06.07.2020 - 15:43 Uhr
SchönseeOberpfalz

Corona lässt Schönseer Sänger schweigen

Für die Männer des Gesang- und Orchestervereins Schönsee ist der Donnerstagabend eigentlich für die Singprobe reserviert. Doch wegen Corona schweigen die Stimmen. Das Sommerkonzert – es wäre das vierzigste gewesen – ist auf 2021 verschoben.

Unterhaltsames Beisammensein nach einer Singstunde in den 1950er Jahren. Mit auf dem Bild unter anderem Vereinswirt und Brauereibesitzer Hans Haberl (Dritter von links), Hanny Haberl, Ludwig Müller und Eugen Seidl (vorne, von links), sowie Konrad Scharnagl (Zweiter von rechts).
von Ludwig HöcherlProfil

Bei einer Faschingsfeier in den 1970er Jahren wählten die Mitglieder des Gesang- und Orchestersvereins "Alle Pfinsta wieda" sogar als Motto, um die Bedeutung der gemeinsamen Stunden zu unterstreichen. Seit Jahrzehnten ist es fix, dass an diesem Wochentag im Vereinslokal Haberl die Singstunde stattfindet. Doch seit Mitte März ist das sangesfreudige Ensemble wegen der Einschränkungen in der Zeit der Corona-Pandemie verstummt, und das gesellige Vereinsleben ruht ebenfalls.

Das vierzigsten Mal hätte der Chor heuer am 18. Juli sein Chorkonzert präsentiert – mittlerweile hat Vorsitzender und Dirigent Andreas Wirnshofer diesen Höhepunkt im Vereinsjahr abgesagt. "Seit Mitte März haben wir nicht proben können", verdeutlicht er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Auch ein Mitwirken bei den Kurkonzerten falle damit flach. Chorproben unter Einhaltung des Mindestabstands, wie sie seit kurzem möglich sind, seien "nicht zielführend" sagt Wirnshofer. "Das geht vielleicht bei Solisten, aber wir als Ensemble müssen uns gegenseitig hören."

Die weiteren Mitwirkenden beim Chorkonzert – darunter beispielsweise der Männerchor und der gemischte Chor aus Parkstein – seien über die Absage informiert worden. Beide Ensembles haben laut Wirnshofer bereits zugesichert, bei der Neuauflage 2021 ebenso wieder mit im Boot zu sein.

Bericht über den 46. Auftritt des Gesangvereins beim Christkindlesmarkt in Nürnberg

Schönsee

Die Annalen des Vereins halten jede Menge Stoff zum Lesen bereit. Immerhin zählt diese Chorgemeinschaft schon 96 Jahre und so kann 2024 das hundertjährige Bestehen gefeiert werden. "Der Gesang- und Orchesterverein Schönsee geht auf den 1924 gegründeten Männergesangverein zurück, der seinerseits die Fortsetzung des Schönseer Musikvereins bildet” schreibt Teresa Guggenmoos in der 1981 erschienenen Chronik der Stadt. Der Männergesangverein hatte erstmals 1927 einen öffentlichen Auftritt und nannte sich dann ein Jahr später Gesang- und Orchesterverein, da ergänzend auch Instrumentalmusik betrieben wurde.

Zwischen 1933 und '45 ruhte das Vereinsleben. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft nahm Dirigent Ludwig Müller 1948 die Probenarbeit mit sieben Männern wieder auf. Ein Jahr später wurde Lehrer Hanny Haberl zum Vorsitzenden gewählt, der nach der Weihe einer eigenen Standarte 1955 den Dirigentenstab übernahm; Eugen Seidl übernahm den Vorsitz. Nach Haberls Tod im Januar 1969 sprang übergangsweise der in Schönsee wohnende Studienrat Alto Hien als Dirigent ein.

1971 sorgte Rektor Stephan Klingl als Stabführer für einen neuen Aufschwung innerhalb der Sängergilde. 1975 wählten die Sänger Konrad Scharnagl, der im gleichen Jahr als Festleiter beim 50-jährigen Bestehen fungierte, zum Vorsitzenden. Zwei Jahre später stand Andreas Wirnshofer am Dirigentenpult. 1980 übernahm Hubert Reimer den Vereinsvorsitz, seit 2005 ist Andreas Wirnshofer Dirigent und Vorsitzender in Personalunion.

Das geht vielleicht bei Solisten, aber wir als Ensemble müssen uns gegenseitig hören.

Dirigent Andreas Wirnshofer erklärt, wieso Chorproben auf Abstand für ihn nicht zielführend sind.

Bereits Teresa Guggenmoos erwähnt in ihrer Chronik vor fast 40 Jahren, dass sich "der Gesang- und Orchesterverein Schönsee weit über die Grenzen der Stadt hinaus einen Namen durch die wiederholte Aufführung der Waldlermesse beim Christkindlesmarkt in Nürnberg machte". Und nach wie vor treten die Sänger in der Frankenmetropole jeweils am dritten Adventsonntag in der Frauenkirche am Hauptmarkt auf. Die Begeisterung des Publikums veranlasste 2006 die Vereinsführung, darüber eine eigene Musikkassette herauszubringen.

Auch mit der Teilnahme an verschiedenen Chorkonzerten schufen sich die Sänger ein gewisses Renommee als musikalischer Botschafter Schönsees. Eine besondere Verbindung gibt es seit 1977 zum Männergesangverein Bodenwöhr, seit 1989 besteht eine Sängerfreundschaft mit dem Chor aus Sosa im Erzgebirgskreis. Auf gesellschaftlicher Ebene setzte der Verein ebenfalls Zeichen: Beispielsweise standen bis zur Jahrtausendwende fast 30 Jahre in der Faschingszeit abendfüllende Veranstaltungen mit Büttenreden im Programm.

Der Männerchor beim eigenen Chorkonzert im Juli vergangenen Jahres in der Aula der Schule.
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