07.07.2021 - 11:22 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Bodendenkmal verzögert Erschließungsmaßnahmen für Wohnbaugebiet In der Zell in Emhof

Das Erweiterung eines Wohngebiets in Emhof birgt Brisanz in sich. Denn auf dem Areal befindet sich ein Bodendenkmal aus vorchristlicher Zeit, das nach Weisung des Landesamts für Denkmalpflege vor der Erschließung untersucht werden muss.

Im Erweiterungsgebiet dies Wohnbaugebietes "In der Zell" in Emhof (rechter Bereich des Bildes) muss vor Baubeginn erst ein Bodendenkmal aus vorchristlicher Zeit untersucht werden. Dies schreibt das Landesamt für Denkmalpflege dem Markt Schmidmühlen vor.
von Paul BöhmProfil

Das Wohnbaugebiet In der Zell in Emhof soll erweitert werden. Die Erschließung dieser Fläche verspricht spannend zu werden. Denn auf einem Großteil des für die Erweiterung vorgesehenen Bereichs ist ein Bodendenkmal aus vorchristlicher Zeit ausgewiesen. Laut einschlägigem Kartenmaterial soll es sich um Reste einer vorgeschichtlichen Siedlung handeln. Das Landesamt für Denkmalpflege hat nun in einer Stellungnahme verfügt, dass das Areal im Zuge der Bauland-Erschließung und der zur Erweiterung notwendigen ersten Änderung des Bebauungsplans Emhof-Nord untersucht werden muss.

Dieses Thema beschäftigte nun auch den Marktgemeinderat Schmidmühlen bei dessen Sitzung. Das Gremium ist verpflichtet, die gesamte Planungsfläche archäologisch qualifiziert prüfen zu lassen. Letztendlich auch, um die Kosten für den einzelnen Bauwerber zu reduzieren. Der Auslegungsbeschluss des Marktgemeinderats beinhaltet in Verbindung mit den Erschließungsmaßnahmen Bodenuntersuchungen, entweder durch das Abschieben des Oberbodens im Vorfeld der Erschließungsmaßnahme oder durch Untersuchungen während der Arbeiten. Das Landesamt für Denkmalpflege ist in diese Maßnahme mit einzubinden. Wie in der Sitzung auch zu hören war, werden sich die für die Bodenuntersuchungen anfallenden Mehrkosten auf den Baulandpreis niederschlagen.

Nach Anfrage von Marktgemeinderat Georg Koller sagte Bürgermeister Peter Braun, dass die Wasseruntersuchungen im Regenrückhaltebecken nahe Greining noch nicht abgeschlossen sind. Hier soll aufgrund von Witterungseinflüssen eine größere Menge Silowasser aus Winbuch in die öffentliche Entwässerungsanlage gelangt sein. Das Landratsamt und das Wasserwirtschaftsamt Weiden sind in diesen Vorfall eingeschaltet.

Bürgermeister Peter Braun informierte, dass die neue Postfiliale in Schmidmühlen in der Hauptstraße 26 am Montag, 19. Juli, aufmacht. Geöffnet ist sie von Montag bis Samstag jeweils von 9 bis 12 Uhr. Verschiedene Straßenausbesserungsarbeiten im Gemeindegebiet, etwa am Radweg zwischen Schmidmühlen und Pettenhof, in der Lärchenstraße, Am Herrenhölzl sowie an Teilen der Gemeindeverbindungsstraßen von Winbuch nach Scharlthal und von Eglsee in Richtung Höchensee, hat die Gemeinde knapp 20 000 Euro gekostet. Das Gremium genehmigte die Rechnung einstimmig.

Einstimmig war der Marktgemeinderat der Meinung, die Sanierungssatzung des Marktes Schmidmühlen über die förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes Marktkern bis zum 31. Dezember 2025 zu verlängern. Der Finanzausschuss hat die Prüfung der Jahresrechnungen von 2016 bis 2020 abgeschlossen. Wie Marktgemeinderat Peter Meyer als Sprecher des Finanzausschusses feststellte, habe es keine rechnerischen und formalen Feststellungen gegeben. Er regte aber an, auftretende Wasserverluste zeitnah abzustellen oder auf ein vernünftiges Maß zurückzuführen. „Zeitweilige Wasserverluste von bis zu 30 Prozent sind einfach zu viel“, sagte Meyer.

Hintergrund:

Bodendenkmäler rund um Schmidmühlen

  • Historie: Dass das Vilstal zwischen Schmidmühlen, Emhof und Dietldorf schon in vorchristlicher Zeit gut besiedelt war, darauf verweisen Hügelgräber auf den Höhenrücken und vorchristliche Siedlungen im Talbereich der Vils. Der Denkmalatlas des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege weist eine Vielzahl an Bodendenkmälern im Gemeindegebiet von Schmidmühlen aus.
  • Keltischen Ursprungs: Im Waldgebiet zwischen Archenleiten und Emhof findet man einige vorgeschichtliche Bestattungsplätzen (Hügelgräber) und einen keltischen Ringwall. Auch der Kreuzberg in Schmidmühlen geht auf eine keltische Wallanlage zurück. Weiteres Bodendenkmal wenige hundert Meter südöstlich von Emhof.
  • Bestattungsplatz: Reste einer umfangreicheren Anlage in der Nähe von Wölsdorf, heute im Truppenübungsplatz gelegen.
  • Vorgeschichtliche Siedlungen: Anlage zwischen Emhof und Pettenhof. Dazu kommt eine der Latènezeit (Epoche der jüngeren vorrömischen Eisenzeit, reicht von etwa 450 vor Chr. bis zur Zeit um Christi Geburt) zuordenbare Siedlung südlich von Pettenhof.
  • Linsenflasche: Besonderer Fund in Matzhausen, zwischen Emhof und Dietldorf im Truppenübungsplatz Hohenfels gelegen. Stammt aus einer Grabbeigabe in der frühen Latènezeit um 400 bis 350 vor Christus. Wird heute im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Berlin verwahrt. Nachbildung der Linsenflasche von Matzhausen im Heimatmuseum in Parsberg zu sehen.

 

 

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