30.11.2020 - 15:49 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Demo vor ZMS-Versammlung

Die Verbrennung freigemessenen Abfalls aus Atomkraftwerken im Müllkraftwerk Schwandorf ruft erneut Bürgerinitiativen, Verbände und Parteien auf den Plan. Für Mittwoch, 2. Dezember ist eine Kundgebung an der Oberpfalzhalle angekündigt.

Im Müllkraftwerk Schwandorf werden seit Jahren freigemessene Abfälle aus Atomkraftwerken verbrannt. Dagegen regt sich nun Widerstand.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Entsorgung freigemessener Abfälle aus den Atomkraftwerken in Ohu (Kreis Landshut) und Grafenrheinfeld (Kreis Schweinfurt) in der Müllverbrennungsanlage schlägt seit Monaten politische Wogen. Nun haben diverse Bürgerinitiativen, Verbände und Parteien zu einer Demonstration aufgerufen. Sie beginnt am Mittwoch, 2. Dezember, um 11.45 Uhr vor der Oberpfalzhalle. Dort tagt ab 12 Uhr die Verbandsversammlung des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf, ZMS. Für die Demonstration gelten wegen der Pandemie diverse Vorgaben.

"Grafenrheinfeld, Isar eins und zwei, Schluss mit der Freimess-Schweinerei" ist der Aufruf zu der Kundgebung überschrieben. Die Initiatoren wollen erreichen, dass freigemessener Abfall aus Kernkraftwerken generell nicht mehr verbrannt, sondern deponiert wird. "Freigemessen" bedeutet, dass die radioaktive Belastung der Abfalls unter einem gesetzlichen Grenzwert (10 Mikrosievert) liegt.

AKW-Abfall im Schwandorfer Kraftwerk

Schwandorf

Die Verbrennung dieser Abfälle aus den AKW Isar 1 und 2 in Ohu bei Landshut läuft in Schwandorf seit Jahren. Der Kreis Landshut gehört zum ZMS-Gebiet. Freigemessener Abfall aus dem AKW Grafenrheinfeld wird seit 2019 im MKW Schwandorf verbrannt, obwohl Schweinfurt nicht dem ZMS angehört und über eine eigene Verbrennungsanlage verfügt. Deren Gesellschafter hatten eine Annahme des freigemessenen Abfalls abgelehnt. Schwandorf nahm den Abfall auf Grundlage war einer "Nothilfevereinbarung" an. Diese läuft Ende des Jahres aus.

Die Gegner der Verbrennung wollen erreichen, dass die Praxis des "Freimessens" eingestellt wird und der Abfall weiter unter die Regelungen des Strahlenschutzgesetzes fallen soll. Sie argumentieren, dass radioaktiv belastetes Material – selbst wenn die Belastung unter dem Grenzwert liegt – nicht über Kamin oder Asche freigesetzt werden dürfe. Die Initiativen haben dazu auch eine Online-Petition gestartet und sich in einem offenen Brief an den Bayerischen Umweltminister gewandt. Die Änderung der Freimessungs-Praxis wäre eine Sache des Bundesgesetzgebers.

Kein Abfall mehr aus Grafenrheinfeld

Schwandorf

 

 

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