrina Fischer erließ die Amtsgerichtsdirektorin ein Ordnungsgeld von 300 Euro, ersatzweise drei Tage Haft.

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Schwandorf

Trotz der weitgehenden Geständnisse: Um zu einem gerechten Urteil zu kommen und festzustellen, ob der Tatbestand des versuchten Raubes erfüllt ist, sei die Vernehmung des Opfers nötig, sagte Froschauer: "Den brauchen wir". Das Jugendschöffengericht vertagte sich auf Anfang Dezember. Dann wird der Geschädigte mit großer Sicherheit in Begleitung auftauchen. Denn nun geht die Vorladung auch an die Fachklinik.

"Die haben ja auf den eingeprügelt bis zum Gehtnichtmehr."

Ein Zeuge vor dem Jugendschöffengericht.

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