06.05.2021 - 19:49 Uhr
RiedenOberpfalz

Zum Tod von Pfarrer Rudolf Schubach: Ein aufrichtiges und bewegtes 90-jähriges Leben

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Rudolf Schubach hatte einen Lebensweg, der sich so spannend liest wie ein Roman. Und für ihn gilt etwas, das für einen katholischen Pfarrer extrem ungewöhnlich ist: Er hinterlässt seine Frau, acht Kinder, acht Enkel und vier Urenkel.

Pfarrer Rudolf Schubach, wie ihn viele kannten.
von Autor MMAProfil

Voller Trauer erfuhren die Gläubigen der Pfarreien Rieden und Vilshofen vom Ableben des Bischöflich Geistlichen Rates Rudolf Schubach, der am 24. April im Alter von 90 Jahren unerwartet verstorben war. Seit 2001 verbrachte er in Vilshofen mit seiner Ehefrau Edith seinen Ruhestand.

Schubachs Lebensweg begann am 17. Februar 1931 in Crimmitschau in Sachsen. Der Vater war Ingenieur bei Horch in Zwickau; die Familie gehörte der kleinen „Evangelisch-Lutherischen Freikirche in Sachsen“ an. Da schon in jungen Jahren Rudolf Schubachs Berufswunsch „Pastor“ war, ging er in den Nachkriegswirren in den Westen nach Groß-Oesingen und erwarb dort in einem Theologischen Proseminar das notwendige Graecum, das Hebraicum und das Latinum.

In DDR kein Studium möglich

Damit allein aber konnte er noch nicht studieren. So führte ihn sein Weg wieder nach Zwickau, wo er in die letzte Klasse des Gymnasiums aufgenommen wurde und das Abitur erwarb. In seinem Zeugnis jedoch findet sich der Eintrag, dass er „wegen mangelnder sozialistischer Einstellung“ an keiner Hochschule der DDR studieren dürfe. So hatte er zwar das Abitur bestanden, doch war ihm die Möglichkeit zu studieren verwehrt.

Deshalb ging er wieder in den Westen und studierte evangelische Theologie in Oberursel bei Frankfurt und in Erlangen. Mit Ehefrau Edith ist er seit 1955 verheiratet.

In einer Phase der Neuorientierung wollte Schubach nun Studienrat werden und studierte deshalb Altgriechisch in Frankfurt am Main. Danach wurde er aber doch evangelisch-lutherischer Stadtvikar in Marktredwitz. Ab 1959 war er Pfarrer in Schirnding. In diesen Jahren kamen auch die gemeinsamen acht Kinder zur Welt.

Dem Erbe Luthers verpflichtet

1972 zogen er und seine Familie nach Braunschweig, wo er die Pastorenstelle an der „Brüdernkirche“ St. Ulrici übernahm. In dieser Gemeinde war man besonders dem theologischen und liturgischem Erbe Luthers verpflichtet, wofür sich Schubach zeitlebens interessierte.

Noch in den Schirndinger und dann in Braunschweiger Jahren vertiefte er diese seine Liebe zur Liturgie und versuchte seine Erkenntnisse in den Gottesdiensten zu verwirklichen. So führte er unter anderem in den evangelischen Gottesdienst in Schirnding wieder Messgewänder ein, was ihm aber manches Unverständnis nicht nur der Basis einbrachte. Mehrere theologische Fragen und Entwicklungen in der evangelischen Landeskirche entfremdeten ihn dann bald immer mehr von seiner Konfession.

1975 mit Familie konvertiert

Schließlich führten ihn seine theologischen Studien zu der Gewissheit, dass er „katholisch“ werden müsse, um in die volle sakramentale Gestalt der Kirche „heimzukehren“, wie er es selbst formulierte. Ein zentrales Anliegen war es ihm auch seiner Familie, die fast vollständig und ebenfalls überzeugt mit ihm konvertierte, eine tragende neue kirchliche Heimat zu geben.

Die Familie zog nach Bad Abbach und mit der Erlaubnis Papst Pauls VI. konnte er 1975, obwohl verheiratet, durch den ökumenisch engagierten Regensburger Bischof Rudolf Graber zum katholischen Priester geweiht werden. „Dies war für ihn und seine ganze Familie ein großes Geschenk“, betont sein Sohn Gottfried, der ebenfalls Priester ist und damals ebenfalls konvertiert war.

Zuerst war Rudolf Schubach dann einige Jahre Religionslehrer am Albrecht-Altdorfer-Gymnasium in Regensburg und betreute zudem bis 1993 die Pfarrei Herrnwahlthann in Niederbayern. Hier blieb er durch sein breites seelsorgliches Wirken, viele mutige Renovierungen und den Neubau der Kirche in Hausen noch in bester Erinnerung. Als Anerkennung ernannte ihn die Gemeinde Hausen sogar zu ihrem Ehrenbürger.

Seit 2001 in Vilshofen

Danach wurde er Pfarrer in Pfelling bei Bogen. 2001 ging er in den Ruhestand und mit seiner Gattin nach Vilshofen in die Oberpfalz. Dort half er in der Pfarrei seines Sohnes noch gerne in den Gemeinden mit, solange eben die Kräfte dafür reichten. 2006 zeichnete ihn Bischof Gerhard Ludwig Müller mit dem Titel Bischöflich Geistlicher Rat aus.

Begeistert widmete Schubach sich noch einige Zeit mit großer Hingabe seinen Hobbys wie dem Modellfliegen. Er hinterlässt seine Ehefrau, acht Kinder, acht Enkelkinder und vier Urenkel.

Den Kern seines Glaubens hat er so formuliert: "Jesus Christus – einzige Hoffnung – unser Heil – mein herzliches Verlangen – ich glaube an ihn. In seine Hände befehle ich meinen Geist – von Tag zu Tag – bis zur Vollendung. Amen."

Rudolf Schubachs Sohn Gottfried ist ebenfalls Pfarrer und wechselt im September nach Weiden

Rieden

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„Dies war für ihn und seine ganze Familie ein großes Geschenk.“

Sohn Gottfried Schubach zur Tatsache, dass sein Vater nach der Konversion zum katholischen Priester geweiht wurde

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