22.11.2020 - 10:34 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Vom Alkohol- in den Kaufrausch: Wegen 50-fachen Betrugs vor Gericht

Drei, vier Klicks, und die Ware kommt, bezahlt wird später. Der Online-Handel boomt. Aber auch Betrüger haben leichtes Spiel. Ein 43-Jähriger steht wegen 50 Fällen vor dem Schöffengericht.

Ein paar Klicks, und die Ware ist bestellt - bezahlt wird später. Oder nie: Der Online-Handel öffnet auch Betrügern Tür und Tor.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Ein vom Alkohol verkorkstes Leben: Dieses Bild bietet ein 43-Jähriger aus dem Landkreis, der sich am Mittwoch vor dem Schwandorfer Schöffengericht verantworten musste. Gleich in 50 Fällen hat er offenbar im Rausch mehrere Internethändler betrogen: Er hat Waren für über 8500 Euro bestellt und nicht bezahlt. Nicht zum ersten Mal.

Zwei Polizeibeamte brachten den Mann in den Gerichtssaal: Seit Anfang September ist er nach einem Urteil des Landgerichts Amberg in einer geschlossenen Entziehungsanstalt untergebracht. Sein Anwalt Mark Fischer stellte klar: Sein Mandant gestehe die Betrugsvorwürfe, die Staatsanwältin Sabrina Fischer fast eine halbe Stunde lang vorgelesen hatte.

Originalverpackt gehortet

Angelzubehör, Zelte, Bohrmaschinen, Schwingschleifer, Akkuschrauber, Werkzeug: Immer schubweise zwischen Juli 2018 und Mai 2019 bestellte der 43-Jährige 50 Mal bei verschiedenen Online-Händlern. Bezahlt hat er nie. Die Waren landeten bei dem Hartz-IV-Empfänger in einem Abstellraum – original verpackt und ungebraucht. Die meisten der ergaunerten Güter konnten zurückgegeben werden.

Obwohl von karger "Stütze" lebend, verkaufte der 43-Jährige offenbar nichts von den Waren, um seinen beträchtlichen Alkoholkonsum zu finanzieren. Eine knappe Kiste Bier am Tag sei sein Pensum gewesen, vor der Therapie, bestätigte der Angeklagte. Warum also der Betrug? Offenbar überkam den Mann im Alkohol- auch der Kaufrausch. Sogar eine Wärmebildkamera im Wert von über 1000 Euro ließ er sich schicken.

Maßregelvollzug

Schon als Jugendlicher war der Mann mit dem Gesetz in Konflikt geraten. 17 Straftaten reihen sich im Register aneinander, das Gefängnis kennt er hinreichend von innen. Auch auf Entzug hatte ihn ein Gericht bereits geschickt. Abschrecken konnte ihn das nicht: Kaum auf Bewährung draußen, folgten wieder Betrügereien, Alkoholfahrten, Körperverletzungen. Eine Bewährungsfrist durchgestanden hat er nie.

Im Juli schickte ihn das Landgericht Amberg – auch wegen Internetbetrugs – schließlich in eine geschlossene Entziehungsanstalt. Mindestens eineinhalb Jahre, hatte ein Gutachter vorausgesagt, werde die Alkoholtherapie dauern. "Die will ich jetzt durchstehen", sagte der 43-Jährige.

Das Schöffengericht verurteilte den Mann wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 50 Fällen zu zwei Jahren und drei Monaten Haft, außerdem werden gut 450 Euro vom Angeklagten eingezogen, die dem Schadenersatz dienen. Die Unterbringung im Maßregelvollzug einer geschlossenen Entziehungsanstalt wird fortgesetzt. Die Staatsanwältin hatte auf drei Monate mehr, der Verteidiger auf drei Monate weniger plädiert. Wenn der 43-Jährige die Therapie durchsteht – die auch länger dauern kann als 18 Monate – könnte er um eine Haft herumkommen. "Das ist wahrscheinlich Ihre letzte Chance", sagte Vorsitzender Richter Peter Jung. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

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"Das ist wahrscheinlich Ihre letzte Chance."

Peter Jung, Vorsitzender Richter des Schöffengerichts, zum Angeklagten

Peter Jung, Vorsitzender Richter des Schöffengerichts, zum Angeklagten

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