05.01.2021 - 11:06 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Nachforschungen ergeben: Salzstadel in Schmidmühlen ist gar keiner

Der mächtige Steinstadel ist nun im Besitz der Marktgemeinde Schmidmühlen. Besser bekannt ist das Gebäude unter dem Namen Salzstadel, was Verbindungen zur Vilsschifffahrt vermuten ließ. Nachforschungen kommen zu einem anderen Ergebnis.

Für den großen Steinstadel am Vilsufer wurde über Jahrzehnte hinweg der Begriff Salzstadel verwendet. Nachforschungen ergeben: Mit der Vilsschifffahrt hatte der Stadel nie etwas zu tun.
von Autor POPProfil

Schon lange hegten geschichtskundige Bürger wie die verstorbenen Heimatpfleger Otto Schmidt aus Amberg und Franz Xaver Eichenseer aus Schmidmühlen große Zweifel, ob der Steinstadel tatsächlich zur Warenlagerung oder zur Salzzwischenlagerung zur Zeit der Vilsschifffahrt diente. Nachdem der Stadel nun in den Besitz der Marktgemeinde Schmidmühlen übergegangen ist und einer neuen Verwendung zugeführt werden soll, begann man nachzuforschen, welche Geschichte das Gebäude tatsächlich hat. Die Ortsheimatpfleger Michael Koller und Josef Popp sowie Klaus Altenbuchner (München) und Günther Schmid machten sich auf die Spurensuche.

Zunächst erschien ihnen die Vermutung, der Stadel, ein zweigeschossiger Massivbau mit Halbwalmdach, könnte etwas mit der Vilsschifffahrt zu tun haben, gar nicht so abwegig. Der Stadel lag direkt am ehemaligen Vilshafen in Schmidmühlen. Nach dem Zusammenfluss von Vils und Lauterach konnten die Vilsschiffe mehr Güter laden, und da lag die Vermutung nahe, dass der Stadel als Zwischenlager für den Warenumschlag gedient hat.

Eines ist sicher: Die Gründung und Entwicklung Schmidmühlens ist eng mit der Vilsschifffahrt verbunden. Der Ort wurde erstmals urkundlich um das Jahr 1010 genannt. Vorher war das Land um Schmidmühlen in Besitz der Marktgrafschaft Hohenburg gewesen. Dann vermachte die Landgrafenwitwe Philifrieda, wie es damals weit verbreitete Sitte war, zum Seelenheil ihres Mannes die Besitztümer an das Kloster St. Emmeram. Es existieren Berichte, dass dem Kloster eine Ladestätte, also Anlegestätte für Schiffe, am Fluss „vilsia ge smidimulni" geschenkt wurde.

Schifffahrt bringt Schmidmühlen Wohlstand

Zum Wohlstand der Ortschaft Schmidmühlen hat die Schifffahrt wesentlich beigetragen. Der Handel auf der Vils war bis ins 19. Jahrhundert hinein sehr rege und umfangreich. Insbesondere Erz, Eisen und Salz, Getreide, Honig, Wein und auch Stückgüter wurden auf dem Gewässer transportiert. Flussabwärts herrschte auch Personenverkehr. Vom Frühjahr bis zum Wintereinbruch verkehrten Schiffszuge zwischen Amberg und Regensburg. Die Vilsschiffer kamen mitunter auf der Donau mit ihren Schiffen bis nach Ulm oder gar nach Wien und Budapest.

Die Schifffahrt war eine für damalige Verhältnisse eine recht kosten-, zeit- und personalgünstige Angelegenheit. Sechs Schiffsleute reichten aus, um in nur zwölf Stunden eine Fracht von 400 Zentnern nach Regensburg zu bringen. Für die gleiche Menge hätte man mit Gespannen angesichts der miserablen Straßen und Wege mindestens zwei Tage benötigt. Weniger günstig war die Bergfahrt. Die Schiffe hatten dabei höchstens 240 Zentner Salz geladen. Vier Tage waren sie flussaufwärts unterwegs, während die Fuhrwerke die Rückfahrt in zwei Tagen schafften.

„Ich habe den Stadel immer nur als Sternwirtsstadel gekannt. Irgendwann wurde er dann zum Salzstadel unbenannt.“

Ortsheimatpfleger Michael Koller

„Ich habe den Stadel immer nur als Sternwirtsstadel gekannt. Irgendwann wurde er dann zum Salzstadel unbenannt“, erinnert sich Michael Koller. Das Gebäude diente seines Wissens nach immer nur für die Landwirtschaft. Dies bestätigt auch Günther Schmid, dessen Familie (einst Alois Hofmann) der Stadel wohl schon immer gehörte. Auch ihm war nichts bekannt, dass er je die Funktion einer Salzlagerstätte gehabt hätte. Vielmehr umfasste das Sternwirtsanwesen neben dem um 1800 erbauten Gasthaus Sternwirt, einem zweigeschossigen, verputzten Massivbau mit hohem Walmdach und teils mit Stichbogenlaibungen, als Familienmittelpunkt und dem Stadel verschiedene Grundstücke und die umliegenden Gärten. Viele ältere Schmidmühlener erinnern sich noch an den alten Steg über die Vils, der eigentlich nur eine Funktion hatte: Er führte zu verschiedenen Berg- und Bierkellern am anderen Ufer der Vils (heute Vereinsheim Lobo, Nebengebäude der Kfz-Werkstätte Segerer). Der Übergang wurde, so erinnert sich Michael Koller, gerne von den Pilsheimern als Abkürzung in den Markt genutzt, um nicht über die Eiserne Brücke gehen zu müssen.

Archivarbeit bringt Klarheit

Schließlich brachte Archivarbeit, der Blick in die Denkmalliste von Schmidmühlen und eine Bildauswertung (Recherche: Klaus Altenbuchner) Klarheit über die geschichtlichen Hintergründe: Der Stadel wurde um 1850 gebaut, also rund ein Vierteljahrhundert, nachdem die Vilsschifffahrt aufgegeben worden war, und ist eindeutig dem Sternwirtsanwesen als landwirtschaftlicher Stadel zuzuordnen. Zudem: Auf einem Bild aus dem Jahr 1799 ist kein Stadel, sind nur Gärten zu sehen. Das Gebäude hatte demnach zu keiner Zeit die Funktion eines Salzstadels.

Nachdem das Bauwerk nicht mehr für die Landwirtschaft benötigt wurde, verpachtete man ihn laut Günther Schmid für einige Zeit an einen benachbarten Landwirt verpachtet. Mitte der 1970er-Jahre wurde der Stadel umfassend saniert und in den Folgejahren immer wieder für Vereinsfeste, Jubiläen, Kirwan oder Musikfestivals genutzt. In den vergangenen Jahren diente er als Lagerstätte. Welchen Vermarktungsnamen die Marktgemeinde Schmidmühlen als neuer Besitzer dem Objekt gibt, ob Steinstadel, Theaterstadel oder Sternwirtsstadel, muss noch entschieden werden.

Marktgemeinderat Schmidmühlen gibt Mittel für Salzstadel-Sanierung frei

Schmidmühlen
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.