11.04.2021 - 14:07 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Mähroboter machen den Igeln schwer zu schaffen

Der zunehmende Einsatz von Mährobotern kostet zahlreichen Igeln, aber auch weiteren Tierarten mit langsamer Fortbewegung das Leben. Das mahnt unter anderem der Vorsitzende des Bund Naturschutz, Ortsgruppe Schnaittenbach, Bebbo Schuller an.

Der Vorsitzende des Bund Naturschutz, Ortsgruppe Schnaittenbach, Bebbo Schuller hat seinen Garten igelfreundlich gestaltet und dort auch einige Igelhäuser unter dichten Sträuchern aufgestellt.
von Adele SchützProfil

Der Bund Naturschutz-Vorsitzende Schnaittenbachs, Bebbo Schuller, ruft zur Teilnahme an der bundesweiten Online-Petition zum Thema „Nachtverbot für Mähroboter“ auf. „Seit Jahren geht der Bestand an Igeln sowie vielen anderen Tier- und Pflanzenarten rasant zurück. Igel sind inzwischen in Bayern bereits in der Vorstufe der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten geführt. Schuld ist in erster Linie der Mensch“, macht Schuller gegenüber Oberpfalz-Medien bewusst. Er erläutert: Der Wegfall geeigneter Lebensräume von Igeln, aber auch vieler anderer Tierarten durch die Vernichtung von in der freien Landschaft befindlichen Baum- und Strauchgruppen, Wasserstellen, Feuchtgebieten, Obst- und Blühwiesen beispielsweise, Großfelderwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden, Herbiziden, Mineral- und Naturaldünger in der Landwirtschaft, Verkleinerung der Tierreviere durch enormen Flächenverbrauch ließen die Artenvielfalt und damit Lebens- und Nahrungsgrundlage von Igeln und anderer Tierarten in erschreckendem Maß schwinden.

Vorgärten wie Steinwüsten

Seit Jahren sei laut Schuller der Igel auch in Parks und Gärten heimisch und sei zum Kulturfolger geworden. Bebbo Schuller bedauert, dass der Igel hier nicht das Paradies gefunden habe. Begrenzungsmauern, undurchlässige Zäune, Gärten und Vorgärten, die Steinwüsten ähneln, Pools und Teiche ohne Ausstiegshilfen, Treppen, nicht abgedeckte Kellerschächte und Straßenverkehr seien beispielsweise für den Igel lebensbedrohlich. Beeindruckend blühende, oft nicht heimische Baum-, Strauch- und Pflanzenarten, seien zudem verantwortlich für den gravierenden Insektenrückgang, der nicht nur Igeln die Nahrungsgrundlage nehme. Igelnahrung, inzwischen häufig reduziert auf Würmer und Schnecken, die Zwischenwirte seiner Innenparasiten seien, verkürzten die natürliche Lebenserwartung der Tiere enorm. Igel, dämmerungs- und nachtaktiv, hielten nach Aussagen von Schuller unter Büschen und Sträuchern Tagschlaf. Meist kämen Fadenmäher, Tellersensen, Freischneider und ähnliche Gartengeräte bei der Pflege des öffentlichen Grüns und in privaten Gärten unbedacht und/oder unachtsam zum Einsatz. Igel würden dadurch getötet oder schwer verletzt.

Mehr und mehr drängten nach Angaben Schullers in den vergangenen Jahren Mähroboter auf den Markt, die häufig nachts zum Einsatz kämen, wenn Igel und andere dämmerungs- und nachtaktive Tierarten auf Nahrungssuche seien. „Insbesondere Jungtiere haben so gut wie keine Chance, denn sie werden von den scharfen Messern buchstäblich gehäckselt. Heranwachsende und Alttiere erleiden gravierende Verletzungen, denn die Geräte machen oft zu spät oder überhaupt nicht Halt. Es ist davon auszugehen, dass Igeln, Amphibien, Reptilien und weiteren Tierarten mit langsamer Fortbewegung viel Leid und Schmerz durch den Einsatz von Mährobotern zugefügt wird“, betont Bebbo Schuller. Sicher erfolge nach seinen Aussagen der Einsatz von Mährobotern, Fadenmähern, Tellersensen & Co. aufgrund von Unkenntnis und oft unbedacht. "Sensibilisieren, informieren und nicht anklagen ist hier das Ziel", macht Schuller klar. Er bittet deshalb: "Verzichten Sie auf den Nachteinsatz von Mährobotern."

Hilfe für Igel im Garten

Darüber hinaus könne laut Schuller jeder die Lebensbedingungen für Igel mit ein paar Punkten im eigenen Garten verbessern: Garten naturnah gestalten mit einheimischen Pflanzen, giftfrei gärtnern und Unterschlupfmöglichkeiten schaffen; einen Haufen trockenes Laub mit Ästen und einer Plastikplane abdecken und Ecken mit Steinen beschweren; für durchlässige Gartenzäune sorgen; in heißen Sommern mit Wasser gefüllte flache Schalen als Tränken aufstellen. Schuller: „Hauptfeind des Igels ist das Auto. Deshalb sollte man nachts im Siedlungsbereich oder in der Nähe von Hecken, Gebüschen und Gärten mit erhöhter Aufmerksamkeit fahren.“

Aktion des Bund Naturschutz Schnaittenbach

Schnaittenbach

Die Bedrohung der Igel waren Grund genug für Michaela Kleinsorge (Betreiberin der Igelhilfe Rostock, https://www.igelhilfe-rostock-diedrichshagen.de/) im vergangenen Jahr eine Online-Petition zum Thema „Nachtverbot für Mähroboter“ zu starten. Insgesamt unterzeichneten mehr als 15 000 Unterstützer die Petition, die seit Ende April 2020 dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) vorliegt. Alle erforderlichen Informationen bietet die Homepage der Tierfreunde Rhein-Erft unter folgenden Links: https://www.tierfreunde-rhein-erft.de/plakatkampagne.htm oder https://www.tierfreunde-rhein-erft.de/neues_igel.htm.

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