05.11.2020 - 14:26 Uhr
Reuth bei Kastl bei KemnathOberpfalz

Angeblicher Wolf im "Russel" bei Reuth gesichtet

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Hund, Katze, Maus? Die letzten beiden scheiden jedenfalls aus bei der Frage, was eine Spaziergängerin kürzlich zwischen Reuth und Kuchenreuth gesehen hat. Sie ist sich aber sicher: Es war ein Wolf.

Eine Aufnahme der Fährte des Tieres bei Kastl. Das Trittsiegel ist 10 bis 12 Zentimeter lang. Das eines Hundes und eines Wolfes ist ähnlich, aber das des Haustieres ist eher rund, das des Beutegreifers länglich und oval.
von C. & W. RupprechtProfil

Wölfe leben schon seit Längerem in der Region. Vor allem auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr. Aber auch im Manteler und Veldensteiner Forst gibt es sie. Anfang des Jahres ist ein Wolf bei Eschenbach gesehen worden, ein weiterer Verdachtsfall ist aus Waldeck bekannt. Für Menschen bleiben Wölfe meistens unsichtbar, denn sie halten sich von ihnen fern.

Bis auf fünf Meter genähert

Aber nicht das Tier, das am späten Mittwochnachmittag vergangener Woche den Weg einer Spaziergängerin zwischen Reuth und Kuchenreuth gekreuzt hat. Gegen 16.30 Uhr war sie mit ihrem Hund im sogenannten "Russel" unterwegs. Noch bei Tageslicht und in offenem Gelände ließ die Frau ihren Hund, ein Deutsch-Drahthaar, an der Leine laufen, als sie etwa 20 bis 30 Meter entfernt ein Tier entdeckte. Es kam rasch näher und folgte der Hundebesitzerin. Da sie es für einen Wolf in heller Färbung hielt, rief sie ihren Mann an und trat bewusst nicht übereilt den Heimweg an. Das Tier folgte ihr weiter und näherte sich bis auf fünf Meter ihrer verängstigten Hündin. Auch als der Ehemann mit dem Auto kam und laut hupte, ließ sich das fremde Tier nicht vertreiben. "Es war eindeutig ein Wolf, der Kopf war massiger als bei einem Hund, die Lunte kürzer als bei vergleichbaren Hunden", berichtet die Frau von ihrem Erlebnis. Das war "für mich richtig furchteinflößend", auch wenn sich das Tier ohne Knurren und Zähnefletschen genähert habe.

Das war für mich richtig furchteinflößend.

Spaziergängerin über das Aufeinandertreffen mit dem vermeintlichen Wolf

Das Ehepaar meint, dass es ich um ein relativ junges männliches Tier gehandelt hat. Für den Kemnather Hegeringleiter Bruno Ponnath ist das eine mögliche Erklärung, warum es nicht das Weite gesucht hat. Junge Wölfe, die in der Nähe von Siedlungen und Straßen großgeworden sind, seien oft weniger scheu als ihre Artgenossen und oft auch einfach neugierig. Aber normalerweise halte sich ein Wolf vom Menschen fern. Dass er so nah herangekommen und trotz Autohupe geblieben sei, "ist untypisch".

Im Manteler Forst wurden Wolfsjunge gesichtet

Mantel

Diese Ansicht teilt auch Heribert Bradtka. "Wenn sie Menschen hören, sind die Wölfe normalerweise weg." Er habe auch bisher nichts gehört, dass sich ein solches Raubtier in diesem Bereich aufhalte, erklärt der Leiter des Forstreviers Kemnath. Dessen Anwesenheit ausschließen möchte er allerdings - unter anderem mit Blick auf den Truppenübungsplatz und den Veldensteiner Forst - nicht. "Wölfe wandern nachts sehr weit", daher könne man im Bereich von Kastl durchaus mal einen Wolf sehen - "wenn man Glück hat".

Genetische Spur wichtig

Bradtka erinnert sich an den vergangenen Dezember, da sei im Hessenreuther Wald ein wolfähnliches Tier aufgenommen worden. Das Bild habe die Außenstelle des Landesamtes für Umwelt in Hof untersucht. Ob es sich tatsächlich um Meister Isegrim gehandelt hat, "kann man nicht zu 100 Prozent sagen". Dafür brauche es eine genetische Spur wie Haare.

Dass es einer solchen bedarf, um das Tier eindeutig als Wolf zu identifizieren, sagt auch Wolfgang Schinner, Vorsitzender des Kreisjagdverbands Kemnath. Der Tierarzt hat von den Schilderungen der Spaziergängerin und deren Mann gehört und stuft sie als glaubhaft ein. "Wir müssen von einem Wolf ausgehen, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist", sagt er.

Wir müssen von einem Wolf ausgehen, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist.

Wolfgang Schinner

Problematisch sei eben, wie sich das Tier bei der Begegnung mit der Frau und deren Hund verhalten hat. "Das war atypisch." Auch ob der "massiven Größe der Fußabdrücke" sei davon auszugehen, dass es sich um einen Wolf handelt. Aus Sicht eines Jägers sagt Schinner: "Kaum einer wird sagen, das ist unser Freund. Aber wir müssen jetzt erst einmal schauen, ob es wirklich ein Wolf ist." Und der habe nun mal einen "großen Aktionsradius", wie der Veterinär weiß. 30 bis 40 Kilometer seien für ein solches Tier keine Entfernung. Der Jagdverband, den Schinner betreut, umfasst den Altlandkreis Kemnath. Den etwa 160 Mitgliedern habe er "empfohlen, dass beobachtet werden soll".

Im Blickpunkt:

Richtiges Verhalten bei einer Wolfsbegegnung

Wie alle anderen Wildtiere gehen auch Wölfe Menschen aus dem Weg. Streifen sie tagsüber durch ihr Revier, hören und riechen sie jede Person lange bevor sie sie entdecken. Kommt es trotzdem einmal zu einer Begegnung, dann rät der Bund Naturschutz:

  • Grundsätzlich ruhig verhalten und Abstand halten.
  • Zieht sich der Wolf nicht zurück und erscheint die Situation nicht geheuer, dann laut sprechen oder in die Hände klatschen, um sich bemerkbar zu machen.
  • Wer sich unwohl oder bedrängt fühlt, sollte sich aufrichten und großmachen. Dem Tier auf jeden Fall nicht in die Augen sehen.
  • Bei einem Zusammentreffen sollten Spaziergänger das Tier ruhig beobachten, es nicht bedrängen und sich langsam zurückziehen.

Entfernt sich ein kleiner, nicht angeleinter Hund vom Halter, kann es sein, dass Wölfe ihn als Beute ansehen und jagen – mit der Absicht ihn zu töten und zu fressen.

Hintergrund:

Typisch Wolf

Der Wolf wird oft mit Schäferhunden oder großen Hundemischlingen verwechselt. Allerdings besitzt er einen kräftigeren Körperbau und einen längeren Rumpf. Sein Hals ist muskulös, der Kopf ist groß, mit breiter Stirn, der Brustkorb höher und ausgeprägter, die Bauchregion dagegen typisch schlank. Ein Wolf läuft relativ geradlinig, die Hinterläufe treten in die Spur der Vorderläufe. Der Hund tritt mit den hinteren Pfoten neben die Linie der Vorderpfoten und läuft eher in geschlängelten Linien.

Die Hauptfarben des großen Beutegreifers sind Grau, Braun, Schwarz und Weiß. Diese sind bei jedem Tier anders ausgeprägt und erzeugen zahlreiche Zwischentöne. Oft ist das Fell aber Grau-Weiß. Erwachsene Rüden bringen 30 bis 80 Kilogramm im Erwachsenenalter auf die Waage. Weibchen sind kleiner und wiegen zwischen 23 und 55 Kilogramm. Sie werden sechs bis acht Jahre alt. Der Wolf ist ein überwiegend dämmerungs- und nachtaktives Tier. Er findet Beutetiere meist über eine Distanz von zwei bis drei Kilometer direkt durch deren Geruch, seltener durch Verfolgung frischer Spuren.

Wölfe verhalten sich von Natur aus vorsichtig dem Menschen gegenüber und vermeiden die direkte Begegnung. Ein direktes Zusammentreffen ist auch in von Wölfen besiedelten Revieren selten.

Die Wölfe in Deutschland fressen vor allem Rehe, junge Rothirsche und Wildschweine. Aber dazwischen werden auch Hasen oder Mäuse nicht verachtet, ebenso Biber.

Im Frühling, zwischen Mitte April und Mitte Mai, kommen die Welpen zur Welt. Für das gesamte Rudel ist es ein spannendes Ereignis, denn Wölfe haben ein enges Familienverhältnis.

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