21.06.2019 - 17:08 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Vor 25 Jahren starb Sepp Müller Anderl: Rasender Reporter und ein Original

Heute vor 25 Jahren, am 23. Juni 1994, ist er gestorben, der Sepp Müller Anderl.Viele Heimatfreunde und Zeitungsleser erinnern sich noch gut an den rasenden Reporter und "Oberpfälzer aus Leidenschaft".

Der Sepp Müller Anderl in offizieller Mission, am Mikrofon. Als Vertreter seiner Oberpfälzer Heimat fühlte er sich besonders wohl.
von Autor SHProfil

Viele Heimat- und Buchbergfreunde sowie Zeitungsleser erinnern sich noch allzu gut an den rasenden Reporter, Heimatjournalisten und "Oberpfälzer aus Leidenschaft": Vor 25 Jahren, am 23. Juni 1994, ist er verstorben, der Sepp Müller Anderl. Ein Original, wie man es heute nur noch selten findet.

Sepp Müller Anderl wurde am 14. März 1926 in der damals noch selbstständigen Gemeinde Forst (jetzt Schnaittenbach) geboren und ist im Ehenbachtal, am Fuße seines geliebten Buchbergs, aufgewachsen. Anfangs der 1940er-Jahre, in noch jugendlichem Alter, widmete er sich schon der "Zeitungsschreiberei". Über 50 Jahre lang, bis zu seinem überraschendem Tod im Juni 1994, war er Heimatjournalist und freier Mitarbeiter der Amberger Zeitung mit dem Kurzzeichen "ll". Das ist inzwischen längst "weitervererbt", an AZ-Reporterchef Markus Müller.

Schon in jungen Jahren begeisterte sich der Anderl für die „Zeitungsschreiberei“.

Zwei geliebte Schnauferl

Bis zu 18 Stunden täglich war der Anderl unterwegs, "aus totaler Leidenschaft" . Nicht nur für den Neuen Tag und die Amberger Zeitung, sondern auch für das Bistumsblatt und andere Medien hat er originelle Beiträge verfasst. Mit der Zeitung verband ihn eine Art Hassliebe, wie er es selbst nannte. Seine Schnauferln, das Oldtimer-Auto DKW Sport, das er 1958 für viel Geld erworben hatte, mit der Aufschrift "ll", sein Goggomobil "lll" und das mit Silberbronze angestrichene BMW-Motorrad 250 ccm "Silberpfeil", waren im Landkreis und weit darüber hinaus bekannt.

Seine Markenzeichen "ll" und "lll" hat man damals hämisch als Kurzform von "Lauter Lügen" und "Lauter lange Lügen" gesehen: Das wusste der Anderl und konnte damit auch leben. Das alles gehörte zu ihm, genauso wie seine geschätzte Fotoausrüstung, seine Musikinstrumente oder seine Lederhose. Sowie eine gewisse, geheim gehaltene Gewürzmischung, die er beim Brotzeitmachen immer bei sich hatte. Seine journalistischen Highlights waren Elvis und Soraya. Den "King" ließ der Zufall im Winter 1959/60 ausgerechnet vor Anderls Haustür in Hirschau halten, als er mit anderen US-Soldaten manöverbedingt in der Oberpfalz unterwegs war. Eine Stunde später hatte der Anderl das Exklusiv-Interview im Kasten. Gleiches gilt für die Begegnung mit der persischen Kaiserin Soraya im Garten der Landesbotschaft in Köln.

Neben der Arbeit als Zeitungsreporter stand beim Sepp Müller Anderl die Heimatkultur an oberster Stelle. Er war Mundart- und Heimatforscher, Volksbühnenautor, Hobbymaler, Musikant, Stücklschreiber. Aber auch aktiv beim Fußballverein, in der Kolpingsfamilie und von 1952 bis 1988 als Volkstumswart des Heimat- und Volkstumsvereins Ehenbachtaler Schnaittenbach. Außerdem war er geistiger Vater der Buchberg-Silberdistel der Trachtler, Initiator des Böhmischen Freitags in Hirschau. Auch das Knechtspiel bei der Waldweihnacht am Buchberg entstammte seiner Feder.

Er wurde nur 68 Jahre alt

All seine Initiativen und Verdienste aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. 102 Jahre alt wollte er werden, um all seine Projekte und Ideen in die Tat umsetzen zu können. 68 sind es nur geworden: Der Anderl erlag einem Herzversagen. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen "Schnaittenbach/Hirschauer Oberpfälzer aus Leidenschaft", dem "ll"/"lll", dem rasenden Reporter aus dem Kaolinpott.

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