22.10.2020 - 17:46 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Corona-Zahlen steigen und steigen: Feinschliff für erste Warnstufe im Landkreis Schwandorf

Wenn es um die Corona-Zahlen geht, war der Landkreis Schwandorf bisher ziemlich blass. Das war auch gut so, denn ein dunkles Rot oder Blau verheißt nichts Gutes. Doch jetzt schrillen die Alarmglocken – es gibt immer mehr Infizierte.

Noch besteht für den Schwandorfer Marktplatz keine Maskenpflicht Mit Erreichen des Signalwerts von 35 Infizierten pro 100.000 Einwohner in 7 Tagen könnte sich das ändern - falls der Platz als "häufig frequentiert" eingestuft wird.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Verglichen mit einigen Nachbar-Landkreisen oder den größeren Städten in der Oberpfalz ist der Landkreis Schwandorf in der Corona-Pandemie den vergangenen Wochen noch gut weggekommen. Doch jetzt steigen auch hier die Zahlen, die Ampel tendiert Richtung Gelb. Die erste Warnstufe ist damit höchstwahrscheinlich am Freitag schon erreicht.

Die Landkreis-Zahlen vom Donnerstag

Schwandorf

"Wenn wir heute so viele Infizierte kriegen wie gestern, dann reißen wir morgen die 35", stellte Hans Prechtl, Pressesprecher am Schwandorfer Landratsamt, am Donnerstag fest. Bei der Zahl 35 handelte es sich um die 7-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner, die ausschlaggebend ist für verschärfte Maßnahmen zum Infektionsschutz. Am Dienstag lag die Zahl noch bei 20,96, am Mittwoch stieg der Wert nach 17 Neuinfektionen deutlich, und es sieht nicht danach aus, dass es bald wieder deutlich nach unten gehen könnte.

Allein aus 12 Kommunen stammten die 17 Infizierten, die am Mittwoch vom Landratsamt gemeldet wurden, am Donnerstag kamen 20 Infizierte aus 9 Gemeinden hinzu. Ein klarer, lokal einzugrenzender Schwerpunkt ist da nicht zu erkennen. "Wir sind hier nicht blauäugig. Für den Fall, dass wir die 35 überschreiten, ist bereits eine Verordnung in Arbeit", berichtet der Pressesprecher. Maßgeblich dafür ist in erster Linie die Bayerische Corona-Ampel: Sie zeigt an, welche Landkreise oder kreisfreien Städte den Signalwert von 35 oder den Schwellenwert von 50 erreicht haben. Die Liste wird täglich um 15 Uhr vom Gesundheitsministerium aktualisiert. Die jeweiligen Regelungen gelten vor Ort ab dem Folgetag.

Maskenpflicht im Freien?

Und so sehen die Regelungen dann aus, wenn der Landkreis Schwandorf den Signalwert von 35 überschritten hat: Nur noch maximal zehn Personen oder zwei Hausstände dürfen sich bei Kontakten, privaten Feiern und im öffentlichen Raum treffen. Die Sperrstunde wird auf 23 Uhr festgesetzt, es gilt ab 23 Uhr ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen und ein Verkaufsverbot an Tankstellen. Außerdem wird die Maskenpflicht verschärft. "Wo Menschen dichter und länger zusammen sind, unter anderem auf stark frequentierten öffentlichen Plätzen, in öffentlichen Gebäuden, Arbeitsstätten, Freizeiteinrichtungen, Kulturstätten, auch am Platz in weiterführenden Schulen ab Jahrgangsstufe 5 und Hochschulen", ist dann eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Doch die Details dieser Vorgaben kann jede Kommune selbst regeln. Im Landratsamt wird nun bereits debattiert, welche Plätze hier als "stark frequentiert" eingestuft werden können.

In der Phase der Abstimmung

"Momentan ist noch alles im Fluss und im Entwurfsstadium", so Pressesprecher Prechtl am Donnerstag auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Wenn er jetzt einige Punkte nenne, die dann doch verworfen werden, dann werde das nur zu Verwirrung führen. "Dann kennt sich keiner mehr aus", gibt er zu bedenken und verweist auf die dynamischen Prozesse, denen man hier Rechnung tragen müsse. Wie schwierig das ist, verdeutlicht Prechtl an einem Beispiel: "Wir können nicht für den Schwandorfer Marktplatz eine Maskenpflicht anordnen, wenn sich auf dem Parkplatz vor dem Globus viel mehr Personen begegnen." Auch um das Bedürfnis der Bevölkerung nach einheitlichen Regelungen zu berücksichtigen, will man sich am Landratsamt an den Allgemeinverfügungen anderer Landkreise orientieren, die in einer ähnlichen Situation sind. Diese Abstimmung mit anderen Landratsämter habe man bei einer Lagebesprechung per Video am Mittwoch angepeilt. "Es geht jetzt um den Feinschliff", so Prechtl."

Die Zeitspanne, die den Ämtern für solche Details bleibt, ist nicht gerade groß: Am Tag nach Überschreitung der 35 gelten die verschärften Regeln. Nach den nun am späten Donnerstagnachmittag gemeldeten Neuinfektionen dürfte die 35 am Freitag zum ersten Mal überschritten werden.

Das Grundgerüst für die dann geltende Allgemeinverfügung ist auch noch nicht sehr alt: Erst vor einer Woche hat der Ministerrat die Corona-Ampel als Strategie zur Eindämmung der Pandemie vorgestellt.

Wenn wir heute so viele Infizierte kriegen wie gestern, dann reißen wir morgen die 35.

Pressesprecher Hans Prechtl am Donnerstag über die Inzidenz-Zahl bei Corona im Landkreis Schwandorf.

Pressesprecher Hans Prechtl am Donnerstag über die Inzidenz-Zahl bei Corona im Landkreis Schwandorf.

So sah es nach dem Lockdown bei Regelverstößen aus

Schwandorf
Hintergrund:

Bayernweit unter dem Durchschnitt

In der Übersicht über sämtliche bayerischen Städte und Landkreise liegt der Landkreis Schwandorf laut Bayerischem Gesundheitsministerium deutlich unter dem Durchschnitt. Daran dürften im Moment auch die steigenden Infektionszahlen nichts ändern.

  • Im Vergleich: In ganz Bayern lag die Inzidenzzahl am Donnerstag (Stand 17 Uhr) laut Homepage des Gesundheitsministeriums (www.lgl.bayern.de) bei 63,81, für Schwandorf wurde zu diesem Zeitpunkt als Vergleichszahl noch 27,73 angegeben.
  • Abweichungen: Durch unterschiedliche Zeitpunkte bei der Aktualisierung kommt es im Ministerium zu Abweichungen gegenüber den aktuelleren Daten der regionalen Gesundheitsämter.
  • Meldekette: Die Gesundheitsämter melden ihre Zahlen ans Ministerium, von dort werden die Zahlen weitergeleitet ans Robert-Koch-Institut, das letzte Glied in der elektronischen Meldekette.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.