24.06.2021 - 15:14 Uhr
Oberpfalz

Die Sache mit den Freudentränen

Wenn wir glücklich sind, sitzen wir nicht heulend herum - oder etwa doch? Wann haben Sie das letzte Mal Freudentränen vergossen? Weinen Sie ruhig öfter, rät die OWZ-Glücksexpertin. Denn auch positive Emotionen können uns überwältigen.

Wir weinen nicht nur, wenn wir traurig sind.
von Evi WagnerProfil

Die Stimme versagt, unsere Augen füllen sich mit Tränen, die Sicht ist leicht verschwommen, gleich geht es los. Die einen tun es mehr, die anderen weniger. Doch fast immer merken wir schon vorher, wenn wir anfangen zu weinen. „Wieviel besser ist es, über die Freude zu weinen, als sich am Weinen zu freuen“, schrieb einmal William Shakespeare. Denn der englische Dramatiker wusste bereits: Nicht immer weinen wir aus Schmerz, Traurigkeit, Verlust, Frustration oder Angst. Manchmal werden wir auch von positiven Emotionen überrollt, die uns zum Weinen bringen. Dann sprechen wir meist von Freudentränen.

Zugegeben: Beim Thema Glück denkt wohl zunächst keiner von uns daran, dass wir heulend herumsitzen. Und doch können diese Freudentränen ein Zeichen sein, wie sehr uns gerade ein Glücksgefühl überwältigt. Wir weinen, wenn wir Nachrichten erhalten, auf die wir schon lange gewartet haben, wenn uns jemand sagt, dass er uns liebt, wenn wir einen Wettbewerb gewinnen oder wenn wir Musik hören, die uns tief bewegt. Doch warum reagieren wir so? Oriana Aragón, Psychologin an der Yale University, hat mehrere Studien zu diesem Thema durchgeführt. Sie untersuchte diese „dimorphous expressions“ in einer Reihe von Studien.

Dabei geht es um Emotionen, die zwar rein positiv sind, aber einen „negativen“ Ausdruck annehmen, um sich zu äußern. Wie eben zum Beispiel aus Freude oder Glück zu weinen. Die Ergebnisse der Studien zeigen: Wenn wir Freudentränen vergießen, hilft uns das, unsere Gefühle schneller wieder in den Griff zu bekommen. „Intensive, überwältigende Gefühle führen sofort zu einer Gegensteuerung, um möglichst schnell emotional stabil zu werden“, erklärt die Psychologin. Es macht also durchaus Sinn, zu weinen, weil wir unglaublich glücklich sind.

Hören wir also auf damit, Tränen immer als etwas Negatives zu betrachten. Denn längst ist auch wissenschaftlich bewiesen, dass das Weinen eine wohltuende Wirkung hat – egal ob es nun aus Trauer oder Freude passiert. Ad Vingerhoets, niederländischer Psychologe und der Tränenforscher schlechthin, befragte 5000 Menschen auf der ganzen Welt, ob sie sich nach ihrer letzten Weinepisode besser fühlten. Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte sagten Ja. Schämen wir uns also nicht mehr, wenn uns wieder einmal die Tränen in die Augen steigen. Sondern freuen wir uns doch einfach darüber. Besonders dann, wenn es Freudentränen sind.

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