Rothenstädter gründet eigenes Modelabel

Christopher Bohn wusste schon früh, was er werden wollte: Modedesigner. Seinen Traum verwirklicht er sich nun mit einer eigenen Modemarke in Rothenstadt.

Christopher Bohn hat ein eigenes Modelabel "Maison de Caractère" gegründet. Die Kleidung verkauft er hauptsächlich im Internet und seit dieser Woche in seinem Laden in Rothenstadt.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Behutsam sortiert Christopher Bohn ein maisgelbes, langärmliges Kleid mit Strickmuster zwischen grauen T-Shirts und schwarzen Jacken ein. Noch einmal die Abstände zwischen den schwarzen Kleiderbügeln richten, fertig. Der 24-Jährige aus Rothenstadt blickt stolz auf die Kleidungsstücke. Der Grund: Die verschiedenen Tops, Jacken, Hosen, Pullis und Mäntel hat er selbst entworfen und in seinem Atelier zusammengenäht. Feinsäuberlich hängen sie nun in dem offenen Kleiderschrank, bereit zur Präsentation, bereit für interessierte Kunden.

Die erste Kollektion seiner eigenen Modemarkte "Maison de Caractère" (Übersetzt: Haus mit Charakter) verkauft der Oberpfälzer hauptsächlich im Internet und seit ein paar Tagen in seinem Verkaufsraum in Rothenstadt. Dabei hatte Christopher Bohn zunächst andere Pläne. "Ich wollte nach Berlin ziehen und dort meine Mode entwickeln", erzählt er. Aber es kam anderes. Die Corona-Pandemie wirbelte auch seine Pläne durcheinander. "Aber das macht nichts", sagt er. "Ich bin froh, dass alles so gekommen ist, wie es jetzt ist." Die Räumlichkeiten in einem Mehrfamilienhaus auf dem Rathausplatz bezog er bereits im Herbst vergangenen Jahres.

Ziel: Nachhaltige Mode

Was anfangs nur als Arbeitsstätte gedacht war, gestaltete Bohn zu einem Verkaufsraum mit Umkleidekabinen um. Das Atelier des Modemachers schließt sich direkt daran an. Hier entstehen in Handarbeit die verschiedenen Kleidungsstücke - 18 verschiedene umfasst die Debütkollektion. Auf dem großen Holztisch in der Mitte liegen Scheren, Stifte und Schnittmuster. Knöpfe, Nadeln und andere Utensilien wurden in Einweckgläsern einsortiert. In einem Regal liegen verschiedene Stoffrollen. "Ich versuche die Kleidung so nachhaltig und hochwertig wie möglich herzustellen." Die Stoffe wurden unter anderem nach dem international einheitlichen Oeko-Tex-Standard, Fairtrade oder Bio gefertigt. "Ziel ist es, den Anteil an nachhaltigen Stoffen Stück für Stück zu erhöhen."

Halbjährlich möchte der Rothenstädter in Zukunft eine neue Kollektion herausbringen, eine spezielle Zielgruppe hat er dabei nicht im Auge. "Ich möchte die Individualität jedes einzelnen fördern. Zieh das an was dir gefällt und worin du dich wohlfühlst." Seine Mode beschreibt der Designer selbst als "düster und doch elegant mit einem Hauch Magie, hochgeschlossen, aber nicht bieder".

Videodreh im Doost

Für seine erste Kollektion ließ er sich vom Gemälde "Der Wanderer über dem Nebelmeer" von Caspar David Friedrich inspirieren. "Das Bild haben wir damals in der Schule besprochen, seitdem hat es mich nicht mehr losgelassen", erzählt er. Was wohl hinter dem Nebel liegt? Der Wanderer, der in die Ferne, in den Nebel blickt, erinnert den 24-Jährigen an sich selbst, aber auch an die aktuelle Corona-Situation. "Als junges Unternehmen, weiß ich nicht was auf mich alles zukommt, genauso ist es mit der Pandemie."

Drei Monate steckte der Rothenstädter in die Vorbereitung für einen Videodreh und ein Fotoshooting. "Zwei Tage haben wir im Doost und auf der Burg in Flossenbürg gefilmt", blickt er zurück. Dabei wurde auch der Wanderer im Nebelmeer nachgestellt. Bilder von diesem Tag zieren nun die Wände der Modewerkstatt.

Historische Kleidung als Vorlage

Inspiration holt sich Bohn nicht nur von Gemälden, sondern auch von historischen Ereignissen. Für seine Abschlussarbeit nahm er sich den Kleidungsstil der Französischen Revolution zum Vorbild. Ergänzt mit modernen, originellen Details entstand so eine zeitlose Design-Komposition. Eine Ausstellung der Modemarke Balenciaga bleibt ihm besonders in Erinnerung. "Da habe ich gewusst, das ist mein Stil." Der britische Designer Alexander McQueen zählt ebenfalls zu seinen Vorbildern.

Seine Leidenschaft für Kleidung, Stoffe und Mode begann bereits in der Kindheit. "Meine Oma hatte eine große Box mit verschiedenen Knöpfen", blickt er zurück. "Die Knöpfe durfte ich anfangs auf Papier aufkleben, später mit Nadel und Faden aufnähen." Bereits in der Realschule steht für ihn fest: "Ich möchte Kleidung entwerfen". In der Modefachschule in Sigmaringen lässt er sich zum staatlich geprüften Modedesigner ausbilden. Hinzu kommt die Qualifikation zum Maßschneider. Nach der Ausbildung arbeitete er bei verschiedenen Startups in ganz Deutschland und bei einer bekannten Modekette.

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Hintergrund:

Wie wird man Modedesigner?

  • Schulische Ausbildung in öffentlichen Berufsfachschulen oder privaten Modeschulen, Voraussetzung: meist Mittlere Reife und Eignungstest, Dauer: 2 bis 3 Jahre, Abschluss: Staatlich geprüfter Designer (Mode)
  • Studium: Bachelorstudiengang 3-4 Jahre, Master 1-2 Jahre
  • Arbeitsort: Einzel- und Versandhandel, Ateliers, Entwurfsabteilung, Mode- und Fachverlagen, Film- und Fernsehanstalten, Theater

 

 

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