28.09.2021 - 21:37 Uhr
Reichenau bei WaidhausOberpfalz

Albtraum im Urlaub: Ehepaar aus Waidhaus in Spanien ausgeraubt

Matthias Langer aus Reichenau bei Waidhaus ist noch immer frustriert: Eine Räuberbande überfiel ihn und seine Frau am helllichten Tag auf einer Autobahn in Spanien. Polizei und Konsulat waren den Opfern danach keine große Hilfe.

Matthias Langer wollte mit seiner Frau drei Wochen Frankreich und Spanien erkunden. Die Fahrt mit dem umgebauten VW-Bus endete jäh, als das Paar auf einer Autobahn vor Barcelona überfallen wurde.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Es sollte eine dreiwöchige Reise durch Frankreich und Spanien werden. Matthias Langer und seine Frau Kerstin waren mit ihrem umgebauten VW-Bus schon acht Tage lang unterwegs, als ein dramatischer Vorfall am Montag, 20. September, der Reise ein jähes Ende bereitete. "Es liegt mir viel daran, dass bekannt wird, was uns passiert ist. Ich will andere Reisende damit warnen", begründet Langer seine Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien ist dem weit gereisten Ingenieur, der bis vor einigen Jahren mit Ballonfahrten vielen Menschen unvergessliche Erlebnisse bescherte, anzumerken, dass er immer noch frustriert ist. Er macht sich Vorwürfe, sich in diese Lage gebracht zu haben, indem er überhaupt angehalten und ausgestiegen ist.

Langer schickt voraus, dass er bereits weitaus abenteuerlichere Reisen unternommen habe als diesen Ausflug zu den Pyrenäen, der Bergkette zwischen Spanien und Frankreich. Vor einigen Jahren radelte er etwa mit Rad durch den Iran. "Mir ist nie etwas passiert." Bis zur Fahrt auf der Autobahn AP-7, über die das Ehepaar über Perpignan in Südfrankreich nach Barcelona und Saragossa fahren wollte. Die Autopista AP-7 oder del Mediterráneo ist Teil der Europastraße 15. Die drei Spuren seien an diesem Montag, 18 Uhr, sehr gut befahren gewesen.

Das Ehepaar befuhr mit dem VW-Bus bei etwa 120 Kilometer pro Stunde die mittlere Spur, als Langer im Rückspiegel einen schwarzen Pkw entdeckte. "Der Fahrer hat gehupt und wilde Zeichen in unsere Richtung gemacht." Der Reichenauer ist dann schneller gefahren und hat das schwarze Auto aus den Augen verloren.

Von zwei Autos bedrängt

Kurze Zeit später tauchte ein weißer Kleinwagen auf. Auch dieser Fahrer deutete in Richtung Heck von Langers VW-Bus. Der Wagen bedrängte die Oberpfälzer so lange, bis beide Fahrzeuge am engen Randstreifen zum Stehen kommen. "Der Wagen stand ganz dicht vor uns. Der Mann stieg aus und deutete auf das hintere Teil unseres Autos. Er sah aus wie ein Geschäftsmann, wirkte vertrauenserweckend und seriös."

Langer stieg aus und ging mit dem Mann zum rechten Hinterreifen. Auch Langers Frau Kerstin verließ den Wagen. "Der Mann hat dann am Ventil des Reifens rumgedreht, er quasselte unentwegt auf Spanisch auf uns ein. Dann rennt er wieder nach vorn, steigt in sein Auto und donnert davon." Das ganze dauerte nur etwa zwei Minuten, schätzt Langer.

Verstört stiegen die beiden Reisenden wieder ein. Sie bemerkten sofort, dass sowohl die Reisetasche in der Mittelkonsole als auch das Portemonnaie, das in einer Ablage im Armaturenbrett gelegen hatte, weg waren. In der Reisetasche befand sich zu allem Übel ein großer Bargeldbetrag. Ausweise, Führerschein und Bankkarten steckten ebenfalls in dieser Tasche. "Ich musste registrieren, dass uns das echt passiert war. Auf einer befahrenen Autobahn, mitten in Europa, am helllichten Tag", bemerkt Langer verdutzt. Mit solch einer Attacke hatte er weiß Gott nicht gerechnet. "Das war eine professionelle Diebesbande", ist er sich sicher. Denn: Eine zweite Person muss "konzentriert und schnell" die kurze Zeit genutzt und den Führerraum des Wagens zielgerichtet ausgeräumt haben.

"Zum Glück hatten wir noch unsere Handys", erzählt Langer weiter. Gleich bei der nächsten Autobahnausfahrt traf das Ehepaar auf eine Streife der Guardia Civil. Eine große Hilfe war dies jedoch nicht. Es passierte zunächst einmal gar nichts. "Meine Frau ließ in dieser Zeit schon mal per Handy sämtliche Karten sperren." Die beiden versuchten ab 18.30 Uhr, das deutsche Generalkonsulat telefonisch zu kontaktieren. Ohne Erfolg über die Notnummer in Barcelona und in der Botschaft Madrids. Nach zwei Stunden wurden sie von der Guardia Civil zur nächsten katalonischen Polizeistation geleitet.

"Das Prozedere dort war frustrierend und ohne Empathie", erinnert sich Langer. "Die Beamten interessierten sich nicht für Details des Überfalls." Die Opfer mussten nur einige Formulare ausfüllen. Das Paar entschloss sich, sofort zum deutschen Generalkonsulat nach Barcelona zu fahren. Gegen 22.30 Uhr kamen sie dort am Hafen an. Gleich am Morgen ging Langers Frau allein zum Konsulat. Langer musste im Wagen bleiben, weil kein Parkplatz zu finden war. "Am deutschen Schalter saß ein Spanier. Im Konsulat selbst fühlte sich meine Frau dann wie eine Bittstellerin." Der Ablauf - im Gang stehend, mit Maske vor einer geschlossenen Scheibe und schlechter Lautsprecherverständigung - sei ein Graus gewesen. "Trotz erfolgter Legitimation und Ausstellung eines Ersatzausweises meiner Frau lehnte man ihr die Bitte eines Notfallhilfegeldes ab. Gleichzeitig gab man ihr eine Zahlungsaufforderung für die Kosten des Ersatzausweises nebst Foto. Schlussendlich besorgten wir uns dann privat über Western Union ein Nothilfegeld für die Rückfahrt für Benzin und Maut."

In nur zwei Minuten alles weg

Der Ärger über die schlechte Behandlung nach dem Überfall im deutschen Generalkonsulat veranlasste den Ingenieur, sich beim Auswärtigen Amt schriftlich zu beschweren. Das Schreiben wurde ans Konsulat nach Barcelona weitergeleitet. In der Antwort des Konsulatsprechers Thomas Paegel heißt es: "Ich kann nachvollziehen, dass die geschilderten Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem Diebstahl auf der Autobahn sehr ärgerlich und frustrierend für Sie und Ihre Frau gewesen sein müssen. Bei dem geschilderten Ablauf, insbesondere auch auf der Autobahn A7, handelt es sich leider um ein bekanntes Phänomen, auf das wir deshalb auch in den Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts hinweisen."

In der Antwort werden die Öffnungszeiten des Generalkonsulats angeführt. "Nach Dienstschluss und bis Dienstbeginn am folgenden Tag ist der zentrale Bereitschaftsdienst für Spanien unter der per Bandansage mitgeteilten Telefonnummer erreichbar." Es folgt ein Verweis auf die Internetseite mit Infos für in Not geratene Deutsche mit Telefonnummern und Vorgehensweisen im Falle von Diebstählen und dem Verlust von Ausweisdokumenten.

Bei Geldverlust würden die Auslandsvertretungen zunächst Hilfe zur Selbsthilfe leisten, in dem sie über Mittel und Wege informieren, wie sich die in Not geratene Person (mittels einer Überweisung mit Western Union) selbst mit dem benötigten Geld versorgen kann. Nur sofern eine Geldversorgung auf diesem Weg ausscheidet, kann in streng definierten Einzelfällen auf der Grundlage des Konsulargesetzes auch eine finanzielle Hilfestellung geleistet werden. Die in Anspruch genommenen Leistungen sind in jedem Falle zurückzuzahlen. Weiter heißt es: "Dass Sie die Umstände im Zusammenhang mit Ihrem Besuch im Generalkonsulat kritikwürdig finden, bedaure ich. Ein Fehlverhalten [...] der Rechts- und Konsularabteilung vermag ich gleichwohl nicht zu erkennen."

Das hilft gegen Langeweile im Stau

Kranker Hesse strandet in Weiden: Oberpfälzer fährt ihn nach Hause

Weiden in der Oberpfalz

Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts

Matthias Langer auf spannender Radtour durch den Iran

Matthias Langer auf einer seiner Reisen, hier in Brindisi, einer Hafenstadt an der Adria in der süditalienischen Region Apulien.
Hintergrund:

Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts

  • Warnung des Auswärtigen Amts: In Urlaubszeit häufig Überfälle auf Touristen entlang spanischer Autobahnen, insbesondere auf A 7.
  • Hinweis 1: Geld, Ausweise, Führerschein, Flugscheine und andere wichtigen Dokumente sicher (etwa im Hotel-Safe) aufbewahren.
  • Hinweis 2: Bargeldlose Zahlungen bevorzugen, nur das für den Tag benötigte Bargeld und keine unnötigen Wertsachen mitnehmen.
  • Hinweis 3: In größeren Menschenmengen wie in Bussen besonders auf Wertsachen achten.
  • Hinweis 4: Mit Sicherheitstipps der spanischen Polizei und Verhaltensregeln vor Ort vertraut machen.
  • Hinweis 5: Nie auf Seitenstreifen halten; bis zur nächsten Tankstelle oder belebten Raststätte fahren. 112 wählen, Vorfall schildern.
  • Hinweis 6: Beim Aufsuchen von Tankstelle, Raststätte oder Parkplatz keine offen sichtbaren (Wert-)Gegenstände im Fahrzeug liegen lassen. Stets abschließen.
  • Hinweis 7: Im Fall einer Panne vergewissern, dass gerufener Abschleppwagen das Symbol von "Autopistas" oder das des angeforderten Pannendienstes trägt.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.