03.10.2021 - 10:51 Uhr
Reuth bei ErbendorfOberpfalz

Zoigl fließt im Kreis Tirschenreuth wieder reichlich

Zoiglbrauer und Zoiglstuben im Landkreis hatten es in den vergangenen Monaten nicht leicht. Der Sommer hat wieder zu mehr Umsatz verholfen, wenn auch eingeschränkt. Das Wetter und die Corona-Regeln hemmen den Zoiglbier-Fluss aber weiter.

Draußen im Hof gab es auch in der Zoigl-Gaststätte beim „Rechersimer“ in Röthenbach bei Reuth bei Erbendorf keine größeren Einschränkungen. Wirtin Maria Käß (links) macht sich aber Sorgen, wenn sie an die kommenden Herbstwochen und Wintermonate denkt.
von Ulla Britta BaumerProfil

Beim "Gutbauern" in Schönficht kann man längst nicht mehr nur Christbäume kaufen. Landwirt Lorenz Schön strahlt übers ganze Gesicht. An einem der ersten September-Sonntage hat er seinen Biergarten geöffnet. Gegen 14 Uhr tummelten sich bereits erste Gäste. Ralf und Karin Meier aus Hof waren auch darunter. Sie kommen regelmäßig zum "Gutbauern". "Zoigl gibt es bei uns in Hof nicht und uns gefällt es hier sehr gut", erzählte das Ehepaar.

"Warten Sie bis nach 15 Uhr. Dann ist die Bude voll", versprach Lorenz Schön. Er muss es wissen. Sein Open-Air-Zoigl läuft, wie er sagt, hervorragend. "Seit Corona besser denn je", fügte er an. Lorenz Schön hat nichts zum Meckern. Der Außenbereich habe ihm ausreichend Gäste beschert über die Sommermonate. Wenn auch das Wetter öfter nicht mitgespielt habe, sei er zufrieden. Der Grund für den Boom sei ein einfacher: "Die Leute wollen wieder was erleben, weggehen mit Freunden, sich unterhalten Auge in Auge", so Schön.

3G-Regel beschert mehr Arbeit

Beim "Rechersimer" in Röthenbach bei Reuth bei Erbendorf trug eine Bedienung beim Besuch von Oberpfalz-Medien gerade einer Wandergruppe den Zoigl nach draußen. "Wir haben erst ab 15 Uhr offen. Aber was soll man machen? Die Leut' ham Durst", sagte Maria Käß. Die Zoiglstuben-Wirtin betreibt den "Rechersimer" mit ihrem Ehemann Martin seit elf Jahren. Wie alle musste auch die Familie Käß über Monate schließen, ausgerechnet in den Wintermonaten. Da ging auch draußen nichts.

Mit der 3G-Regelung für Innenräume, die im Landkreis schon mal galt und wieder bevorsteht, ist Maria Käß nicht sehr glücklich. "Da mussten wir draußen extra jemand zum Kontrollieren einstellen. Das ist ganz schön teuer", blickte sie zurück. Kürzlich am Wochenende hatte sie noch mehr Glück. Das Wetter war schön, die Gäste konnten draußen sitzen. Inzwischen meldeten sich wieder etliche Leute und wollten wissen, ob man jetzt schon einen Nachweis braucht oder nicht.

Maria Käß berichtete weiter von einer Kompromisslösung in ihrer Gaststätte während der 3G-Phase, die total in die Hosen gegangen sei. "Einige haben sich draußen hingesetzt, weil ich sie nicht reinlassen durfte. Sie wollten das selbst so. Aber dann hat es in ihre Schnitzel reingeregnet." Wirtin und Gäste hätten dennoch Witzchen gerissen. "Die sagten dann: Gut war es. Nur ein wenig verwässert", ergänzte Maria Käß lachend.

Zum Personal und den Unkosten im Betrieb bemerkte die Wirtin, dass ihre zwei "Roboter" in der Küche Gott sei Dank arbeiten könnten wie die Pferde, was ihr weiteres Personal erspare. Beim "Rechersimer" gibt es insgesamt 200 Sitzplätze. Da gehe auch mit Abstandsregeln einiges, so die Wirtin. Seit Corona sei sie "doppelt froh" über ihre Entscheidung, zusätzlich zum Zoiglausschank auch das Ausrichten von Familienfeiern wie Hochzeiten und Geburtstage eingeführt zu haben.

Personal "verflüchtigt"

Die Zeit für eine umfangreiche Renovierung hat in Mitterteich Zoiglwirt Hans Lugert genutzt. Aufmachen wird er vor November aber noch nicht, anders als die bereits seit einiger Zeit geöffneten örtlichen Zoiglstuben Oppl und Hartwich. Der Innenhof sei angesichts der Abstandsregel zu eng. "Das rentiert sich nicht." Lugert, der auch selbst Zoigl braut, hat ein zusätzliches Problem bekommen wegen Corona. Als alles dicht war, hat sich bei vielen Zoigl-Wirten ein Teil des Personals "verflüchtigt". Lugert sagt, dass das momentan seine größte Sorge sei. Deshalb könne er auch voraussichtlich nicht mehr so häufig wie früher öffnen. "Ich finde keine Leute. Vor allem für die Küche wäre es total dringend. Den Ausschank kriege ich schon hin, aber ich muss auch eine Brotzeit anbieten können", erklärte er, während er liebevoll seinen Zoiglstern an der Decke in der Hofeinfahrt aufpoliert.e Lugert hat seinen schönen Innenhof neu verputzt und gestrichen. Und in der guten Stube ist unter anderem ein neuer Fußboden installiert worden.

Hans Lugert ist gespannt, wie es weitergeht. Das Telefon stehe seit Wochen nicht mehr still. "Sie fragen ständig, wann wieder offen ist und ob sie rein dürfen." Zwar sei im Gaststättenbereich weitgehend alles wieder offen. Aber die Durststrecke wegen Corona sei wegen der weiterhin einzuhaltenden Regeln nicht wieder vorbei.

Sorgenvoller Blick auf den Winter

Beim Kramer-Zoigl in Falkenberg sorgt sich Zoiglwirt Wolfgang Fischer mehr um die Zukunft als um die aktuelle Lage. Momentan laufe es gut, sagt er. Auch bei ihm liegt das am Biergarten und dem schönen Spätsommerwetter. Während er mit Oberpfalz-Medien spricht, schenkt er Zoigl aus. Die jungen Leute am Tisch stoßen miteinander an und sind bestens gelaunt. „Meine Gäste sind glücklich, dass sie wieder zum Zoigl gehen dürfen.“ Wolfgang Fischer braut seinen Zoigl in Falkenberg im Kommunbrauhaus selbst. Ob er sein Bier im Herbst und den Winter über überhaupt ausschenken kann und wie, das steht aber auch für ihn noch in den Sternen. „Jetzt geht es draußen locker zu. Aber was mache ich mit den 3G-Regeln, wenn es kalt wird und die Leute rein wollen in die Stube?“, fragt er. Der Kramer-Wirt und sein Team haben den Überblick über die Corona-Regeln verloren, was wann gilt.

Was ihm Bauchschmerzen macht, sind die Stammkunden – die will er in keinem Fall vergraulen: „Wenn einer davon nicht geimpft, genesen und nicht getestet ist, muss ich zu ihm sagen, du bleibst draußen. Das wird hart“, sagt er. Seinen Bedienungen habe er bereits angeraten, sich impfen zu lassen, damit der Betrieb möglichst reibungslos weiterlaufen kann. Auch überlegt der Falkenberger bereits, wie er das mit dem Lüftungskonzept regeln wird. Wolfgang Fischer ist froh, dass er noch seine Metzgerei hat. Von der Gastronomie allein möchte er momentan nicht leben müssen.

Das ist in Clubs, auf Volksfesten und im Unterricht wieder erlaubt

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