26.07.2019 - 14:29 Uhr
SchönseeOberpfalz

Blechsegel für das Zeitweilige

Ein Segel aus Blech setzt im aufgelassenen Ort Bügellohe ein Zeichen. Das Kunstobjekt ist Teil des Land-Art-Projektes "Verbinden und zusammenwachsen - von Land zu Land". Benedict Tolar erklärt seien Ansatz.

Kein Provisorium aber Symbol dessen: Benedict Tolar weist mit seiner Installation vor der Hüttl-Ruine auf Vorübergehendes hin.
von Irma Held Kontakt Profil

Der Kunstdozent an der westböhmischen Universität Pilsen spürt der besonderen Aura dieses Ortes nach. Bügellohe wurde von 1946 bis 1969 von Vertriebenen hauptsächlich aus dem völlig geschleiften Wenzelsdorf, bewohnt. "Der Raum ist stark an sich", sagt Benedict Tolar bei der Vernissage dieses von der EU geförderten und mit Unterstützung der Stadt Schönsee, des Cebb und der Galerie Klenova in Klatovy geförderten Projektes.

Das große Blechstück, das vom Dach einer Ruine gefallen sei, habe sich förmlich als Material aufgedrängt. Schon von der ersten Idee an, sei es ihm darum gegangen vor dem verfallenen Hüttl-Haus, etwas zu schaffen, das das Provisorische wiederspiegle, wie auch Bügellohe ein Provisorium, eine Durchgangsstation gewesen sei. Seine ursprüngliche Idee eines Warteraumes mit dem Fundstück als Dach habe er nach zwei 3-D-Modellen aufgegeben. Er sei damit nicht zufrieden gewesen. Stattdessen sei der Gedanke, ein Segel als Ausdruck des Vorüberziehenden vor der Ruine zu setzen, immer mehr gereift. Ein Schiff habe auch etwas Zeitweiliges. Es werde durch die Welt getrieben. Eine Zeitlang habe es in Bügellohe angehalten, fasst der Kunstdozent seine grundlegenden Gedanken in Worte.

Wanderung zur Kunst

Zehn Tage zeltet Benedict Tolar mit den beiden Studenten Jakub Cúzy und Josef Barták an Ort und Stelle um das Kunstwerk zu installieren. Rund 70 Leute machen sich, angeführt von Franz Kalz, auf zu einer Wanderung vom Parkplatz an der Staatsstraße 2159 zwischen Dietersdorf und Stadlern um im vier Kilometer entfernten Bügellohe der Vernissage beizuwohnen. Mit dabei der Besitzer des Hüttl-Hauses Heinz Hüttl aus Rott am Inn, die Spitze des Vereins Bavaria Bohemia, der frühere Schönseer Bürgermeister Hans Eibauer und David Veres vom Cebb. Als Einstimmung auf die Vorstellung des Kunstwerks säumten Holzskulpturen des Schönseer Künstlers Herbert Sturm den Weg.

Versöhnen statt anklagen

Vor dem noch als einziges übriggebliebenen Fleichhacker-Haus empfängt Bürgermeisterin Birgit Höcherl, auch Vorsitzende des Paschervereins, die Gäste: "Ich sage so gut wie nichts, weil alles in der Szene gesagt wird." Gemeint ist eine Szene aus dem Pascherspiel. Und tatsächlich, angelehnt an die Lebenserinnerungen der 2011 verstorbenen Maria Wachter, lässt Maria Hammerer die Vergangenheit wieder aufleben, allerdings nicht um anzuklagen. Maria Wachter alias Maria Hammerer erzählt eine gemeinsame Geschichte von Bauern und Böhmen, die sich auf der höchsten Erhebung des Landkreises, auf dem Grenzkamm zugetragen habe, denn Deutsche und Tschechen seien untrennbar miteinander verbunden. Die Bügellohe sei ein Ort des Aufbruchs in eine friedliche Zukunft.

"Versöhnt auch mit eurer eigenen Geschichte", lautet ihr Schlussappell. Genau dem ist auch das von der EU-geförderte Projekt "Verbinden und Zusammenwachsen" geschuldet. Das Segel ist im Grunde so etwas wie ein Mahnmal - im positiven Sinne. Es lehnt sich an das Hüttl-Haus an, überragt es und hinterlässt den Eindruck als wolle es mit der Steinruine fort segeln, so wie die Bewohner der Bügellohe fort gesegelt und in alle Winde verstreut sind.

Nach den Worten von David Veres wird eine zweisprachige Tafel die Installation erläutern. Wer die Ausstrahlung dieses Ortes aufsaugen will, muss auf jeden Fall einen Fußmarsch in Kauf nehmen. Tschechen tun dies öfters als Deutsche. Diese Erfahrung hat zumindest Heinz Hüttl gemacht.

Die etwa 70 Vernissage-Gäste aus Deutschland und Tschechien hören von Maria Hammerer eine Szene aus dem Pascherspiel.
Skulpturen von Herbert Sturm säumen den Weg zur Bügellohe.
Alfons Margraf sorgt für die passende Musik.

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