09.07.2021 - 20:49 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Anton Hofreiter in Schwandorf: Mehr Klassiker, weniger "Schmarrn"

Hoher Besuch bei Schwandorfs Grünen: Bundestagsfraktionschef Anton Hofreiter war gekommen. Ein Nachmittag voller grüner "Best-ofs" und verhaltenem Optimismus.

Anton Hofreiter (Zweiter von rechts) spazierte am Freitag mit Parteimitgliedern durch den Schwandorfer Stadtpark.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Es ist Freitag, später Nachmittag, im Stadtpark Schwandorf hat es gerade aufgehört zu regnen, immerhin. Knapp 20 mutmaßliche Grüne stehen vor dem Biergarten. Kalt ist es immer noch, und es zieht. Aber, so wird Anton Hofreiter, seines Zeichens Co-Vorsitzender der grünen Bundestagsfraktion, später sagen: „Wir müssen selbstbewusst sein.“ Es ist ein Satz, der sowohl zum Wetter als auch dem Wahlkampf passt - meine Lieben, nur nicht umfallen.

Die Grünen sind bundespolitisch in einer schwierigen Lage. Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, vor Wochen gestartet mit echten Hoffnungen aufs Kanzlerinnenamt und inzwischen in einem bemerkenswerten Umfrage-Absturz von fast 30 auf rund 20 Prozent gefallen, diskutiert momentan kaum Inhalte, rechtfertigt eher eigene Lebenslauf- und Plagiats-Pannen. Am Donnerstag startete Hofreiter in seinem Münchner Heimatwahlkreis in den Wahlkampf, am Freitag geht es in die Nordoberpfalz, genauer gesagt: den Schwandorfer Stadtpark.

Vorboten der Klimakrise?

Die Stimmung unter den Grünen vor Ort ist gelöst, vielleicht ist das überraschend, vielleicht liegt es am etwas besser gewordenen Wetter. Einer freut sich über die vielen jungen Leute – es ist tatsächlich rund ein Viertel der Anwesenden zumindest optisch im Grüne-Jugend-Alter. Die Begrüßungen sind entspannt, man kennt sich, den Rudi, die Uli, die Tina. Und den Toni. Dem liege als Münchner der ländliche Raum am Herzen, sagt Tina Winklmann, sie erntet herzhaftes Lachen. Winklmann ist Direktkandidatin der Grünen im Wahlkreis Schwandorf-Cham, sie will bald neben Hofreiter im Bundestag sitzen.

Verkehrspolitiker Hofreiter verknüpft gleich in der Begrüßung seine Kernthemen, er erzählt vom "apokalyptischen Regen" und "wunderbarsten Sonnenschein" während seiner Anfahrt. „Das“, sagt der 51-Jährige, „ist ein Vorbote der Klimakrise. Wir sind inzwischen in einer Region des unberechenbaren Wetters gelandet.“ Was das mit Verkehrspolitik zu tun habe? „Vieles“, sagt Hofreiter und zählt die grünen Klassiker auf: Es brauche die Mobilitätswende, Bahn und Bus müssten attraktiver werden, Innenstädte fahrradfreundlicher, auch und gerade auf dem Land müsse sich etwas tun. „Wir haben Großes vor. Die kommende Bundesregierung ist die, die noch handeln kann“, sagt Tina Winklmann, und es ist klar, dass diese bitteschön eine mit grüner Beteiligung sein soll. Das Publikum hängt beiden an den Lippen – Hofreiter kennt seine Fans.

Die jungen Mitglieder, über die zu Beginn so viel Freude herrschte, sind an diesem Freitagabend nach wie vor vorsichtig optimistisch – trotz der eingebrochenen Umfragewerte. „Die Stimmung ist gut“, erzählt eine junge Frau. „Annalena wird zwar angegriffen, aber das ist nichts inhaltliches.“ Die Aufgabe für die kommenden Monate sei es, für möglichst viele grüne Minister zu sorgen, das sehe doch ganz gut aus. „Wir sind einfach diese konservative Dauerregierung so leid.“ Klare Worte, die Kandidatin Winklmann ausdrücklich begrüßt: "Wo kämen wir hin, wenn unsere Jugend so altbacken wäre wie wir?" Sie selbst ist seit 16 Jahren im Geschäft. "Ich weiß noch, wie es ist, als einzige Grüne im Ort unterwegs zu sein."

"Es ist eine Kampagne"

Und Hofreiter? Der ist offensichtlich gekommen, um über Inhalte zu sprechen, Manöverkritik am Wahlkampf ist ihm zuwider. "Es ist eine Kampagne, die da gefahren wird", sagt er über die Vorwürfe gegen Baerbock. "Und die Wähler kotzt diese Art von Wahlkampf auch an." Er wolle lieber über die Zukunft der Mobilität reden, darüber, wie man es der Wirtschaft ermöglichen könne, zukunftsorientiert zu arbeiten – "nicht über so einen Schmarrn." Für viel mehr bleibt auch keine Zeit, Hofreiter will noch ein Video für den Instagram-Account der Grünen Jugend aufnehmen. Es wird eng – der Schwandorfer Regen ist zurück.

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Kümmersbruck

"Diese Art von Wahlkampf kotzt die Wähler an."

Anton Hofreiter

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