31.05.2019 - 14:11 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Blitz-Karriere als "Ed Sheeran"

Quasi über Nacht ist er drin im Showgeschäft. Nico Eckl aus Schwandorf verdankt das einem Gesicht, in dem viele den Singer-Songwriter Ed Sheeran wiedererkennen. Mittlerweile kennt er als Double auch die Schattenseiten des Starkults.

So präsentiert sich Ed Sheerans Doppelgänger Nico Eckl mit Gitarre.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Gerade ist Nico Eckl zurück von einem Auftritt in Saudi-Arabien. In Ländern wie Ägypten, Oman und Bahrain stand er schon auf der Bühne, und in Europa sowieso. Mit Karo-Hemd und den etwas struppigen, leicht rötlichen Haaren plus Bart sieht er Ed Sheeran "erschreckend ähnlich", so ein jugendlicher Fan. So ähnlich, dass er seit etwa einem Jahr über eine Agentur als Double zu buchen ist. Seither ist der 27-Jährige aus Schwandorf weltweit unterwegs.

"Der erste, der mich auf die Ähnlichkeit mit Ed Sheeran angesprochen hat, war mein Vater. Da lief gerade der Song ,The A Team'", erzählt der 27-Jährige, der ein Jahr jünger und sieben Zentimeter größer ist als der Star aus Großbritannien. "Dabei hatte ich da noch keinen Bart und auch keine langen Haare." Das änderte sich, als Nico Eckl bei der Bundeswehr ausschied und sich Gedanken über eine Ausbildung machen sollte. Dann kam der Tag, als er mit einem Kumpel zu einem Festival fuhr und dort campte. "Irgendwann standen Leute vorm Zelt und wollten ein Selfie mit mir", erzählt Eckl, der sich daraufhin prompt einen Pappkarton umhängte mit der Aufschrift "Foto 1 Euro". Wieder daheim nahm er sein Gesicht genauer unter die Lupe und verglich es mit dem des Stars. Schließlich nahm der Schwandorfer Kontakt auf zum Sender Pro Sieben, "und dann ging alles ruckzuck". Nach fünf Minuten kam ein Anruf, am nächsten Morgen stand ein Kamerateam vor Tür. Der vielversprechende Doppelgänger wurde nach seiner Entdeckung durch eine Agentur regelrecht ins kalte Wasser geworfen und hatte im Münchner "Club Admiral" vor 2800 Leuten seine Feuertaufe.

"Die wollten prüfen, ob ich bühnentauglich bin", erzählt Eckl, der sich damals an schulische Zeiten erinnert fühlte: "Ich war einer, der sich vor jedem Referat in die Hose gemacht hat." Schnell merkte der Ersatz-Star, der seit 14 Jahren Gitarre spielt, dass so eine Performance auf der Bühne gar nicht einfach ist, wenn sie perfekt sein soll. "Das Singen allein ist nicht das Problem", hat er festgestellt. Aber jedes Klopfen auf die Gitarre, das nicht exakt im richtigen Moment kommt, verärgert das Publikum. Auch Playback will gelernt sein. Doch offenbar reichte es beim ersten Mal. "Die Leute sind ausgerastet, wir mussten ganz schnell klarstellen, dass ich nicht der echte Ed Sheeran bin", erinnert sich Eckl. Noch in der gleichen Woche kamen zwei Aufträge rein, der Job mit Auftritten in Clubs, Discos bei Hochzeiten oder Geburtstagen wurde zum Selbstläufer.

Inzwischen hat der 27-Jährige über 180.000 Follower auf Instagram und auch die Schattenseiten eines Idols kennengelernt, beispielsweise als er sich in Paris bei "Starbucks" einen Kaffee bestellen wollte und für Ed Sheeran gehalten wurde. "Da waren plötzlich so viele Leute, die an meinem T-Shirt gezogen und mir fast die Haare ausgerissen haben", schildert er die Szene, "da kriegt man echt Panik". Anders als der echte Star sei er schließlich ohne Security unterwegs. In Hamburg prallte ein Mädchen mit den Rad voll gegen eine Laterne, als ihr der vermeintliche Star vom Autofenster aus zuwinkte. Und gar nicht wohl in seiner Haut fühlte sich der Schwandorfer, als er im "Moulin Rouge" auf Betreiben eines Freundes eingeschleust und mit Champagner bewirtet wurde. Gleich neben Justin Bieber sollte er dort im Gästebuch unterschreiben: "Das war der erste Tag, an dem mir das zu viel geworden ist."

Inzwischen hat sich Double Eckl an sein zweites Leben gewöhnt. "Es gibt Tage, da finde ich es cool, an anderen Tagen ist die Laune im Keller, aber da muss ich dann durch", hat er festgestellt. Immerhin, der Job zahlt sich aus: Vier Auftritte im Monat reichen für ein durchschnittliches Monatsgehalt. Doch wer den 27-Jährigen fragt, was denn sein Freundeskreis von dem Star-Rummel hält, sieht sich mit der Kehrseite des Ruhms konfrontiert. "Ich habe keine Freunde mehr", gesteht Eckl. "Meine Kumpel haben mich anfangs nur ausgelacht." Und bei den Leuten, die jetzt seine Nähe suchen, sei er sich nicht sicher, ob sie nur wegen der Bekanntheit seine Freunde sein wollen. Außerdem war er gerade im direkten Umfeld mit jeder Menge Anfeindungen konfrontiert – von bösartigen Kommentaren in den Sozialen Medien bis hin zu zerstochenen Autoreifen. Auch beim Stullner Faschingszug bekam er die Missgunst vieler zu spüren, die in ihm nur eine Fälschung sehen: "So viele ausgestreckte Mittelfinger wie dort habe ich noch nie gesehen", hat er resigniert festgestellt.

Mit dem richtigen Ed Sheeran dagegen hatte das Double bislang noch keinen Ärger. Ein Treffen mit dem Star ist ihm freilich nicht gelungen, da half weder eine offizielle Anfrage, noch der Trick mit dem ähnlichen Aussehen. "Näher als 50 Meter bin ich nicht rangekommen", räumt Eckl ein, dessen Lieblingssong "Bloodstream" ist, gleich nach "Gimme Love". Juristische Bedenken beim Job als Double hat er weitgehend ausgeräumt – "das scheint in Ordnung zu sein, solange ich nicht Sheerans Ruf schädige". Umgekehrt käme eine Klage sogar gelegen. In diesem Fall, so hat ihm ein Anwalt prophezeit, könne er sich noch viel besser verkaufen. Doch auch ohne diese zweifelhafte Publicity ist der 27-Jährige nach einem Jahr als Double überzeugt: "Ich glaub' da kommt noch 'was ganz Großes."

Es gibt Tage, da finde ich es cool, an anderen Tagen ist die Laune im Keller, aber da muss ich dann durch.

Nico Eckl über seine Auftritte als Double von Ed Sheeran

Nico Eckl über seine Auftritte als Double von Ed Sheeran

Autogrammstunde mit Sheeran-Double Nico Eckl in Wernberg. Vor allem Selfies mit dem Doppelgänger sind gefragt.
Auch im arabischen Raum sind die Auftritte des Doubles sehr gefragt.
Zusammen mit dem Inhaber der Pfreimder Disco "Downtown" Sepp Reichl präsentiert sich Ed-Sheeran-Double Nico Eckl im "Moulin Rouge" mit den Tänzerinnen vor der Kamera.
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