09.07.2020 - 19:05 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Doppelmord in Schwandorf: Taucher suchen nach Beweismitteln

Nach dem Tötungsdelikt im Schwandorfer Ortsteil Büchelkühn ist der Tatverdächtige in Haft. Von einer Tatwaffe fehlt jede Spur. Taucher suchen in zwei kleinen Weihern wenige hundert Meter von dem Haus entfernt, wo sich die Tat ereignete.

Der Taucher der Bereitschaftspolizei ist kurz davor, den kleineren der beiden Weiher in der Nähe des Tatorts in Büchelkühn, nach der Tatwaffe abzusuchen.Seine Kollegen sichern ihn.
von Alexander Unger Kontakt Profil

Am Donnerstagnachmittag wirkt die Kreuzfeldstraße in Büchelkühn (Schwandorf) geradezu idyllisch. Im aufgewirbelten Staub reflektieren die Sonnenstrahlen, das Lachen spielender Kinder schallt von Haus zu Haus. In der Ferne bellt ein Hund. Doch am Ende der Straße umgibt ein Polizeiabsperrband ein angrenzendes Waldstück, in dessen Mitte zwei kleine Teiche liegen. Die Gewässer sind nicht mehr 50 Meter von dem Einfamilienhaus entfernt, in dem am Montag, 29. Juni, zwei Personen tot aufgefunden worden waren. Der mutmaßliche Täter Karlheinz R. war vier Tage lang auf der Flucht. Mittlerweile sitzt der 57-Jährige in Tschechien in Haft. Von der Tatwaffe, wahrscheinlich ein Messer, fehlte bislang laut Polizeisprecher Florian Beck jede Spur.

Am Donnerstagnachmittag teilt er allerdings in einem Pressetext mit, dass Beamte gerade die beiden Weiher auf „etwaige Beweismittel“ absuchen. Auch auf Anfrage von Oberpfalz-Medien teilt er mit, dass er aus „ermittlungstechnischen Gründen“ derzeit nicht mehr sagen könne, als dass die Einsatzkräfte eben nach Beweismitteln suchen. Am Einsatzort stellt sich allerdings im Gespräch mit den Einsatzkräften schnell heraus, dass die Kriminalpolizei Amberg mithilfe von Tauchern der bayerischen Bereitschaftspolizei aus Nürnberg ganz konkret nach einer Tatwaffe sucht. Es ist durchaus denkbar, dass sich der Beschuldigte auf seinem Fluchtweg an den Weihern vorbei noch weitere Beweismittel entledigt haben könnte.

Schon seit 10 Uhr Vormittags sind die Beamten an den Weihern im Einsatz. Dabei wirkt die Einsatzstelle fast schon unspektakulär. Kein Blaulicht, nicht einmal Polizeiautos in Sicht. Lediglich ein Krankenwagen steht wohl zur Sicherheit auf dem schmalen Weg zwischen den beiden Weihern bereit. Es ist relativ heiß, die Beamten haben ihre Polizeijacken über die Spiegel des Fahrzeugs geworfen. Zehn Männer sind im Einsatz. Einige von ihnen fahren mit einem kleinen schwarzen Schlauchboot mit Motor von einem Ufer zum anderen. Bei ihnen ist auch der Taucher, der nun an der Reihe ist. Die Männer wechseln sich bei der Suche ab.

Metallschrott und Geröll: Keine leichte Suche

Ein Polizeibeamter an der Einsatzstelle erklärt: "Die Taucher gehen nacheinander ins Wasser. Unter Umständen kann es sein, dass sie nach einer Pause auch ein zweites Mal tauchen gehen." Die Weiher haben sie mit gelben Bojen in verschiedene Abschnitte eingeteilt, die sie im Laufe des Tages Schritt für Schritt mit einem Metalldetektor absuchen. Am Nachmittag ist der kleinere der beiden Weiher dran. Keine allzu leichte Aufgabe, erzählt ein Polizist. "Wir suchen einen relativ kleinen Gegenstand. Daher ist bei den unsichtigen Gewässern wichtig, dass man mit einem Suchsystem arbeitet", sagt er. Weil die Abschnitte nicht groß sein dürfen, sei die Suche extrem zeitaufwendig.

Zwei Polizisten sichern den Taucher mit einem Seil, überprüfen, ob die Funkverbindung zu ihm funktioniert. Der Mann geht ins Wasser, taucht ab und zu sehen sind nur noch ein paar Luftblasen, die an die Oberfläche steigen. Die Aktion wird auch nicht gerade dadurch einfacher, dass in den Weihern Metallschrott entsorgt wurde. Hinzukommt, dass das Wasser ist trüb, der Boden schlammig ist. "Das ist schwierig für den Taucher, weil das Gerät bei dem Geröll und dem Schrott sehr oft anschlägt und er jedes Mal ertasten muss, was da auf dem Boden liegt." Der Beamte ist aber zuversichtlich, dass sie die Tatwaffe auch höchstwahrscheinlich finden werden, sollte sie wirklich in einem der beiden Weiher liegen. Nach Erkenntnisstand von Donnerstagabend blieb die Suche bislang erfolglos.

Lesen Sie hier: Vier Tage nach der Tat klickten in Tschechien die Handschellen

Schwandorf
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.