27.10.2020 - 10:12 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Eichenprozessionsspinner: Warnschilder alleine reichen nicht

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Ein beliebter Spazier- und Radweg zwischen Schnaittenbach und Hirschau: Fast an jedem Baumstamm hängen hier Larvenhüllen des Eichenprozessionsspinners. Schnaittenbachs Zweiter Bürgermeister Uwe Bergmann ist besorgt.

Keine richtige Sperrung, aber ein Warnhinweis der Stadt Hirschau wegen des Eichenprozessionsspinners, verbunden mit dem Appell: "Drehen Sie bitte um und nutzen Sie andere Wegstrecken". Das, sagt Uwe Bergmann, reicht nicht.
von Heike Unger Kontakt Profil

Schilder warnen alle, die hier vorbeikommen, vor dem Eichenprozessionsspinner, dessen Haare beim Menschen gravierende Gesundheitsprobleme verursachen. Diese Hinweise, sagt Schnaittenbachs Zweiter Bürgermeister Uwe Bergmann, reichen aber nicht: Der Feldweg von Haidhof (Schnaittenbach) nach Hirschau sei stark frequentiert, viele Spaziergänger und Radler nutzen ihn. Für Fußgänger aus Haidhof sei dies sogar die einzige direkte Verbindung Richtung Hirschau, wenn sie nicht an der B14 entlang marschieren wollen.

Büschelweise Larvenhüllen

Man muss nicht lange suchen, um an den Baumstämmen direkt neben dem Weg büschelweise Larvenhüllen des Eichenprozessionsspinners zu entdecken: Die Kokons sind zwar leer, weil aus den Raupen längst Falter geworden sind, die schon geschlüpft und weitergeflogen sind. Doch die Haare an den Hüllen sind immer noch gefährlich für Menschen, die ihnen zu nahe kommen. Das, fürchtet Bergmann, könnte trotz der Warnschilder manchem, der nicht aufpasst, passieren. Besonders gefährdet seien Kinder. Denn manche der Larven hängen so tief, dass die Kleinen ganz leicht hinkommen, wenn sie neugierig sind, was das da am Baumstamm wohl sein könnte.

So bekämpft Amberg den Eichenprozessionsspinner

Amberg

Bergmann sieht noch ein weiteres Problem – nämlich, dass der Eichenprozessionsspinner, wenn man ihn einfach gewähren lässt, von hier aus weiter in die Wohngebiete Schnaittenbachs und Hirschaus zieht, wo er dann den Menschen richtig nahe kommen und damit ein noch viel größeres Problem werden könnte. "Was machen wir dann?" Abgesehen davon, dass es dann erst richtig teuer werden könnte. Deshalb plädiert er dafür, den "Spinner" schon jetzt zu bekämpfen, entlang des Feldwegs vorbeugend fürs nächste Jahr zu spritzen und auch die zurückgelassenen Gespinste abzusaugen. Einige davon hat der Wind schon abgerissen und auf den Feldweg fallen lassen: Damit liegt die Gefahr sogar direkt vor den Füßen derer, die hier unterwegs sind.

Wer ist zuständig?

Abhilfe zu schaffen ist in diesem Fall freilich nicht ganz einfach, wie Uwe Bergmann sagt. Denn die Bäume, um die es geht, stehen auf Privatgrund, zum Teil befinde man sich hier aber auch auf Schnaittenbacher oder Hirschauer Gebiet. Wer also zahlt die nicht ganz billige Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners? "Da brauchen wir eine Lösung", betont Bergmann. Er hat nach eigener Auskunft schon einen Vorstoß über den Stadtrat unternommen, ist bislang aber noch nicht weitergekommen. Aus Hirschau sei ihm signalisiert worden, hier gehen es um Privatgrund, weshalb die Stadt nicht tätig werden könne.

Damit ist Bergmann aber nicht zufrieden. "Die Leute muss doch jemand schützen", zumal hier nicht nur Schnaittenbacher, sondern auch viele Hirschauer unterwegs seien. Entlang des Wegs stünden sehr viele Eichen, die den Prozessionsspinner geradezu einladen. Also werde das Problem auch nicht kleiner, sondern eher größer. "Hier geht es meiner Meinung nach um Verkehrssicherheit", argumentiert der Politiker, der selbst in Haidhof wohnt. Die Warntafeln, die die Stadt Hirschau hier angebracht hat, reichen ihm nicht. "Mit der Aufstellung von Schildern ist es nicht getan. Ich finde, damit kommt die Stadt ihrer Pflicht zur Verkehrssicherheit zum Schutz der Bürger nicht nach: Da muss ich präventiv tätig werden, bevor es noch schlimmer wird."

Zur Zusammenarbeit bereit

Bergmann wünscht sich bei diesem Thema eine Zusammenarbeit der beiden Nachbarstädte – so, wie man sie in vielen anderen Bereichen auch schon pflege. Als Zweiter Bürgermeister Schnaittenbachs sagte er schon einmal die Bereitschaft "seiner" Kommune zu. Aus Hirschau gibt es ebenfalls Signale, an einer Lösung mitzuarbeiten. Zweite Bürgermeisterin Barbara Birner versicherte auf Nachfrage der Redaktion, "wir kümmern uns darum". Und natürlich sehe sie grundsätzlich "die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit Schnaittenbach". Die sei hier allerdings nicht ganz einfach, weil "wir von der Stadt keine privaten Bäume absaugen können". Birner will aber mit dem Grundstücksbesitzer und auch mit Uwe Bergmann Kontakt suchen und das Thema auch mit Bürgermeister Hermann Falk besprechen. Das grundsätzliche Problem der Gesundheitsgefährdung durch den Eichenprozessionsspinner sehe sie auch: "Ich bin auch besorgt um unsere Bürger."

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