26.05.2020 - 09:50 Uhr
SchwandorfOberpfalz

1000 Euro für eine Frage nach dem Hirn

Die ganze Geschichte nimmt sich aus wie eine Art Provinzposse. Sie dreht sich um Beamtenbeleidigung und darum, ob man Ordnungshüter in ihrer Ehre herabwürdigt, wenn ihnen die Frage an den Kopf geschleudert wird "Habt's ihr koa Hirn?"

Einen Prozess wegen Beamtenbeleidigung stellte das Gericht gegen eine Geldauflage ein.
von Autor HOUProfil

Vor der Amtsrichterin Bücherl saß ein Mann, der von sich behaupten konnte, bisher rechtschaffen durch sein 66-jähriges Leben gegangen zu sein. Und nun das, fast schon ein Paukenschlag im tadellosen Vorankommen des Gastwirts: Plötzlich sollen da zwei Schwandorfer Polizisten von ihm beleidigt worden sein. Einer davon gar noch, mit dem das "Du", weil gleich nebenan wohnend, im Dialog üblich war. Die Richterin hielt Daten fest: Am 12. September 2019 um 9.20 Uhr erschienen ein Beauftragter des Landratsamtes, ein Kaminkehrer und zwei zivil gekleidete Polizeibeamte vor der Gastwirtschaft in einem Schwandorfer Stadtteil. Der Wirt, nicht dort wohnend, erfuhr über Telefon von der Anwesenheit der Amtsdelegation, setzte sich per Auto in Marsch und traf wenig später am Lokal ein. Nach eigenem Bekunden ziemlich erschrocken darüber, was denn die Staatsmacht zur morgendlichen Stunde von ihm wolle.

Der Staat wollte eigentlich nichts von dem Mann. Die angerückten Leute suchten nach dem Sohn des 66-Jährigen und fragten: "Wo ist der Josef?"(Name geändert). Josef ist der Sohn des Gastwirts, er wohnt in einem Nachbardorf und ließ wohl den Kaminkehrer nicht herein, als dieser zur Feuerstättenbeschau vorsprach. Daraufhin wandte sich der Schornsteinfeger an die Behörden und löste damit eine Visite amtlicher Art aus. Und die erfolgte mit Landratsamts- und Polizeibeteiligung.

Wo also war der Josef? Sein Vater offenbarte der bei ihm vorsprechenden Amtstruppe: "Ich weiß es nicht!" Zehn, fünfzehn, ja vielleicht auch zwanzig Mal sei er nach dem Sohn gefragt worden, berichtete der 66-Jährige der Richterin. Immer lauter sei die Debatte geworden. Dann soll der Mann von sich gegeben haben: "Habt's ihr koa Hirn". Nicht als Frage, so einer der Polizisten. Vielmehr als Ausdruck der Herabwürdigung. Der Gastwirt versicherte: "Ich habe keine Erinnerung daran". Doch wenn es schon so gewesen sei, täte es ihm leid.

Ein anderer Fall von Beamtenbeleidigung. Hier geht es zum Artikel.

Schwandorf

Die Geschichte bekam anschließend einen weiteren Schauplatz. Die Delegation, unterwegs mit der Absicht, eine Feuerstättenbeschau durchzusetzen, kreuzte anschließend vor Josefs Haus im Nachbardorf auf.Sie stand abermals vor verschlossener Tür und ließ sogar noch die Feuerwehr zum Zweck eine Portalaufbruchs anrücken. Vorher wurde allerdings noch durch Josefs Schwiegermutter, die hinzu kam und Schlüssel hatte, aufgesperrt. Auch der Gastwirt erschien und wurde schroff des Platzes verwiesen.

Das Ende im Beleidigungsprozess nahte nach eineinhalb Stunden. "So heftig war das nun auch wieder nicht", befand die Richterin und ergänzte, sie habe schon viel schlimmere Schmährufe zu verhandeln gehabt. Sie schlug eine Verfahrenseinstellung gegen 1000 Euro Geldauflage vor.

Der 66-Jährige akzeptierte das. Er verband es mit dem Bemerken, er sei laut geworden, weil man ihn heftig in die Mangel genommen und genervt habe - morgens um neun, als plötzlich die Welt nicht mehr in Ordnung und der Josef nicht erreichbar war.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.