03.12.2020 - 18:03 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

In Schnaittenbach: Weihnachtsmarkt geht auch im Auto

Ein Drive-in-Weihnachtsmarkt in Landshut hat Erich Biller so begeistert, dass der Schnaittenbacher in seiner Heimatstadt jetzt Ähnliches organisiert. Auf seinem Markt bekommt man sogar ein Silvester-Menü ins Auto serviert.

Fa. Biller veranstaltet in Schnaittenbach einen Drive In Weihnachtsmarkt.
von Heike Unger Kontakt Profil

Es ist kein klassischer Weihnachtsmarkt, den Erich Biller aus Schnaittenbach gerade ziemlich spontan auf die Beine stellt: Man kann hier wegen der Corona-Vorschriften nicht durchspazieren, sondern fährt mit dem Auto (Drive-in) über den Schnaittenbacher Festplatz. Und bekommt hier auf Wunsch auch Hirschgulasch oder Karpfen für Silvester. Nachdem er von dem Drive-in-Weihnachtsmarkt gehört hatte, den ein Gastronom in Landshut auf die Beine gestellt hat, fragte Biller sofort bei Bürgermeister Marcus Eichenmüller nach: Wäre in Schnaittenbach auch so etwas möglich? "Der Bürgermeister war total begeistert", freut sich Erich Biller – und hat sofort mit dem Organisieren angefangen.

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Sechsstellige Umsatzeinbußen

Guteneck, Abensberg, Linz oder das Tollwood-Winterfestival in München: Normalerweise wäre Erich Biller mit seinen Ehenbachtaler Spezialitäten momentan von einem Weihnachtsmarkt zum anderen unterwegs. "Alles weggefallen", lautet seine Kurz-Bilanz. Wie vielen anderen Geschäftsleute hat Corona auch ihn ausgebremst. Der Schnaittenbacher Feinkost- und Gewürzhändler spricht von "sechsstelligen Umsatzeinbußen" durch die Pandemie. Trotzdem, darauf ist der Schnaittenbacher schon ein bisschen stolz: Von seinen 30 Mitarbeitern "musste keiner in Kurzarbeit." Dabei habe er allerdings das Glück, dass er auch einen Groß- und Online-Handel betreibt und trotz der beiden bisherigen Corona-Lockdowns in Deutschland seine Produkte weiterhin im Verkaufsfernsehen anbieten konnte. "Das hat uns gerettet", sagt er. Und will jetzt Weihnachten retten. Ein bisschen zumindest.

"Schnaittenbacher Weihnachtsbegegnung" nennt Biller das, was er da gerade organisiert – einen Drive-in-Wintermarkt, auf dem die Besucher vom Auto aus Essen und Getränke zum Mitnehmen kaufen können und durch entsprechende Dekorationen zumindest ein bisschen Weihnachtsmarkt-Erlebnis bekommen. "Alles natürlich ziemlich kurzfristig", gibt er zu, aber das sei für ihn kein Problem. Flamm- und Pfannkuchen, Suppe, Nudeln, Süßes von Schokoobst bis Lebkuchenherz und Getränke von heißem Aperol bis Kinderpunsch soll es geben. Alles selbst frisch zubereitet. "Das ist für uns kein Problem", sagt Biller, solche Verpflegungs-Angebote gebe es schließlich auch bei Veranstaltungen wie dem Tag der offenen Tür seiner Firma. "Und die Bratwurstsemmel gehört natürlich auch dazu", meint Biller.

Ein Klavier für den Nikolaus

Etwas mehr Mühe bedeutet das Drumherum, denn Biller will seinen Drive-in-Besuchern auch ein winterliches Ambiente präsentieren, "damit auch ein bisschen Stimmung aufkommt. Das wird alles schön dekoriert", verspricht er und zeigt Handy-Bilder von einem besonderen Schmuckstück, das er in Kissingen gekauft hat: Eine echte alte Kutsche. Die soll morgen geliefert werden. Zwei alte Klaviere hat er in Weiden und Kirchenthumbach besorgt: Hier darf ein Nikolaus Platz nehmen. Ein bisschen Spaß müsse auch sein, meint Biller. 35.000 Euro hat er in seinen Drive-in-Markt investiert, verrät er. "Ob das wieder reinkommt, weiß ich nicht."

Sein Drive-in-Markt wird auf dem Schnaittenbacher Festplatz aufgebaut. Ein Bauzaun, der passend dekoriert wird, umgibt das Areal, die Besucher fahren mit ihren Autos durch ein Eingangstor, das ein Kulissenbauer anfertigt. Sie werden dann von einem Weihnachtsmann oder einem Engelchen begrüßt, bekommen hier eine Speisekarte, auf der sie ihre Bestellungen eintragen. Diese Liste wird dann ins Küchenzelt gebracht, wo die Bestellung zum Mitnehmen zubereitet und verpackt wird – "so weit es geht, verzichten wir dabei auf Plastik", versichert Biller. Gezahlt wird an einer Servicestation, an der die Besucher vorbeifahren, bevor sie den Markt verlassen. Das gehört auch zum Konzept: Dableiben und essen geht nicht, dafür reicht der Platz nicht

"Corona zwingt uns nicht in die Knie"

Gerade weil Erich Biller als Beschicker vieler großer Weihnachtsmärkte weiß, wie sehr viele seiner Fieranten-Kollegen finanziell unter der Corona-Pandemie leiden, hätte er gerne einige von ihnen als Händler auf seinen Drive-in-Markt eingeladen. "Die wären alle sofort dabei gewesen." Doch in Schnaittenbach auch ein Angebot jenseits von Essen und Getränken zum Mitnehmen zu machen, sei unter den herrschenden Lockdown-Einschränkungen einfach nicht möglich gewesen, bedauert er. Also bleibt es bei der Verpflegung. Die ist allerdings vom Konzept her so geplant, dass der Drive-in-Markt auf jeden Fall stattfinden kann – "selbst, wenn wir jetzt noch einen absoluten Lockdown bekommen". Damit kommt Biller noch einmal auf die Pandemie zu sprechen. "Es geht mir auch darum, dass man sieht: Corona zwingt uns nicht in die Knie. Wir leben noch."

Erich Biller.
Hintergrund:

Drive-in-Weihnachtsmarkt in Schnaittenbach

  • Öffnungszeiten: 11. bis 13., 18. bis 20. und 30./31. Dezember sowie 1./2. Januar; Freitag 17 bis 21 Uhr, Samstag/Sonntag 14 bis 21 Uhr
  • Besucher fahren mit dem Auto über den Festplatz in Schnaittenbach
  • Sie bestellen im Auto Essen und Getränke und nehmen diese dann mit
  • Abholbar auch Silvester-Menü (30./31. Dezember), allerdings nur mit Vorbestellung bis 28. Dezember (0151/59979103).
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