12.08.2020 - 14:49 Uhr
SchönseeOberpfalz

Jugend- und Musikclub Schönsee steckt viel Herzblut in neue Bühne

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Mit Volldampf arbeiten die Mitglieder des Schönseer Jugend- und Musikclubs an ihrem neuen Konzertplatz am Sandgrubenweg. Bandhaus und Bühne stehen schon im Rohbau, innen wird das Gebäude "smart".

Das neue Domizil des Jugend- und Musikclubs Schönsee am Sandgrubenweg: Die 80 Quadratmeter große Bühne (links) und das Gebäude (rechts) bilden auf einer Grundfläche von insgesamt 150 Quadratmetern eine Einheit. Dazu wurde das Pultdach bis über die Bühne gezogen. Mit dem Neubau soll das JMC-Gelände zu einer offenen Begegnungsstätte werden.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Newcomer-Festival, Rockbrücke und Open-Air am alten Schießplatz: Seit 1992 gibt es den Jugend- und Musikclub in Schönsee. Seither wurden namhafte Bands in die Grenzstadt geholt und jungen Musikern Auftrittsmöglichkeiten verschafft. Mittlerweile sieht sich der Verein mit seinen rund 90 Mitgliedern nicht mehr nur als Veranstalter von Musik- und Kulturfestivals, sondern auch als Anlaufstelle für die Freizeitgestaltung der Jugendlichen.

Im Außenbereich hat in den letzten Tagen ein Teil des freiwilligen Bautrupps die Drainage und die Abwasserrohre für das Dachrinnenwasser vorbereitet und verlegt.

Als der JMC 1991 mit seiner Arbeit begann, war der dauerhafte Erfolg noch keineswegs vorprogrammiert: Gerade mal an die 20 junge Männer waren es, die sich mit der Idee beschäftigten, eine Open-Air-Veranstaltung zu organisieren. Als die Sache nicht so recht ins Laufen kommen wollte, spornte Bürgermeister Hans Eibauer die junge Mannschaft an; er half bei den bürokratischen Anfangshürden und auf seinen Rat hin wurde im März 1992 der eingetragene Verein mit 40 Mitgliedern gegründet. „Die Förderung des Musiklebens, der Jugendarbeit und die sinnvolle Freizeitgestaltung“ stehen in der Satzung des JMC.

Der Ausbau des Bandhauses läuft: Am vergangenen Wochenende wurden die Innenräume für das Verputzen vorbereitet.

Auf der Suche nach einem geeigneten Gelände stießen sie auf den „alten Schießplatz“, der in den 50er Jahren vom Zoll, danach von den Jägern und schließlich vom Schützenverein genutzt wurde. Und bei diesem Schützenverein war der Verein während seines ersten Open-Airs im Juli 1992, nur wenige Monate nach der Vereinsgründung, noch zu Gast. Eine Veranstaltung, die Martin Spörl (damals 22 Jahre alt) und zwei Mitstreiter privat finanziert hatten und die noch auf einer abbaubaren, nur verschraubten Bühne stattfand.

Bausubstanz litt

Knapp 30 Jahre später wird das Areal noch immer für kulturelle Zwecke genutzt. Musikveranstaltungen mit Bands aus Tschechien stehen fest im Programm, zudem ist der Platz ein idealer Ort, den Jugendliche für verschiedenste Treffs nutzen könnten. Im Lauf der Jahre litt jedoch die Bausubstanz.

Aus Sicherheitsgründen musste die Holzhütte (Baujahr 1950) am alten Schießplatz schon im Sommer 2016 weichen. „Es gab keinen Wasseranschluss und die Bauweise glich eher einer Scheune als einem Versammlungsraum“, berichtet Spörl. Auch die Bühne konnte autark nicht weiter bestehen. Die Überdachung bestand aus alten Telefonmasten, eingedeckt mit einer Plane, die jeweils im Herbst wieder abgebaut werden musste. Die selbstgebaute Dachkonstruktion hätte den Schneemassen im Winter nicht stand gehalten.

Mitte 2019, nach einem größtenteils erfolglosen, dreijährigen Gesprächsmarathon mit Förderinstitutionen und einem einjährigen Hin und Her mit den zuständigen Stellen für das Bauvorhaben, lag schließlich der genehmigte Antrag für einen Neubau des Bandhauses und einer Bühne in Steinbauweise am Tisch. Nahezu umgehend gingen die Bauarbeiten in Eigenregie los. „Wir machen alles selber“, macht Spörl deutlich und freut sich, dass nahezu die Hälfte der eingeschrieben Vereinsmitglieder schon auf der Baustelle waren und angepackt haben.

Martin Spörl, der ehrenamtliche "Bauleiter" des Neubaus und langjähriger Vorsitzender des Jugend- und Musikclubs in Schönsee.

Die 80 Quadratmeter große Bühne und das Gebäude bilden auf einer Grundfläche von insgesamt 150 Quadratmetern – getrennt durch ein fünf Meter breites Tor – eine Einheit. Dafür wird das Pultdach bis über die Bühne gezogen. Mit dem Neubau soll das JMC-Gelände zu einer offenen Begegnungsstätte werden.

Die Ausführung erfolgt allerdings in „abgespeckter“ Variante. „In der Hoffnung auf ein Förderprogramm sind wir voll Euphorie rangegangen und haben in die Vollen geplant“, blickt Martin Spörl zurück. Nachdem aber klar war, „es gibt derzeit kein passendes Programm“, wurden die Wünsche und die Bausumme von 200 000 Euro auf 55 000 Euro zurückgefahren.

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Schönsee

Die „wetterresistente Crew“ hat bereits Mitte Dezember 2019 den Dachstuhl erfolgreich gehoben. „In rekordverdächtigen drei Stunden war das Hebfeierbäumchen am First angebracht und der Richtspruch gesprochen“, heißt es im Bautagebuch, das man auf der Facebook-Seite des Vereins nachlesen kann. Am vergangenen Wochenende wurden die Innenräume für das Verputzen vorbereitet: Eckleisten, Anputzleisten, Kabelkanäle, der Schaltschrank für die Smart-Home-Steuerung, alles ist drin. „Das Gebäude wird auch wintertauglich,“ kündigt Spörl an und spricht von einer Fußbodenheizung, die installiert wird, und einer „reversiblen Wärmepumpe“ zum Heizen und Kühlen.

Im Außenbereich hat der andere Teil der Crew die Drainage und die Abwasserrohre für das Dachrinnenwasser vorbereitet und verlegt. Mit der neuen Stahlbeton- und Pflasterbauweise in Verbindung mit einer stabilen, ganzjährig nutzbaren Dachkonstruktion „muss sich in den nächsten Jahrzehnten keiner mehr Gedanken um Restaurationsarbeiten machen“, freut sich der Verein.

Auch "Indoor-Veranstaltungen"

In Benutzung genommen werden soll der Neubau im nächsten Jahr. Dann wird es nicht nur Konzerte geben, sondern auch „Indoor-Veranstaltungen“ im neuen Gebäude, sprich Vorträge oder ähnliches, kündigt Martin Spörl an; er war fast sein halbes Leben Vorsitzender des Jugend- und Musikclubs. „Da hängt mein Herzblut drin“, versichert Spörl, der als ausgebildeter Heizungstechniker quasi den Bauaufseher des Vereinsprojekts macht.

Hintergrund:

Hintergrund

Mit zahllosen Konzerten auf seinem Veranstaltungsplatz am Sandgrubenweg hat der Schönseer Jugend- und Musikclub in den vergangenen 28 Jahren die Rock-Szene im östlichen Landkreis bereichert. Zu den sogenannten Newcomer-Festivals, die es ab 1996 gab, kamen bis zu 400 Zuhörer, um die jungen Bands aus der Region kennen zu lernen. Bei den jährlichen, großen Open-Air-Konzerten gaben sich hingegen renommierte Gruppen die Klinke in die Hand, etwa Birth Control, Fiddlers Green und Sacco & Mancetti. Dazu kamen bis zu 1000 Fans angereist.

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