Kräuterpädagogin Thekla Binder präsentiert ihre September-Vitaminbomben

Thekla Binder liebt den Herbst. Denn jetzt kann die Kräuterpädagogin aus dem Vollen schöpfen. Hagebutte, Brombeere und Kapuzinerkresse sind aktuell ihre Stars, wenn es um Dekoration, Kulinarik und Gesundheit geht.

Kräuterpädagogin Thekla Binder lässt die Kapuzinerkresse aus dem Hochbeet quellen.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Thekla Binder aus dem Ortsteil Schönthan ist fasziniert von der dekorativen Kräuterkunde. Und so wie früher ihre Oma, wollte sie mehr über die Naturheilkunde wissen. 2013 hat sie nach einem einjährigen Lehrgang an der Landvolkhochschule Niederalteich das Zertifikat "Kräuterpädagogin" erhalten. Für einen Pressetermin mit der Oberpfalz-Medien-Redaktion nimmt sich die Schönthanerin gerne Zeit.

Da die Vielfalt in Garten und Flur im Herbst nahezu überquillt, einigen wir uns auf die drei gesunden September-Stars Hagebutte, Brombeere und Kapuzinerkresse. Alle drei gelten als schmackhafte Heilpflanzen. Brombeere und Hagebutte werden sogar als "Anti-Aging-Obst" bezeichnet, da sie mit ihrem hohen Vitamin-E-Anteil freie Radikale unschädlich machen. Vorm Anwesen fällt die lange Apfelrosen-Hecke mit ihren knallig roten Hagebutten auf. "Diese haben wir 1980 anstelle eines Zaunes gepflanzt", erklärt die Hausherrin. Jetzt freut sie sich im Sommer über die Blüten und im Herbst über die Früchte. Im Winter sind dann die Vögel dran, welche die Hecke bis zum Frühjahr komplett "leerputzen".

Alle zwei Tage wird gesammelt

Prall und saftig hängen die Brombeeren von August bis Oktober in den Sträuchern und warten darauf, gepflückt zu werden. Die blauschwarzen Früchte hängen aber nur am zweijährigen Holz. An der alten Scheune, gegenüber des Wohnhauses, schlingen sich die Ruten empor. "Ich pflücke jeden zweiten Tag, denn die Brombeeren reifen sehr unregelmäßig", berichtet Thekla Binder. Die waagrecht rankenden neuen Triebe bindet sie im Frühjahr hoch; die alten werden abgeschnitten. Der Blick fällt auf den Holunderbusch, der schon fast abgeerntet ist: "Alle dunklen Beeren sind gesund. Sie räumen im Körper auf."

Im Nutzgarten gibt es mehrere Kräuterbeete, die über den Winter nicht zurückschnitten werden. Daneben räkeln sich knallig-orange Kürbisse im Beet. Daraus kocht sie eine Suppe, welche sie mit Blüten der Kapuzinerkresse dekoriert, die sich im Herbst auch im Hochbeet ausbreiten darf. Wie sie später noch berichtet, sind auch die Blätter und Früchte der Schlingpflanze in der Küche verwendbar.

Gesundes bis Hochprozentiges

Aus den gesammelten Schätzen hat Thekla Binder für den Pressetermin etliches vor- und zubereitet. Am Esszimmertisch präsentiert sie Dekoratives, Gesundes, Salziges, Süßes und Hochprozentiges. Neben den Kostproben liefert sie Erläuterungen bezüglich der Verwendung in der Küche sowie für medizinische Zwecke oder auch als Dekoration.

  • Hagebutte:
    Die Heckenrose (Rosa Canina) wird oft auch als Apfelrose und Hundsrose bezeichnet. Deren Frucht, die Hagebutten sind reif, wenn ihre Farbe leuchtet und sie noch relativ hart sind. "Ich sammle sie sehr gerne, weil sie einen sehr hohen Gehalt an Vitamin-C haben", sagt Thekla Binder und zählt weitere Inhaltsstoffe auf: Vitamin A, B1, B2, Mineralstoffe, Flavonoide und Gerbstoffe. "Diese sind wichtig zur Vorbeugung von Erkältungs- und Infektionskrankheiten." Die Hagebutte helfe aber auch bei Zahnfleischbluten und verbessere die Sauerstoffversorgung der Körperzellen. "Sie bietet einen Schutz vor freien Radikalen und war schon im Mittelalter als Heilmittel bekannt", betont die Fachfrau.
    Sie befreit die Früchte von Stielen und Blüte und kocht daraus Marmelade, setzt einen Sirup gegen Husten an und bereitet einen "Kerndl-Tee" zu. Dafür kocht sie die Kerne kurz im heißen Wasser mit und lässt den Tee zehn Minuten ziehen. "Der wirkt leicht entwässernd und ist damit gut für die Blase", lautet ihre Empfehlung. Hagebuttenpulver (gibt es in der Apotheke) soll gegen Arthrose helfen und das Hagebutten-Hautöl fördere die Wundheilung. Beliebt bei der Familie ist das Hagebutten-Schichtdessert (Rezept siehe Kasten). Thekla Binder schätzt die Heckenpflanze auch aufgrund ihrer vielseitigen Verwendung für dekorative Zwecke, egal ob als Kranz oder in der Vase.
  • Brombeere:
    Die schwarzen Beeren sind gesund und kalorienarm: 100 Gramm haben nur 44 Kilokalorien. Sie sind reich an Ballaststoffen, welche die Darmflora und das Immunsystem unterstützen. Brombeeren (Rubus) sind kleine Vitaminbomben: Ihr Vitamin-C-Gehalt ist höher als der von Äpfeln. So bereitet Thekla Binder ihren Brombeerblättertee zu: Frische oder getrocknete Blätter (ein Teelöffel voll) mit einer Tasse siedenden Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen.
    Am meisten schätzt sie jedoch die dunkle Marmelade. Das Rezept: Die gleiche Menge Brombeeren und Aroniabeeren mit Gelierzucker (2:1) über Nacht ziehen lassen und am nächsten Tag mit einer Prise Salz und etwas Zitronensaft einkochen. Wenn Freunde und Bekannte im Hause Binder vorbeischauen, dann steht meist auch der "Haus-Schnaps", ein selbst angesetzter Brombeer-Likör, auf dem Tisch (Rezept siehe Kasten). Natürlich kann man die Früchte auch frisch verzehren, sie schmecken mit Eis und Sahne und auch auf dem Kuchen.
  • Kapuzinerkresse:
    Sowohl die Blüten als auch die Blätter und Knospen der Kapuzinerkresse sind essbar. "Der Geschmack ist intensiv und pfeffrig", sagt Thekla Binder. Der Grund für die Schärfe sei das Senföl-Glykosid. Das Kreuzblütlergewächs wird als Heilkraut verwendet (grippale Infekte, Harnwegsinfekten, Muskelschmerzen) und dabei gut zerkleinert oder gekaut: Die gesundheitsfördernden und antibakteriellen Senf-Öle werden erst durch das Zerkleinern freigesetzt. Das Rezept für eine Tinktur: 100 Gramm frische Blätter und Blüten mit Alkohol (40 Prozent) und einem zwei Zentimeter langen Meerrettich-Stück zwei Wochen ziehen lassen und abfiltern. "Davon täglich 3 mal 20 Tropfen einnehmen", so der Tipp der Kräuterpädagogin. In der Küche verwendet sie die Kapuzinerkresse gerne als Gewürzkraut an Salaten, im Frischkäse und Quark. Schmackhaft und dekorativ zur Brotzeit ist die Kapuzinerkresse-Butter, die im Nu zubereitet ist (siehe Kasten).

Thekla Binder ist fasziniert vom Duftveilchen

Rund um Heilkräuter im Kreislehrgarten in Floß

Floss
Hintergrund:

Schnell zubereitet: Dessert, Likör und Kräuterbutter

  • Kapuzinerkresse-Butter mit 250 g Butter und einer Handvoll frischer Kapuzinerkresse (Blätter, Blüten). Herstellung: Die weiche Butter schaumig rühren und eine gepresste Knoblauchzehe sowie Salz dazugeben. Die klein geschnittenen Pflanzenteile mit dem Butter vermischen und im Kühlschrank erstarren lassen.
  • Hagebutten-Schichtdessert. Zutaten: 1/2 kg Hagebutten, 1/2 Liter Wasser oder Apfelsaft, 3 Esslöffel Honig, 1/2 Liter Sahne (alternativ: 1/4 l Sahne, 200 g Quark, 3 EL Milch), Rosenblütenzucker. Die geputzten Hagebutten in Apfelsaft/Wasser weichkochen und fein passieren. Das fertige Hagebuttenmark mit Honig süßen und gut durchrühren. Die Sahne steif schlagen (alternativ den Quark mit Milch glatt rühren, falls gewünscht süßen und die geschlagene Sahne unterheben). Nun abwechselnd die Sahnecreme und das Hagebuttenmark in kleine Gläser füllen und mit Rosenblätterzucker bestreuen.
  • Brombeer-Likör: Das verschließbare Ansetzglas mit 1/3 Brombeeren und 2/3 klaren Schnaps (Korn oder Wodka 40 Prozent) und weißen Kandiszucker (circa 150 Gramm auf 1 Liter Schnaps, kann während des Ansetzens nachgegeben werden) füllen. Die Früchte müssen mit der Flüssigkeit bedeckt sein. Zwei Monate in den dunklen Keller stellen und ab und zu schütteln.

"Alle dunklen Beeren sind gesund. Sie räumen im Körper auf."

Kräuterpädagogin Thekla Binder

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.