01.11.2020 - 10:26 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Banner in Schmidmühlen erinnert an bewegte Zeiten

Der Anlass ist in der Geschichte Schmidmühlens zu finden. Aber der Inhalt passt perfekt in die Gegenwart. Ein großes Banner hängt derzeit am Ackerbürgerhaus. Es hat die Aufschrift "Bewegte Zeiten" und erinnert an den Herrn der Morisken.

Bewegte Zeiten: So war die große Kunstausstellung zum 500. Todestag von Erasmus Grasser und seinen weltberühmten Moriskentänzern umschrieben. Bewegte Zeiten erleben die Schmidmühlener wieder, nur auf eine ganz andere Art.
von Paul BöhmProfil

Das überdimensionale Banner an der Giebelmauer des Ackerbürgerhauses am ehemaligen Golden Anker in Schmidmühlen zeigt den Schriftzug "Bewegte Zeiten". Das passt perfekt. Nicht nur, weil es die derzeitige Situation in der Gesellschaft ganz gut trifft, sondern aus einem ganz anderen Grund. „Bewegte Zeiten“ nannte man die große Ausstellung der vom Schmidmühlener Bildhauer Erasmus Grasser geschaffenen Morisken aus Anlass seines 500. Todestages im Jahr 2018 in der Landeshauptstadt München. Bewegte Zeiten sind es auch heute wieder mehr als 500 Jahr später. Nur der Hintergrund und der Anlass ist ein anderer.

Der um 1450 in Schmidmühlen geborene junge Grasser ging damals nach München, um mit seiner Hände Arbeit für ein gutes Auskommen zu sorgen und die Chancen des Lebens zu nutzen. Es können aber auch andere Beweggründe gewesen sein, die ihn damals bewogen haben, diesen Schritt zu wagen - man wird es wohl nicht mehr erkunden können. Als „Herr der Morisken“ hat er es damals geschafft, nicht nur die Münchner Kunstwelt und die angesehenen Stadtbürger auf seine Seite zu ziehen. Er hat es geschafft zu Reichtümern und Ansehen zu kommen. Seit dem Frühjahr erinnert am ehemaligen Gasthof „Goldener Anker“, dessen Geschichte auch auf jene Zeit zurückreicht, als in Schmidmühlen von Handelsleuten eine Ladestätte für Salz aus dem Berchtesgadener Land und für gewonnenes Eisenerz aus dem Sulzbach-Rosenberger Raum an der Vils betrieben worden war. Jetzt, in Coronazeiten hat der Name der Ausstellung freilich eine ganz andere Bedeutung gewonnen. Keiner weiß, wie lange diese „bewegten Zeiten“ überhaupt noch andauern werden. Das gesellschaftliche Leben ist nicht nur in Schmidmühlen weitgehend eingedampft worden. Man kann schon sagen: Das waren damals noch Zeiten, als in Schmidmühlen ein Marktfest abgehalten werden konnte, als die Vereine mit einer Vielzahl von Veranstaltungen aufwarteten, die Kirchweihfeste gefeiert werden konnte, die Vereinsfeste liefen und die Kirchenfeste Mittelpunkte des Lebens waren. Auch die Vereine stoßen derzeit an die Grenzen. Fast wehmütig wird einem da ums Herz, wenn man nicht mehr zusammensitzen kann, wie man gerne möchte, die Kirchenbänke leer bleiben müssen und dass es viele Verhaltensregeln zum eigenen Schutz und dem der Mitbürger zu beachten sind. Und man kann nur mutmaßen, wann diese bewegten Zeiten, die nicht nur die Schmidmühlener schon seit mehr als einem halben Jahr haben, einmal zu Ende gehen und die Menschen wieder mit „normalen Zeiten“ rechnen können. Es wäre ein Banner wert.

Zur Geschichte von Erasmus Grasser

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