Unter ihm blühte Rothenstadt auf: Zum 50. Todestag von Bürgermeister Hans Sauer

Die Grundschule von Rothenstadt trägt heute seinen Namen: Hans Sauer war nach dem Zweiten Weltkrieg der erste Bürgermeister, bis zu seinem Tod 1970. In seiner Amtszeit hat er viele Projekte in der damals eigenständigen Gemeinde angestoßen.

Hans Sauer, Bürgermeister von Rothenstadt, verstarb 1970.
von Redaktion ONETZProfil

Rothenstadts früherer Bürgermeister Hans Sauer war über ein Vierteljahrhundert erster Mann der Gemeinde. An diesem Sonntag, 30. August, jährt sich der Todestag des Kommunalpolitikers zum 50. Mal. Sauer war in Anerkennung seiner Verdienste im März 1967 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen worden. Georg Kick kannte Sauer und hat als Heimatforscher von Rothenstadt auch ein Buch „Rothenstadt – Geschichte und Geschichten“ verfasst.

Am 11. Februar 1894 in Holzhammer geboren, siedelte Hans Sauer 1909 mit seinen Eltern in die Gemeinde Rothenstadt über. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Soldat an der West- und Ostfront eingesetzt und erlitt eine schwere Verwundung, die ihn sein Leben lang beeinträchtigte. Am 28. Juni 1923 heiratete er Babette Lindner aus Rothenstadt, die ihren Mann in seinen politischen Tätigkeiten aktiv unterstützte. 1919 war Sauer in die Sozialdemokratische Partei eingetreten und gehörte zu den Gründungsmitgliedern des SPD-Ortsvereins, dessen Vorsitzender er in den 1920er Jahren und dann von 1945 bis 1961 war.

Wegen seiner parteipolitischen Einstellung und sein aktives Eintreten für seine Kollegen und eine gerechte Arbeitswelt wurde er 1928 zusammen mit vier weiteren Rothenstädtern im Reichsbahn-Ausbesserungswerk Weiden entlassen. Von 1929 bis 1933 gehörte er dem Gemeinderat an. Am 29. Juni 1933 trat Sauer zusammen mit drei weiteren SPD-Gemeinderäten zurück. Wegen seiner politischen Gesinnung war er 1934 von den Nazis über sieben Monate in Nürnberg inhaftiert.

1946 zum Bürgermeister gewählt

Gleich nach dem Einmarsch der Amerikaner in den letzten Apriltagen 1945 berief ihn die Besatzungsmacht kommissarisch zum Bürgermeister. Auch bei den ersten demokratischen Gemeindewahlen nach dem Zweiten Weltkrieg am 27. Januar 1946 wurde Sauer zum 1. Bürgermeister gewählt – wie 1948 und bei den folgenden Wahlen bis 1966. Spannend war die Gemeindewahl 1952, die er knapp mit fünf Stimmen Vorsprung vor Otto Strobel (UPW) gewann. Bei seiner letzten Wahl 1966 siegte Sauer deutlich mit 1071 Stimmen gegen Ludwig Schmid (CSU) mit 672 Stimmen.

Die Grundschule von Rothenstadt (im Bildvordergrund) trägt heute den Namen von Hans Sauer. Er war 24 Jahre lang Bürgermeister und verhalf der damals eigenständigen Gemeinde zur Blüte.

Aufschwung von Rothenstadt

Zu der Zeit der Amtsübernahme als Bürgermeister 1945 konnte niemand den großen Aufschwung der Gemeinde unter seiner Regie erahnen. In nahezu jedem Jahr wurde eine größere Baumaßnahme durchgeführt: ein neues Rathaus und eine neue Schule mit Turnhalle, die Wasserleitung und Kanalisation mit Sammelkläranlage, ein Feuerwehrgerätehaus und moderne Ausrüstung der Wehr, der Ausbau der Ortsstraßen und der Verbindungsstraßen nach Neubau und Sperlhammer sowie die Bereitstellung von Bauland und Wohnungen, um nur die wichtigsten zu nennen. Für Georg Kick war Hans Sauer „ein Mann in der Mitte, des Ausgleichs und der Gerechtigkeit“, der sein Amt überparteilich führte, das Vertrauen aller Parteien und der gesamten Bevölkerung genoss und auch die Interessen der Arbeiter und der so genannten „kleinen Leute“ vertrat.

Zwist im Gemeinderat

Zum Ende seiner Amtszeit habe es für Sauer allerdings auch harte Zeiten gegeben. Bereits vor seinem Wahlsieg 1966 hatte das Gerangel um die Kandidatur für die Bürgermeisterwahl 1972 begonnen, da abzusehen war, dass dieses Amt dann neu zu besetzen sein würde. Angreifbar von Missgünstigen, war es für Sauer schwierig, die Ordnung innerhalb des Gemeinderates und seiner Fraktion durchzusetzen. Er erklärte sich aber nochmals für eine Kandidatur 1966 bereit, auch wenn er wegen der ständigen Streitereien amtsmüde war. Nach diesen Wahlen verschärften sich die Auseinandersetzungen im Gemeinderat.

Sauers Rücktritt war für den 1.1.1971 vorgesehen. Sein wohl größtes Werk, die Erweiterung der Volksschule zur Großschulanlage, konnte er noch beginnen, doch durch seinen plötzlichen Tod am 30. August 1970 nicht mehr miterleben. Sauer starb bei einem Ausflug des Gesangvereins „Harmonie“.

Zur Wahl eines Nachfolgers im Herbst 1970 machten sich mehrere Kandidaten Hoffnung. Schon im Vorfeld war die Zeit geprägt von Parteitaktik und Karrierestreben, von heftigen Streitereien und mehreren Parteiübertritten zwischen CSU und SPD. Nach der Wahl von Anton Schröpf zum 1. Bürgermeister begannen auch die Diskussionen um die Eingemeindung nach Weiden. Sie wurde offiziell am 1. Mai 1978 vollzogen.

Gedenktafel für Hans Sauer

Weiden in der Oberpfalz

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