29.07.2018 - 09:55 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Erasmus Grasser kehrt zurück

Ein Erasmus-Grasser-Brunnen, eine Erasmus-Grasser-Straße, eine ebenso benannte Schule und jetzt auch noch eine eigene Briefmarke samt Ausstellung: Schmidmühlen macht seinem bekanntesten Sohn alle Ehre.

Wer kennt sie nicht - die Moriskentänzer von Erasmus Grasser. Der gebürtige Schmidmühlener Bildhauer ist vor 500 Jahren in der Landeshauptstadt verstorben.

Angekommen in seinen Heimatort ist der bekannteste Sohn Schmidmühlens, Erasmus Grasser, in diesen Tagen auf jeden Fall. Mit einer Ausstellung zeigt der Markt Schmidmühlen in Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Kulturverein eine Auswahl von Bildern und Grafiken des Künstlers in der guten Stube des Hammerschlosses anlässlich des 500. Todesjahres.

Die Münchner Maler und Künstler Christoph Hessel, Michael von Cube und Yongbo Zhao haben Grassers Biografie hinterleuchtet und teilweise neu erfunden. Wie von Cube bei der Vernissage erzählte, hätten die Autoren bei der Aufarbeitung der Lebensgeschichte Grassers auf historische Fakten nur insoweit Rücksicht genommen, als die reale Persönlichkeit in verspielt-grotesken Assoziationen noch erkennbar bleiben sollte. "Es bleibt doch einiges aus dem Leben Erasmus Grassers nicht mehr nachvollziehbar, weil darüber Unterlagen und Aufzeichnungen fehlen", erklärte von Cube.

Sinn und Wahnsinn

Erasmus Grasser ist heute vor allen durch seine Moriskentänzer-Skulpturen eine touristische Attraktion geworden. Es gibt sie als Imitate der spätgotische Originale in allen nur denkbaren Größen und aus verschiedenen Materialien gefertigt. "Deshalb fühlten wir uns als eingefleischte Münchener aufgerufen, Graser mit Hilfe unserer Arbeiten neues Leben einzuhauchen und ihn aus den krämerseelenhaften Zugriffen seiner Vermarkter wiederauferstehen zu lassen". Entstanden sind aus dieser Idee fünf Zeichnungen von Michael von Cube, fünf Farbradierungen von Christoph Hessel und drei Ölbilder von Yongbo Zhao. Dass mit dem Zustandekommen der Ausstellung Wahrheit, Erfahrung, Spiel, Sinn und Wahnsinn vermutlich nur mehr schwerlich auseinander gehalten werden können, ist Ergebnis der Auseinandersetzung mit Person und Werk Grassers. Wie Bürgermeister Peter Braun anmerkte, sei er den Münchner Künstlern dankbar, diese Ausstellung nun in Schmidmühlen zu zeigen. Die Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Martina De Wille, sprach von einem "Highlight mit Geschichtserinnerung". Es sei wunderbar, eine Brücke zu schlagen zwischen Altem und Neuen und die Morisken in neuem Licht zu zeigen. Unter dem Titel romantische Lauterach sind beim bevorstehenden 40. Marktfest auch die Metallskulpturen von Franz Schmid zu sehen. Sie schaffen eine Verbindung zur historischen Eisenverarbeitung entlang der Lauterach. Michael von Cube erzählte Teile aus der Lebensgeschichte des jungen Erasmus Grasser: Schon früh soll Erasmus damit begonnen haben, auf dem elterlichen Hof Holzscheite einzusammeln und mit unermüdlichem Eifer Figuren aus ihnen zu schnitzen. Vermutlich der Zeitmode entsprechend italienisierte jemand seinen damals in der Oberpfalz gängigen Vornamen zum weltläufigen Erasmo. In jungen Jahren entschloss sich der Schmidmühlener Bauernbub, seine Kunststücke der Zunft der Schnitzer, Seidennäher und Glaser in der Landeshauptstadt vorzulegen.

Liebe und Durchbruch

Dort erfuhr er zunächst schroffe Ablehnung, bis er Dorothea Kaltenbrunner, die Tochter eines der reichsten Bürger Münchens, kennenlernte. Für den jungen Erasmo zeichnete sich der Durchbruch ab. In Erinnerung an die Gebräuche seiner bäuerlichen Heimat, der Tradition des Brauttanzes, schuf er seine berühmten zehn Tänzer in je unterschiedlichen, mittelformatigen Größen. Jede Figur hat ihren eigenen Tanzstil. Erst bei einem Preistanz am 1. Mai in Fröttmaning erreichten seine Morisken als Gegenstück zu den Schäfflern Beachtung in der Münchner Schickeria von damals.

Danke an die Münchner Künstler für die Ausstellung zum 500. Todesjahr von Erasmus Grasser in Schmidmühlen im Hammerschloss, Von links Bürgermeister Peter Braun, die Künstler Yongbo Zhao, Chrsitoph Hessel, Michael von Cube und die Vorsitzende des Heimat- und Kulturvereins, Martina De Wille.
Auch der Schmidmühlener Heimatmaler Friedbert Bruckmüller (re) gehörte zu den ersten Gästen der Vernissage zum 500. Todesjahr von Erasmus Grasser im Hammerschloss.
Die "Jazzy Mills" das sind Franz Gruber, Bogdan Kosylak und Heiner Weigert (von links). Das Ensemble derstand es mit idealen musikalischen Beigaben die Vernissage geschickt zu verpacken.. Im Hintergrund eines der Bilder von Yongbo Zhao.
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