31.01.2021 - 09:34 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Zwei junge Hobbyfotografen halten mit Kamera Zeitgeschichte fest

Das "morbide Schöne" hat die beiden jungen Fotografen Alexander Puchta und Sven Weigang schon immer fasziniert - vor allem der "Goldene Anker". Hier wurden sie fündig. Ihre Fotos werden in einem Bildband zu sehen sein.

Alexander Puchta (Mitte mit Kamera) und Sven Weigang sind seit vielen Monaten im Goldenen Anker mit der Kamera unterwegs. Gerade im Zerfall findet sich Faszinierendes. Davon sind beide überzeugt. Bürgermeister Peter Braun unterstützt das Projekt.
von Autor POPProfil

Es ist ein wuchtiges Gebäude, baufällig, der Putz bröckelt, die Fenster sind zugemauert. Ein Schandfleck. Es ist ein Gebäude, dem eigentlich niemand etwas Schönes abgewinnen kann: der ehemalige Goldene Anker in Schmidmühlen. Niemand? Doch - zwei junge Hobbyfotografen konnten und können immer noch dem maroden Gebäude etwas Schönes abgewinnen: Sven Weigang und Alexander Puchta.

Sie durften in den vergangenen Monaten in dem sonst verschlossenen Gebäude auf Spurensuche gehen - nicht mit Lupe oder Pinzette, sondern mit einer Kamera. Es war und ist eine Suche nach der Vergänglichkeit und der längst vergangenen Zeit, die für das jetzige Gebäude in wenigen Jahren – sollte es mit der Restaurierung funktionieren - auch schon wieder Vergangenheit sein wird. Ihre faszinierenden Fotos werden die beiden in einem Bildband festhalten.

Blick in die Historie des Ortes

Das ehemalige Gasthaus Goldener Anker hat eine lange Geschichte. In der Denkmalschutzliste ist er wie folgt beschrieben: „Stattlicher zweigeschossiger Bruchsteinbau in Ecklage, mit Krüppelwalmdach, Putzgliederung, Giebelluken und polygonalem Fachwerkerker, 1532 als stattliches Lagerhauses des Marktes und Nürnberger Kaufleuten erreichtet. Angrenzender Torbogen“.

Was baulich so nüchtern klingt, lässt einen Blick zu auf das Leben „damals“ im Markt. Der Goldene Anker ist untrennbar mit der Vilsschifffahrt verbunden. „Damals“ war Schmidmühlen ein echtes Zentrum – der Eisenhammer sorgte für Brot, Arbeit und Reichtum, die Hopfengärten in und um Schmidmühlen boten den Bauern und Taglöhnern ein gutes Einkommen und der Vilshafen brachte viele Kaufleute und Händler, Arbeiter und Reisende nach Schmidmühlen. Es war ein Kommen und Gehen. Und damals im Mittelpunkt: das mächtige Gebäude im Zentrum von Schmidmühlen, der „Anker“. Als die Vilsschifffahrt eingestellt wurde, bekam das Gebäude eine neue Nutzung – es wurde 1840 zu einem Gasthaus.

Der Name „Goldener Anker“ verweist aber immer noch auf die Zeit der Vilsschifffahrt, die zu der damaligen Zeit sicher noch hochpräsent war. Landläufig ist der Anker vielen als „beim Donhauser“ bekannt. Nur wenige Menschen gingen bis in die 1980er Jahren „in den Anker“, man ging zum „Donhauser“ ins Wirtshaus. Der geläufige Name stammt von einem früheren Besitzer, einem gewissen Thomas Donhauser. Hier steht in den alten Unterlagen erstmals vor 1900 „beim Donhauser“. Später erscheint noch eine Theres Donhauser. Der Name blieb, auch wenn das Gebäude etwa 1913 in den Besitz der Familie Hummel überging. Diese stammt aus Markhof ab.

Weitere lohnenswerte Motive in Schmidmühlen

Doch wie kommen zwei junge Menschen dazu, sich mit alten Gemäuern zu beschäftigten? Sven Weigang erklärt es: „Bei uns bestand schon immer Interesse an dem schon seit unserer gesamten (Lebens-) Zeit in Schmidmühlen stehenden, verlassenen und ortsbild-prägenden Gebäude des goldenen Ankers. Wir konnten seitdem noch nie ins Innere der alten Gemäuer und hatten auch keine Ahnung, was sich hinter den stets verschlossenen Türen und Toren rund um das Anwesen verbirgt." Erstmals im März 2020 war es möglich, einen tieferen Blick ins Innere des Ankers zu werfen. Aufgrund des kurzen Zeitfensters und mangels mitgebrachter Fotoausrüstung (nur das Handy war dabei) konnten lediglich Schnappschüsse gemacht werden. Das Interesse war geweckt und der Entschluss gefasst, dass ein weiterer Besuch mit mehr Zeit und besserer Ausrüstung sich auf jeden Fall lohnen würde. "Alexander und ich haben das bei einem Treffen besprochen und anschließend wurde uns mit Genehmigung des Marktes Schmidmühlen der Zugang zum Gebäude ermöglicht."

Seitdem sind Alexander Puchta und Sven Weigang viel in Schmidmühlen unterwegs. Motive gibt es genug: das alte Feuerwehrhaus vor dem Oberen Schloss, daneben das alte Geschäftshaus, viele alte Gebäude. Ein erster Prototyp des Bildbandes ist vorläufig fertig. Was fehlt, sind noch einige Texteinheiten. Sie schreibt Ortsheimatpfleger Josef Popp. Dazu forscht er noch mit Ortsheimatpfleger Michael Koller im Archivmaterial.

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