26.05.2021 - 16:44 Uhr
SchönseeOberpfalz

Künstlerische Denkanstöße aus dem Schönseer Land

Jürgen Huber war im Lockdown fleißig. Der Neu-Schönseer hat 66 Arbeiten des Zyklus "Lise, die die Welt retten soll" geschaffen. Ein Buch ist auch entstanden. Damit ist er zufrieden, zufriedenstellend ist es für den Künstler nicht.

Jürgen Huber erklärt sehr anschaulich seine künstlerische Arbeitsweise.
von Irma Held Kontakt Profil

Jürgen Huber ist Künstler und seit dem Lockdown von der Öffentlichkeit abgeschnitten. Wie viele andere giert er nach Publikum, nicht aus persönlicher Eitelkeit, sondern um einen Diskurs, Erörterungen, Meinungsbildung anzustoßen. In seinem Esszimmer im Zentrum von Schönsee zeigt er auf eines seiner Bilder, um zu verdeutlichen worum es ihm geht. "Die Farbe, die ich auf dem Bild habe, die macht was mit uns." Das sollen die Leute empfinden und auch darüber reden.

Zu öffentlichen Debatten beitragen soll der Zyklus "Lise soll am besten gleich die ganze Welt retten". 66 Collagen sind dazu entstanden. Nach seiner Zeit als Regensburger Bürgermeister habe er eine "Sehnsucht nach einer anderen Art der Tätigkeit verspürt". Auf die Idee mit der Bildergeschichte habe ihn letztendlich ein Bekannter gebracht, der ihm geraten habe, Memoiren zu schreiben. Doch der pensionierte Grünen-Politiker hält sich als Erinnerungsschreiber für zu wenig wichtig. Außerdem will er nicht zurück, sondern lieber nach vorne schauen.

Keine neue Front

Eines stellt er klar, auch wenn "seine" Lise mit Robin die Welt retten will, eine Greta Thunberg ist sie nicht, auch kein künstlerischer Abklatsch. Er grenzt Lise ganz bewusst von der Schwedin ab. "Die Botschaft muss positiv sein. Man darf den Leuten keine Angst machen." Natürliche werden kritische Blicke offenbar, aber: "Ich wollte keine neue Front aufmachen. Im Krieg gibt es keine Sieger." Und die potenziellen Weltretter, Lise und Robin, sind auch nicht die Helden eines illustrierten Kinderbuches.

Bei Jürgen Huber verhält es sich genau umgekehrt. Zuerst sind die Bilder da und danach geben diese den Text vor. "Es gibt auch Bilder ohne Text." Eines soll die "Weltrettung" keinesfalls sein: eine Bedienungsanleitung. "Die Bilder sind wie Gleise in einer Landschaft. Die Landschaft sehen wir, die Gleise führen uns durch." 24 Arbeiten aus dem Lise-Zyklus waren bereits in einen "Schaufenster" im alten Badehaus in Maiersreuth (Bad Neualbenreuth) ausgestellt.

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Schönsee

Für das Gesamtwerk ist ein Qualitätsdurchgang geplant. Zwei Bilder-Lektoren-Gruppen werden sich die Werke ganz genau anschauen, die Serie verdichten, aussageschwache Arbeiten aussortieren. Jürgen Huber macht sich derweil auf die Suche nach Unterstützern, sprich Geldgebern, für die Druckausgabe.

Kunst braucht Öffentlichkeit

Gedruckt vor Jürgen Huber auf dem Tisch liegt ein Band mit Gedichten von Kevin Coyne und Zeichnungen von Kevin Coyne und Jürgen Huber, "Die Gedichte zwischen den Zeilen", herausgegeben von Gisela Bender und dem früheren Kulturressortleiter des NT Stefan Voit. Diesbezüglich hadert Jürgen Huber mit Corona, "weil die Kultur in Gänze daran glauben musste". Eine Lesung zum Beispiel sei für kleine Kulturschaffende und für diesen Band wichtig. Kunst brauche ein Zusammentreffen mit dem Auge und den Gefühlen von Menschen.

Jürgen Huber genügte und genügt die Kunst allein nicht. Er war immer kulturpolitisch engagiert und kann es auch jetzt nicht lassen. Er ist im Badehaus Maiersreuth aktiv, einem von Susanne Neumann initiierten Kunstverein, dem auch die ehemalige Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses, Andrea Lamest, angehört. Einbringen will er sich an seinem neuen Lebensmittelpunkt im CeBB, explizit im Vorstand von Bavaria Bohemia. "Das Selbstbewusstsein der Oberpfälzer darf aufpoliert werden", ist nur eines seiner Motive. Als Polierer des Oberpfälzer Selbstbewusstseins und des Schönseers im Besonderen gilt für ihn Hans Eibauer, der frühere Bürgermeister, als Vorbild.

Mehr zum Badehaus Maiersreuth

Maiersreuth bei Bad Neualbenreuth
Ein Motiv aus dem Bilderzyklus "Lise, die die Welt retten soll"
Die Erwachsenen müssen etwas lernen und gucken recht bedröppelt drein.
Jürgen Huber mit einem weiteren Werk aus der Bilderserie
Hintergrund:

Jürgen Huber

  • Geboren 1954 in Altenstadt/Waldnaab
  • Buchdruckerlehre und Gründung eines Verlags
  • Ausstellungen im In- und Ausland sowie Studienaufenthalte
  • Stadtrat in Regensburg ab 2008
  • Dritter Bürgermeister in Regensburg von 2014 bis 2020
  • Rückzug aus der Politik und Umzug nach Schönsee im Sommer 2020

 

 

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