16.06.2020 - 09:16 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Dauerregen" hält im Nasslager das Holz frisch

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Die Baumstämme sind tropfnass. Sie werden ständig unter Wasser gesetzt. Für den Laien schauen sie nicht gut aus. Doch das Gegenteil ist Fall. Der Forstbetrieb Burglengenfeld konserviert sie im Nasslager beim Schwandorfer Ortsteil Klardorf.

Das Holz sieht auf den ersten Blick besser aus, ist es aber nicht. Es taugt zum Beispiel für Paletten.
von Irma Held Kontakt Profil

Das Holz wird rund um die Uhr geduscht. Die Rinde ist glitschig und schwarz glänzend. Müssen über die Holzstöße Pumpleitungen verlegt werden, brauchen die Arbeiter Steigeisen. Manche Stämme wirken fast angekokelt. Für Hans Mages und Erwin Graf, Leiter beziehungsweise stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Burglengenfeld, ist das gut so. "Wasser konserviert." Die beiden Diplomforstwirte erinnern an die Lagunenstadt Venedig.

Druck vom Markt nehmen

Mit dem Nasslager beim Schwandorfer Stadtteil Klardorf nehmen sie den Druck vom Holzmarkt. Sie bewahren die Qualität und halten die Preise stabil. Das Holz aus den Winterstürmen vom Februar und März liegt schon größtenteils unter der Dusche. Geschätzt sind es 20 000 Festmeter. Aus dem Revier Reichenbach werden an diesem Nachmittag drei Lkw-Ladungen gebracht. Auch die Forstbetriebe aus Roding und Schnaittenbach liefern ihr Holz nach Klardorf. Im vergangenen Sommer beherbergte das Lager sogar Stämme aus Nürnberg.

Lagerung von Holz

Mages und Graf rechnen damit, dass bald ein Schwung Borkenkäferholz folgt. "Wenn man es früh erwischt, lässt es sich gut einlagern und behält so seine Qualität", sagt Mages. "Und der Borkenkäfer ertrinkt", ergänzt Forstwirtschaftsmeister Michael Schwarz, der nicht nur der Bademeister des Nasslagers ist, sondern auch in Sachen Technik und ganz generell auf dem Gelände nach dem Rechten sieht.

Lange soll das Holz nicht in Klardorf herumliegen. "Wir versuchen den Winter über zu verkaufen. Aber wenn alles gegen uns läuft, kann es maximal drei bis vier Jahre bleiben", erklärt Erwin Graf. Der Aufwand lohne sich nur bei hochwertigen Stämmen. 20 Euro koste die Bewässerung pro Festmeter. Da müssen schon Preise zwischen 80 bis 100 Euro pro Festmeter erzielt werden.

Kein Gift im Wald

Hans Mages lenkt beim Gang über das weitläufige Gelände mit ausgeklügelten Fahrwegen, Einbahnverkehr und Lagerplätzen den Blick auf den ökologischen Aspekt. Das Wasser wird einem nahe gelegenen Oberflächengewässer entnommen und gereinigt durch Schilf wieder dorthin zurückgeführt. Durch die nasse Einlagerung würde eine Begiftung des Waldes, sprich der Einsatz von Pestizide gegen den Borkenkäfer, vermieden. Bei der Anlage, des alles in allem etwa 500 000 Euro teuren Lagerplatzes, wurden mehrere Biotope geschaffen. Ebenso gibt es brachliegende Flächen. Im Sommer seien viele Schwalben, die auf den nassen Stämmen Insekten finden, zu beobachten.

Angebot an Privatwaldbesitzer

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"Der Markt ist momentan überschwemmt", antwortet Erwin Graf auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Deshalb porfitierten von dieser Lagerhaltung indirekt auch die Privatwaldbesitzer. "Wenn Bedarf bestünde, könnten auch diese einlagern. Wir stehen dem offen gegenüber." Nach den Worten von Mages müsste dies mit den Waldbesitzervereinigungen abgeklärt werden.

Daten und Fakten:

Seit 2018 in Betrieb

Das Nasslager des Staatsforstbetriebes Burglengenfeld ist seit 2018 auf einem ehemaligen Tonabbaugelände bei Schwandorf-Klardorf in Betrieb. Es umfasst etwa acht Hektar, einschließlich eines Hackschnitzelplatzes für rund 15 000 Schüttraummeter. Auf der Holzlagerfläche von 2,2 Hektar können 75 000 Festmeter, in der Regel frisches Fichtenholz, bewässert werden. Das Wasser wird aus einem See entnommen und wieder dorthin zurückgeführt. Drei Pumpen verfügen über eine Leistungskapazität von 100 Liter pro Sekunde. Beregnet wird die ersten sechs bis acht Lagerwochen 24 Stunden. Nach den Worten von Erwin Graf im Juni, Juli, August inzwischen permanent, dann folgt eine Intervall-Beregnung. Bei Frost, spätestens ab November, endet die Beregnung.

Der Markt ist momentan überschwemmt.

Erwin Graf, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs

Erwin Graf, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs

Das ist eine ökologische Methode.

Hans Mages, Forstbetriebsleiter

Hans Mages, Forstbetriebsleiter

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