20.06.2021 - 16:43 Uhr
RegensburgOberpfalz

Zahl der katholischen Kindergärten im Bistum Regensburg geht zurück

"Wir kümmern uns um Ihren Nachwuchs – und zwar auf der Basis des christlichen Glaubens", verspricht das Bistum Regensburg. Gleichzeitig sinkt die Zahl der katholischen Kindergärten im Bistum. Das hat Folgen – aber nicht für die Kinder.

Gummistiefel und Regenkleidung liegen in einem Kindergarten für Regenwetter bereit. Die Zahl der katholischen Kindergärten ist in den vergangenen zehn Jahren im Bistum Regensburg gesunken.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Der katholische Kindergarten in der Pfarrei ist für viele Katholiken eine Institution, die sie nicht missen wollen. Dennoch wird deren Zahl weniger. Die Zeiten, da jede katholische Pfarrgemeinde im Bistum Regensburg einen eigenen Kindergarten betreibt, gehen dem Ende entgegen. Immer wieder müssen Pfarreien ihre Kinderbetreuungseinrichtungen schließen oder an andere Betreiber abgeben. Häufig erfolgt dies aus der Erkenntnis heraus, dass Leitungsarbeit und Verwaltung vom Pfarrer in den Pfarreiengemeinschaften nicht mehr zu leisten sind. Besonders schwer wiegt oft: Die Gemeinde kann den Kindergarten finanziell nicht mehr stemmen kann. Dazu kommen Vorgaben der Diözese, die die Zahlen der Kindergärten je Pfarrei begrenzen.

In den vergangenen zehn Jahren wurden in der Diözese Regensburg 23 katholische Kindergärten aufgeben. Im Jahr 2011 waren es nach Bistumsangaben noch 399 Kindertageseinrichtungen, in diesem Jahr sind es nur noch 376. Bundesweit gib es 9300 Kindertageseinrichtungen in katholischer Trägerschaft, berichtet die Deutsche Bischofskonferenz in ihrer "Kirchlichen Statistik 2019/2020". Demnach werden in diesen Einrichtungen mehr als 641.100 Kinder betreut. Die Kindertageseinrichtungen der Diözese Regensburg besuchen dieses Jahr rund 25.900 Kinder. Die Zahl ist laut Bistum eine Hochrechnung. Zehn Jahre zuvor, im Jahr 2011, waren es noch rund 27.500 Kinder.

Zuwachs im Landkreis Tirschenreuth

Das Überraschende: Nicht überall in der Mitte und im Norden der Oberpfalz sinkt die Zahl der katholischen Kindergärten. Im Kreis Tirschenreuth sind in den vergangenen zehn Jahren sogar zwei dazugekommen. Waren es im Jahr 2011 noch 16 Kindergärten, sind es jetzt 18. Entsprechend ist auch die Zahl der betreuten Kinder gestiegen, von 1037 auf 1257. Laut Bistumsangaben ist auch in der Stadt Amberg die Zahl gewachsen, von 11 auf 12. Dort werden derzeit 838 Kinder betreut, nach 761 im Jahr 2011.

Es gibt aber auch den Fall, dass zwar die Zahl der katholischen Kindergärten steigt, aber die Zahl der betreuten Kinder sinkt. In Weiden gibt es 12 Kindergärten, zwei mehr als im Jahr 2011. Die Zahl der insgesamt betreuten Kinder sank aber von 865 im Jahr 2011 auf 838 im Jahr 2021.

Mehr Kinder in weniger katholischen Einrichtungen

Im Landkreis Neustadt ist die Zahl der Kinder, die einen katholischen Kindergarten besuchen, gestiegen, obwohl deren Zahl gesunken ist. Im Jahr 2011wurden 2155 Kinder betreut. Dieses Jahr sind es 2165. Im gleichen Zeitraum gab die Kirche fünf Kindergärten auf. Im Jahr 2011 waren es noch 36, heute sind es laut Bistum 31. Ähnlich ist es im Landkreis Amberg-Sulzbach: Dort werden mit 1816 mehr Kinder betreut als im Jahr 2011. Damals waren es 1681.

Am deutlichsten sank die Zahl der Kinder, die eine katholische Kindertageseinrichtung besuchen, im Kreis Schwandorf. Im Jahr 2011 wurden in 36 Einrichtungen 2832 Kinder betreut, in diesem Jahr sind es nur noch 2375 in 34 Einrichtungen.

Vorgabe des Bistums Regensburg

Die Aufgabe der katholischen Kindergärten hat Folgen. Nicht für die Betreuung der Kinder, denn es ist Aufgabe der Kommunen, für entsprechende Einrichtungen zu sorgen. Gemeinden müssen, wenn sich die Kirche zurückzieht, selbst in die Bresche springen oder einen anderen Betreiber suchen.

Dabei kann es auch mal knirschen, so wie etwa in Nittenau (Kreis Schwandorf). Es sei ihm wichtig gewesen, einen Betreiber für den Kindergarten zu finden, bei dem sich auch die Beschäftigten wohl fühlen, berichtet Pfarrer Adolf Schöls. Nicht zur Freude aller, besonders im Stadtrat. Leicht gefallen war die Entscheidung in der Pfarrgemeinde, den Kindergarten St. Monika in Bergham abzugeben, niemanden. "Das tat uns weh. Wir haben alle nach Regensburg geschrieben," erzählt Stadtpfarrer Adolf Schöls. Vergeblich.

Seit dem Jahr 2016 gibt es im Bistum Regensburg eine Richtlinie, die die Zahl der Kinderbetreuungseinrichtungen in katholischer Trägerschaft begrenzt. Für eine Pfarrei ist eine Einrichtung mit bis zu vier Gruppen zulässig. Bei Pfarreiengemeinschaften von zwei Pfarreien soll die Gesamtgruppenzahl sechs, bei Pfarreiengemeinschaften von drei Pfarreien acht Gruppen nicht überschreiten. Hort- und Krippengruppen werden als Kindergartengruppen gezählt. Spätestens, wenn Investitionen anstehen, greifen die Vorgaben aus Regensburg. Dies traf auch die Pfarrei Mariä Geburt in Nittenau. Zum 1. Januar 2020 gab sie deshalb die Trägerschaft für den Kindergarten St. Monika ab. Der Pfarrei bleiben noch zwei Kindergärten.

Gesellschaftlicher Wandel

Ohne große Reaktionen verlief die Trägerwechsel zu Beginn dieses Jahres bei einem Kindergarten in der Pfarrei , berichtet Stadtpfarrer Markus Brunner von St. Georg in Amberg. Zwar habe es im Elternbeirat Stimmen gegeben, die den Wechsel bedauerten, aber großer Protest sei an ihn nicht herangetragen worden. Der Geistliche sieht darin ein städtisches Phänomen. Durch welchen Träger die Betreuung der Kinder erfolge, sei nicht mehr so wichtig. "Den Eltern ist es wichtig, dass die Kinder gut betreut sind." Der Stadtpfarrer verweist auf den gesellschaftlichen Wandel. Der Anteil der Kirchenbesucher sei in der Stadt deutlich geringer als in ländlichen Pfarreien.

Wenn Kindergärten von der katholischen Kirche aufgegeben werden, fällt auch die Ausrichtung der Erziehung am christlichen Menschenbild und den Wertvorstellungen der katholischen Kirche weg, Werten mit das Bistum Regensburg für die katholischen Einrichtungen wirbt. Dazu gehören auch die katholischen Feste im Jahreslauf. Beispiele: Der Gedenktag des heiligen Blasius mit dem Blasiussegen Anfang Februar oder der Martinszug im November. An beides erinnern sich viele aus der eigenen Kindergartenzeit. Häufig gibt es nach einem Trägerwechsel noch einen Martinszug, aber zum Blasiussegen werden die Pfarrer eher selten eingeladen.

Von so einem Beispiel berichtet Pfarrer Brunner. Vor Jahren hätte sein Vorgänger schon einen Kindergarten an einen anderen Träger übergeben. Heute gebe es von dort zur Pfarrei keinen Kontakt mehr. Sein Fazit: Es komme immer auf die verantwortlichen Personen an – die Leitung des Kindergartens und den jeweiligen Pfarrer.

Weniger religiöse Erziehung im Elternhaus

Vergibt die Kirche mit der Aufgabe der Kindergärten nicht eine Chance, Kinder an die christliche Religion heranzuführen? "Wir erreichen sie in der Grundschule", antwortet Pfarrer Brunner. Mit "wir" meint er Pastoralreferenten und Gemeindereferenten, Kaplan und Pfarrer sowie die Religionslehrer. Auch andere katholische Geistliche setzen auf die Grundschule. Wobei sie auch berichten, dass Kinder immer seltener im Elternhaus Kontakt zum katholischen Glauben hätten.

Nicht überall reagieren Pfarrgemeindemitglieder verständnisvoll auf einen Trägerwechsel. Besonders ältere Katholiken haben sich schwer getan zu akzeptieren, dass der Kindergarten in Trabitz (Kreis Neustadt/WN) im September 2019 von der katholischen Kirchenstiftung abgeben wurde. "Es ist nicht so einfach", sagt dazu Pfarrer Edmund Prechtl von der Pfarrei St. Georg in Pressath (Kreis Neustadt/WN) und betont: "Man macht das nicht gern." Auch in der von ihm geleiteten Pfarreigemeinschaft griff die Vorgabe der Diözese. Hier war das Kindergartengebäude sogar baufällig.

Kommentar: "Lasset die Kinder zu mir kommen."

Regensburg

Debatte nach dem Trägerwechsel

Trabitz

Katholische Pfarrei im Amberg gibt Kindergarten ab

Amberg
Die Zahl der katholischen Kindergärten in der nördlichen Oberpfalz und die Zahl der Kinder, die diese Einrichtungen besuchen.
Eine Erzieherin spielt in einer Kindertagesstätte hinter einer Rollbahn mit Kindern.
Kinder stehen in einem Kindergarten nebeneinander und warten, dass es losgeht.
Figuren für ein Theaterstück sind in einer Kindertagesstätte zu sehen.
Hintergrund:

Kindertageseinrichtungen im Bistum Regensburg

  • Die Zahl der Kindertageseinrichtungen ist in der Diözese Regensburg in den vergangenen zehn Jahren von 399 auf auf 376 gesunken.
  • Vor zehn Jahren besuchten rund 27.500 Kinder die Kindertageseinrichtungen in der Diözese. In diesem Jahr sind nach einer Hochrechnung des Bistums rund 25.900.

 

 

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