29.12.2020 - 14:25 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Heimatforscher Franz Flammersberger verstorben

Er wusste ganz genau, wo im Mittelalter die Fuhrwerke unterwegs waren. Franz Flammersberger kannte jede Altstraße in der mittleren Oberpfalz. Am Ersten Weihnachtsfeiertag ist der Schnaittenbacher Heimatkundler verstorben.

Franz Flammersberger ist im Alter von 84 Jahren verstorben.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Franz Flammersberger hat die Bernsteinstraße gefunden. Das muss ihm erst einmal einer nachmachen. Er kannte den genauen Verlauf der vorgeschichtlichen Handelsroute, die die Ostsee mit dem Mittelmeer verband. Der Heimatkundler aus Schnaittenbach hat die alte Trasse zu Fuß erkundet und genau aufgezeichnet. Die Altstraße führte aus Richtung Weiden kommend über Schnaittenbach, Hainstetten und Etsdorf Richtung Diebis und dann weiter nach Regensburg. Noch heute zeichnet sich der uralte Straßenverlauf im Gelände ab. Dass er dokumentiert und kartiert wurde, ist das Verdienst von Franz Flammersberger.

Flammersberger war Rechtsanwalt. Doch schon während seiner beruflichen Karriere widmete er sich der Erforschung seiner Heimat. Für Wandervereine, den Heimatkundlichen Kreis war er in Sachen Altstraßen, Bodendenkmäler, Moose und Farne ein wanderndes Lexikon. Mehrere wissenschaftliche Arbeiten, veröffentlicht etwa in den Eisengau-Bänden, zeugen davon. Wie sehr seine Arbeit geschätzt wurde, konnte man auch an den Auszeichnungen sehen, die er erhielt. 2011 verlieh ihm der damalige Bürgermeister Josef Reindl den Kulturpreis der Stadt Schnaittenbach, den "Kulturschnoittling", der Heimat- und Volkstumsverein ehrte Flammersberger mit seinem Ehrenzeichen, der Silberdistel.

"Um 20 Kilometer Altstraßen zu dokumentieren, bin ich manchmal bis zu 120 Kilometer zu Fuß unterwegs", sagte er einmal in einem Zeitungsinterview. Auf seine Exkursionen nahm er immer wieder gerne Begleiter mit. So war er als Kulturführer für die AOVE und die Volkshochschule des Landkreises Amberg-Sulzbach tätig. Auch als Referent bei Vereinen teilte er sein Wissen. War eine Wanderung mit zwei Stunden geplant, wurden leicht vier Stunden daraus, zumal, wenn Flammersberger seine Vergrößerungsgläser dabei hatte. Der Plural ist hier korrekt, denn auch die Mitwanderer sollten ja die gefundenen Moose und Farne bestimmen können.

Am 27. Januar 2021 wäre Flammersberger 85 Jahre alt geworden. So, wie die Altstraßen tiefe Gräben in der Landschaft hinterlassen haben, so bleiben von der Arbeit des Schnaittenbacher Heimat- und Naturfreunds sichtbare Spuren zurück. Sie sind ein Geschenk an alle Nachkommen.

Unterwegs auf der Bernsteinstraße im Kreis Amberg-Sulzbach

Freudenberg
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